Essener Sportbund prüft Platzsperre für Fußballvereine mit Gewalttätern

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Was wir bereits wissen
Der Essener Fußballkreise und der Essener Sportbund schlagen eine härtere Gangart gegen Exzesse im Amateurfußball an. Clubs, die nicht gegen Schläger vorgehen, könnten mit Platzsperren belegt werden.

Essen.. Nachdem der Essener Amateurfußball im vergangenen Jahr von zwei Gewaltexzessen überschattet wurde, schlagen die beiden Fußballkreise und der Essener Sportbund (Espo) eine härtere Gangart an.

Das Ziel: Die Vereine sollen sich verbindlich dazu verpflichten, gegen Gewalttäter auf und neben dem Platz vorzugehen. Andernfalls müssen sie mit Sanktionen rechnen. Der Espo denkt bereits laut darüber nach, dass Vereinen bei nachweislichem Fehlverhalten die Trainingszeiten auf städtischen Sportanlagen gekürzt oder gar ganz gestrichen werden könnten. Ob dies rechtlich möglich wäre, ist allerdings noch zu prüfen, heißt es dazu bei den Sport- und Bäderbetrieben.

Gewalt Fest steht: Die Verantwortlichen beim Espo und in den Essener Fußballkreisen wollen nicht tatenlos zusehen, dass Gewaltexzesse den Sport in Misskredit bringen. „Wer einem Gegenspieler einen Kopfstoß verpasst, hat in einem Fußballverein nichts zu suchen“, sagt Werner Ozdoba. Der Vorsitzende im Kreis Süd-Ost spielt damit auf einen Vorfall aus der Kreisliga C im Dezember an. Der Täter darf 18 Monate nicht mehr auflaufen.

Schwerwiegender noch war jener Fall aus der Freizeitliga im November, als ein 56-jähriger Schiedsrichter von einem Spieler niedergestreckt wurde und einen doppelten Kieferbruch erlitt. Der 24-jährige Angreifer wurde vom Fußballverband lebenslänglich gesperrt.

"Die Intensität der Vorfälle hat zugenommen"

Gewalt In beiden Fällen griff die verbandsinterne Schiedsgerichtbarkeit. Gleichwohl sehen die Essener Fußballkreise und der Espo Handlungsbedarf. Mit gut gemeinten Resolutionen wollen sie sich nicht zufrieden geben. Thorsten Flügel, Vorsitzender im Nord-West-Kreis verweist auf die Statistik. 15 Vorfälle pro Saison seien dem Verband in den vergangenen drei Jahren gemeldet worden. Die Zahlen sind also stabil. Aber: „Die Intensität der Vorfälle hat zugenommen. Früher hatten wir es mit Beleidigungen zu tun, heute ist es körperliche Gewalt“, so Flügel, der selbst lange Jahre als Schiedsrichter auf dem Platz stand. Sein Eindruck: Die Hemmschwelle zuzuschlagen ist gesunken. Nicht nur auf dem Fußballplatz, aber eben auch dort.

Gewalt Werner Ozdoba sieht die Vereine in der Pflicht. Seiner Beobachtung nach machen sich Clubs zu schnell abhängig von einzelnen Spielern und tolerieren, wenn diese ausrasten. „Dann heißt es: Der schießt aber Tore.“ Die Gretchenfrage: Lassen sich Vereine für Vergehen Einzelner in Haftung nehmen – zum Beispiel indem die Stadt sie mit einer Platzsperre belegt?

Bei den Sport- und Bäderbetrieben spricht man von der Ultima Ratio, dem allerletzten Mittel. Ob es dazu kommt, bleibt vorerst fraglich. Der Ball aber liegt im Feld.