Essener Szenekneipe "Madame Chocolat" bleibt geschlossen

Marque Beutel organisierte kulturelle Veranstaltungen im „Madame Chocolat“. Dass die Kneipe nicht mehr öffnet, bezeichnet er als großen Verlust.
Marque Beutel organisierte kulturelle Veranstaltungen im „Madame Chocolat“. Dass die Kneipe nicht mehr öffnet, bezeichnet er als großen Verlust.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Nach dem Brand im „Madame Chocolat“ wird die Kneipe an der Moltkestraße nicht wieder öffnen. Der Vermieter fordert eine Änderung des Konzeptes.

Essen.. Knapp zwei Monate nach dem Brand im „Madame Chocolat“ liegt hier noch immer ein unangenehmer Brandgeruch in der Luft. „Wann öffnet der Laden endlich wieder?“, mögen sich viele in den letzten Wochen gefragt haben. Nun ist klar: gar nicht mehr.

Schon jetzt erinnert nichts mehr an das beliebte Szenelokal im Südviertel, das knapp sieben Jahre lang Anlaufpunkt für Nachtschwärmer und Wohnzimmer vieler Stammgäste zugleich war: für Musiker, für Kreative, für Junge, für Ältere, für Studenten, für andere Gastronomen, die oft auf ein Feierabendbier vorbei kamen oder auch für Leute mit einem Doktortitel auf der Visitenkarte.

Und genau diesen und anderen würde der aktuelle Anblick der Madame sicherlich das Herz brechen: Das charmante Mobiliar aus den 1960er-Jahren wurde mittlerweile ausgeräumt. Die Kommode mit den Gesellschaftsspielen ist weg, genauso wie die Schaukästen mit den bunten Knetfiguren, die Gäste in liebevoller Handarbeit bastelten. Kein Bild hängt mehr an den Wänden, an denen es während des Betriebs doch immer etwas Neues zu entdecken gab. Kein Nippes, kein Kitsch mehr - dafür ein kahler, kalter Raum, der jetzt gründlich renoviert wird.

Pachtvertrag wäre im September ausgelaufen

Lediglich die alte Theke, über die auch morgens um 6 Uhr noch frischgezapfte Biere gereicht wurden, steht noch. Ob diese jemals wieder ihren Zweck erfüllen wird, ist allerdings ungewiss. Sicher ist nur, dass unter der ehemaligen Betreiberin und Madame-Mama Conny Niermann kein Bier mehr durch die Leitungen fließen wird und keine Salzstangen für lau mehr verteilt werden. „Wir sind unendlich traurig. Die Madame wird nicht wieder öffnen“, erklärt Niermann.

Der Pachtvertrag wäre im September ohnehin ausgelaufen. Der Brand Mitte März sorgte jedoch für ein vorzeitiges Ende, wie es sich niemand gewünscht hat. Eigentlich wollten Niermann und ihr Team die Madame gebührend verabschieden - so wie sie es, laut Niermann, eben verdient hätte: Mit bunten Partys, einer Menge hausgemachter Musik, guter Laune und mit Menschen, die der Madame so lange die Treue hielten.

"Ein großer, kultureller Verlust"

Hätten sich Niermann und ihr Lebensgefährte Ekkehardt Wiemann auf eine Verlängerung des Pachtvertrages eingelassen, hätten sie bestimmte Bedingungen des Vermieters erfüllen müssen - die sie aber nicht erfüllen wollen. Diese hätten nämlich eine Änderung des Konzeptes zur Folge. Kurz: keine Nachtgastronomie mehr, keine Live-Sessions, keine Konzerte bis in die frühen Morgenstunden. Eben genau die Dinge, für die die Madame von so vielen Gästen geschätzt und besucht wurde.

„Das Ende der Madame ist ein großer, kultureller Verlust“, sagt Marque Beutel, der unter anderem die Live-Sessions organisierte. Wo sonst würden Musiker kräftig in die Saiten greifen, während Studenten und Ärzte gemeinsam am Tisch sitzen, Knetfiguren formen oder mit Legosteinen spielen? Und all das, bis der Bäcker gegenüber schon wieder seine Brötchen verkauft.

Mit dem Aus der Madame verliert das Südviertel nicht einfach nur eine Kneipe, sondern irgendwie auch eine Spielwiese für Erwachsene und ein Wohnzimmer für eine große Familie.