Essener Studenten zeigen: So schön ist das Revier bei Nacht

Nachts sind alle Katzen grau? Nicht im Ruhrgebiet. Hier gibt es auch bei Nacht viel erleuchtet zu sehen.
Nachts sind alle Katzen grau? Nicht im Ruhrgebiet. Hier gibt es auch bei Nacht viel erleuchtet zu sehen.
Foto: TSK Design
Was wir bereits wissen
Das Ruhrgebiet lohnt sich. Auch nachts, wie junge Essener auf über 100 Fotos beweisen. Ihr nächtliches Hobby haben sie mittlerweile zum Nebenjob gemacht.

Essen.. Angefangen hat alles mit einem Geburtstagsgeschenk. "Wir wollten einem frisch in den Pott gezogenen Freund das Ruhrgebiet näher bringen und haben ihm aus den ersten Motiven, die wir 2012 aufgenommen haben, eine Fotocollage gebastelt. Viele Freunde fanden die Idee cool, und da ging es dann los", erinnert sich Svenja Teggers und lacht.

An einen Nebenjob hat die heute 23-jährige Lehramtsstudentin für die Fächer Sport und Biologie damals allerdings nicht gedacht. "Wir sind einfach losgefahren und wollten uns das Ruhrgebiet auch noch einmal bei Nacht erschließen. Gerade die Illuminationen sind schön", sagt sie. Als erste Motive hielten sie Zeche Zollverein in Essen und das Tetraeder in Bottrop fest.

Zusammen mit Marc Schümmelfeder (27), der Produktionsmanagement studiert, und ihrem Freund Patrick Kirinos (27), der Bürokaufmann ist, stemmt sie die Firma "TeSchüKir-Design". Alle drei wohnen in Essen und kennen sich schon lange aus einem Volleyball-Verein. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie alle leidenschaftlich gern fotografieren.

Die Fotos zeigen den Pott, wie er ist

Das Ruhrgebiet sei nicht trist - genau das wollten die drei auf ihren Fotos zeigen, sagen sie. Für die Fotografien sei von Freunden viel Zuspruch gekommen. "Es haben immer mehr gefragt, ob wir ihnen auch eine Collage machen können, und dann haben wir angefangen, in größerem Maß zu produzieren".

Aufwändig sei es anfangs vor allem gewesen, sich um die Bildrechte zu kümmern. "Manche Motive dürfen nicht ohne Genehmigung veröffentlicht werden, wie etwa die Zeche Zollverein ", erklärt die Studentin.

An ihre erste nächtliche Tour zum Handelshof in Essen kann sie sich noch gut erinnern. "Wir haben vorher eine Genehmigung bei der Bahn eingeholt, damit wir von den Gleisen fotografieren konnten. Das war einfach ein guter Standpunkt", so Svenja. Und das Ergebnis habe sich sichtbar gelohnt.

Das perfekte Foto braucht Zeit

Um das perfekte Foto eines Motivs zu haben, brauche man etwa 20 bis 30 Minuten, schätzt Svenja. In einer Nacht schaffen sie etwa fünf bis sieben Motive. Mit auf der Tour dabei haben die drei immer mindestens zwei Fotoausrüstungen mit Kamera und Stativ. Die Bilder gucken sie sich direkt nach dem Knipsen im Auto an. "Dann können wir sofort sehen, ob wir ein gutes Bild haben oder lieber sofort noch eines machen, bevor man die Strecke ein andermal nochmal fahren muss".

Aufgrund der Nachfrage haben sie ihr Sortiment von Collagen bereits auch auf Leinwände und Handyhüllen ausgeweitet. Unter der Woche achten alle drei darauf, dass sie genügend Schlaf bekommen, aber bei Touren am Wochenende könne eine Fahrt schon einmal bis zwei oder drei Uhr nachts gehen.

Auch wenn es in Sommernächten wärmer ist, für die leidenschaftlichen Hobby-Fotografen ist der Winter die ideale Jahreszeit. "Im Winter wird es früher dunkel, das ist natürlich praktisch für uns, um die Beleuchtung der Bauten im Dunkeln früher einzufangen. Da können wir dann schon um 19 Uhr losfahren". Damit die Illumination aber auch wirklich gut auf dem Bild rauskommt, muss der Himmel möglichst wolkenlos sein.

Das Studium geht vor

Eine der Touren wird Svenja so schnell bestimmt nicht vergessen: Auf dem Weg zu einer Zeche in Kamp-Lintfort seien sie und ihre beiden Freunde in einen Tümpel getreten und mit nassen Füßen in der Nacht unterwegs gewesen. Aber das gelungene Foto habe sie letztendlich für die kleinen Strapazen entschädigt.

Auch wenn alle drei viel Spaß an ihrem Nebenjob haben, ist es doch vorrangig ein Hobby geblieben. "Das Studium geht schon noch vor. Wenn einer von uns gerade eine stressige Phase hat müssen wir nachts leider kürzer treten. Wir müssen von dem Geld nicht unser Studium finanzieren. Wenn wir uns später von dem Job ernähren können, dann ist es natürlich ein Traumberuf. Aber jetzt steht schwerpunktmäßig erstmal der Master für mich an", so Svenja.

Mittlerweile sind bereits über 100 verschiedene Motive aus dem gesamten Ruhrgebiet entstanden. "Wir waren schon in allen Städten unterwegs. In Essen und Duisburg kennen wir uns ziemlich gut aus, andere Städte wollen wir uns noch genauer durch die Kamera anschauen", so die Studentin. Die nächsten nächtlichen Touren haben sie bereits geplant. Es soll nach Gelsenkirchen und Dortmund gehen.