Das aktuelle Wetter Essen 9°C
Bedürftige

Essener Tafel ist auf Spenden angewiesen

05.02.2013 | 14:00 Uhr
Essener Tafel ist auf Spenden angewiesen
Jörg Sartor, Vorstand der Essener Tafel.Foto: Alexandra Roth

Essen.   Zu Jahresbeginn sinken die Spenden der Supermärkte und Discounter, während die Zahl der bedürftigen Senioren stetig wächst. Der Vorstand der Essener Tafel fürchtet: „Die Menschen, die am allernötigsten Hilfe bräuchten, erreichen uns gar nicht“.

Bei der Tafel ist vieles reiner Zufall, was weniger die Organisation als vielmehr die Spenden betrifft, da es keine festen gibt: weder Lebensmittel noch Geld. Zur täglichen Überraschung gehören die Mengen Obst, Wurst und Gemüse, die die Fahrer etwa bei Supermärkten abholen. Und immer zu Jahresbeginn ist offen, ob die Tafel die benötigten 120.000 Euro erhalten wird, um Miete, Müll, Strom und Sprit für das laufende Jahr zahlen zu können. Immerhin gab es Jahre wie 2011, als die Tafel Firmen anschrieb, weil das Konto ins Minus rutschte.

"Spendenfluss hat sich normalisiert"

Dass sie so offensiv auf Spender zugehen, sei eine absolute Ausnahme, sagt Tafel-Vorstand Jörg Sartor. Und: „2012 hat sich der Spendenfluss normalisiert.“ Ein Tagesgeschäft bleibt es weiterhin, zu dem beispielsweise Spenden wie die 3000 Euro von den Mitarbeitern des St.-Josef-Krankenhauses in Kupferdreh gehören, die plötzlich auf Sartors Tisch liegen. Lebensmittel darf er nicht davon kaufen, das würde dem Tafel-Grundsatz widersperchen: „Wir wollen, dass Lebensmittel nicht umkommen“, formuliert Sartor. Da aber die Lebensmittelspenden der Supermärkte und Discounter nach Weihnachten sinken, ist die Tafel jetzt auf Spenden der Bürger angewiesen, die noch haltbare Lebensmittel an der Steeler Straße oder an einer der zwölf Verteilerstellen (unter www.essener-tafel.de) abgeben können. Nach Absprache holt die Tafel sie auch ab.

Mit Blick auf die Tafel-Ehrenamtlichen macht sich Sartor Gedanken, denn während ihnen lange Zeit Bergbau, Stahlindustrie oder Bundespost Männer um die 50 quasi zuspülten, gehen immer weniger in Frührente und suchen entsprechend auch keine Aufgabe. Schon heute sind zehn ihrer Mitstreiter älter als 70, der älteste 84: „Er schleppt auch noch“, sagt Sartor, der glaubt, dass die Tafel in Zukunft wird mehr bezahlte Kräfte einsetzen müssen. Offen bleibt die Frage, wie das finanziert werden soll.

45.000 Mahlzeiten im Monat

120 Mitstreiter sind es derzeit, die alle ehrenamtlich anpacken. Mit Hilfe der Tafel werden 45.000 Mahlzeiten im Monat zubereitet. 1800 Familien holen wöchentlich Lebensmittel ab, damit erreicht die Tafel bis zu 6000 Bedürftige . Neu kam 2012 die Verteilerstelle in Altenessen hinzu. Sie startete mit zehn Familien. „Wir haben schon drei Mal erhöht, auf nun 25“, sagt Sartor. Was auch wächst, ist der Anteil an Senioren, die etwa die Hälfte der Versorgten ausmachen. Was Sartor auch beobachtet: „Eine immense Zunahme an Menschen, die sich melden und verwirrt oder resigniert wirken“. Wie kürzlich eine Hochschwangere, die nicht weiter wusste. Oder eine vierfache Mutter, die sagt, dass sie seit zwei Tagen keine Lebensmittel mehr hat, den Weg zur Tafel aber nicht findet. Jörg Sartor glaubt: „Die Menschen, die am allernötigsten Hilfe brauchen, erreichen uns nicht.“

Dominika Sagan



Kommentare
05.02.2013
22:35
Essener Tafel ist auf Spenden angewiesen
von Cupcake31 | #1

Bitte, aber Nicht von mir!!! Verstehen Sie mich nicht Falsch, die Grundidee finde ich absolut Toll! Aber in der Praxis, finde Ich, wird einem NICHT geringen Anteil von Asozialem ****, bei denen für Kippen, Sonnenbank, Tattos, Fingernägelchen, Bierchen und Unterhaltungselektronik IMMER Geld da ist, dass Schmarotzerleben Wunderbar möglich gemacht!!
Ich sehe es jede Woche- wie gesagt, da sind Menschen dabei, den Ich es wirklich Gönne, den würde ich es Glatt persönlich bringen!!!

Aus dem Ressort
"Die Kunden gestalten die Speisekarte mit"
Ernährung
Letzter Teil unserer Serie über gesunde Ernährung: Was uns beim Blick in die Kochtöpfe bei der Essener Sparkasse aufgefallen ist und wie sich die Wünsche der Kunden in den vergangenen 15 Jahren verändert haben. Außerdem ein Aufruf an unsere Leserinnen und Leser.
Zeche Zollverein rüstet sich für Eislauf-Saison
Zollverein
Der Reiseführer Marco Polo spricht vom „wohl faszinierendsten Ort zum Schlittschuhlaufen bundesweit“ und meint die Eisbahn auf Zollverein, die diesen Winter einen Monat lang öffnet: Vom 6. Dezember 2014 bis zum 4. Januar 2015 bietet sie neben der Eisbahn auch eine 180 Quadratmeter große Fläche zum...
Poesie in Gebärdensprache - erster Poetry Slam für Gehörlose
Poetry Slam
In Essen findet erstmals ein Poetry Slam in Gebärdensprache statt. Der Dichter- und Autorenwettbewerb im evangelischen Jugendzentrum „Emo“ in Rüttenscheid richtet sich ausdrücklich an nicht-hörendes und hörendes Publikum. Die Kandidaten können sich mit einem Video bewerben.
Stadt Essen will Ehrenamtlichen mit Freiwilligenkarte danken
Ehrenamt
In diesem Jahr sollen die ersten Essener eine Freiwilligenkarte erhalten. Die Stadt will ihre Anerkennung ausdrücken, Vergünstigungen gibt es derzeit nicht. Die Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren, wünschen sich bei ihren Einsätzen ermäßigten Eintritt ins Museum oder freie Fahrt mit dem Bus.
Essener Forscher erhalten Preis für Hunde-Pipi-Ergebnisse
Magnetsinn
Sabine Begall, Professor Hynek Burda und Pascal Malkemper von der Universität Duisburg-Essen ergatterten den Ig-Nobelpreis der Harvard-Universität mit einem Forschungsergebnis der ganz besonderen Art: Hunde richten sich instinktiv beim Pinkeln nach Norden oder Süden aus.
Umfrage
Die Stadt Essen will Ehrenamtliche mit einer sogenannten Freiwilligenkarte würdigen. Dass die Ehrenamtlichen mit dem Ausweis auch Vergünstigungen - beispielsweise für kulturelle Einrichtungen - erhalten, ist derzeit nicht möglich. Was halten Sie davon?

Die Stadt Essen will Ehrenamtliche mit einer sogenannten Freiwilligenkarte würdigen. Dass die Ehrenamtlichen mit dem Ausweis auch Vergünstigungen - beispielsweise für kulturelle Einrichtungen - erhalten, ist derzeit nicht möglich. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos