Essener Sportlerherberge wird zur Flüchtlingsunterkunft

Das Handballleistungszentrum an der Raumerstraße in Essen-Frohnhausen wird von der Stadt als Flüchtlingsunterkunft genutzt.
Das Handballleistungszentrum an der Raumerstraße in Essen-Frohnhausen wird von der Stadt als Flüchtlingsunterkunft genutzt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Stadt Essen hat im Handballleistungszentrum im Stadtteil Frohnhausen die ersten Flüchtlinge einquartiert. Der Handballverband kritisiert die Verwaltung für ihre Informationspolitik.

Essen.. Das Handballleistungszentrum an der Raumer Straße in Essen-Frohnhausen wird von der Stadt als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Seit Anfang der Woche ist rund die Hälfe der 59 Betten zählenden Sportlerherberge belegt. Die Sport- und Bäderbetriebe wollen die Unterkunft auf bis zu 110 Plätze erweitern.

Der Bauantrag wurde laut Betriebsleiter Michael Kurtz bereits gestellt. Wie Kurtz betont, kann die Sporthalle des Leistungszentrums weiter von Vereinen genutzt werden. Eine Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen will die Stadt unbedingt vermeiden. Dass dies nicht für den Übernachtungsbetrieb des Leistungszentrums gelten würde, hatte Sozialdezernent Peter Renzel angekündigt.

Handballverbände sind sauer

Flüchtlinge Die Handballverbände wurden jedoch kurzfristig darüber informiert und sind sauer: „Wir als Sportler stehen natürlich dazu, dass den Menschen geholfen werden muss. Das steht an erster Stelle“, sagt Heinz Volkhausen, Vize-Präsident des Westdeutschen Handball-Verbandes (WHV). Für ihn als Essener sei die Entwicklung abzusehen gewesen, „bei der Art und Weise, wie man mit uns umgeht, kriege ich aber einen dicken Hals“. Am 29. Juni einen Brief zu schreiben, dass am 1. Juli Schluss ist – „das ist kein guter Umgang unter Partnern, die Jahrzehnte zusammenarbeiten.“

Mindestens ein halbes Jahr müssen die Handballer ohne das Leistungszentrum leben. „Wir müssen das schlucken, und für die Flüchtlinge tun wir das auch. Sollte das Landesleistungszentrum aber über den 31. Dezember hinaus nicht zur Verfügung stehen, sehe ich keine Chance mehr für den Standort Essen“, sagt Volkhausen.

Die Sozialverwaltung rechnet damit, dass die Zahl der Flüchtlinge weiter steigt. Mitte Juli sollen 70 Plätze an der Karl-Meyer-Straße in Schonnebeck eingerichtet werden, Anfang August 200 an der Hülsenbruchstraße. „Wir hoffen damit über den Sommer zu kommen“, so Sozialamtsleier Hartmut Pelz. (schy/dima)