Essener Security-Chef soll Ex-Nachbarin bedrängt haben

Sah sich als nicht mehr zuständig an, weil es Hinweise auf eine versuchte Vergewaltigung gab: Amtsrichterin Saltanat Khorrami.
Sah sich als nicht mehr zuständig an, weil es Hinweise auf eine versuchte Vergewaltigung gab: Amtsrichterin Saltanat Khorrami.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Für Recht und Ordnung steht er, aber plötzlich sitzt der Security-Chef selbst auf der Anklagebank: Er soll eine frühere Nachbarin bedrängt haben.

Essen.. Der Chef eines Essener Security-Unternehmens muss sich vor dem Amtsgericht wegen versuchter Vergewaltigung verantworten. Nachdem der Fall von der Staatsanwaltschaft zunächst als Nötigung angeklagt wurde, sieht Amtsrichterin Saltanat Khorrami nach der Vernehmung des mutmaßlichen Opfers Anzeichen für ein Vergewaltigungsdelikt. Falls sich dieser Verdacht als wahr erweise, sei sie als Einzelrichterin unzuständig, betonte sie und verwies den Fall an das Schöffengericht.

Der Mann auf der Anklagebank steht mit seiner Firma für Recht und Ordnung, öffentliche Auftraggeber vertrauen ihm. Gerade er soll das Recht gebrochen haben, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Gewehrt und ausgestiegen

Angezeigt hatte den Unternehmer eine 57-Jährige aus Frohnhausen, die jahrzehntelang seine Nachbarin war. Die beiden hatten sich aus den Augen verloren, sagt sie am Dienstag vor dem Amtsgericht, doch am 3. Juni vergangenen Jahres hätte er sie auf der Straße getroffen und ihr angeboten, sie zu ihrer Arbeit zu fahren. Sie hätte nach erstem Zögern eingewilligt, doch als sie am Ziel aussteigen wollte, hätte er versucht, ihren Kopf an seinen zu ziehen. Ihr sei es gelungen, sich zu wehren und dennoch auszusteigen.

Kurz danach sei er in ihren kleinen Laden, den sie selbst führt, gekommen. Er hätte sie an die Wand gedrückt und ihren Kopf in die Nähe seines Unterleibs gezogen. Dabei hätte er sie zum Oralsex aufgefordert. Sie hätte sich aber befreien können.

"Platt machen" angedroht

Zwei Tage später sei er noch einmal aufgetaucht. Da hätte er sie von hinten an Busen und Po berührt. Später hätte er ihr gedroht, falls sie ihn anzeige, werde er seine Leute schicken, die sie „platt machen”.

Doch die 57-Jährige ließ sich nicht einschüchtern und ging zur Polizei. Ihre Vernehmung am Dienstag vor Gericht gestaltet sich schwierig, weil sie dazu neigt, auf Fragen mit Gegenfragen zu antworten. Oder sie ermahnt den Mann auf der Anklagebank, wenn er bei ihrer Aussage schmunzelt. „Das ist nicht zum Lachen!“, weist sie ihn dann zurück.

Er selbst schweigt zu dem Vorwurf, die elf Jahre ältere Frau bedrängt zu haben. Draußen vor der Tür sagt er zu Journalisten, dass er irgendwann erzählen werde, dass es vielleicht auch um Geld gehe.

Vor dem Schöffengericht

Dass er künftig wegen versuchter Vergewaltigung vor dem Schöffengericht stehen wird, ist eine rein juristische Bewertung. Bislang waren Staatsanwaltschaft und Gericht der Auffassung, der Angeklagte hätte seine sexuell geprägte Tat aufgegeben, sei zurückgetreten. Diesen „juristischen Rücktritt“ honoriert der Gesetzesgeber mit Straffreiheit. Die Aussage der Frau lasse aber daran denken, dass er weitermachen wolle, sie sich aber selbst befreite. Und damit scheide sein „freiwilliger Rücktritt“ aus.

Ob damit aus der mutmaßlichen Nötigung eine versuchte Vergewaltigung werden könne, müsse das demnächst zuständige Schöffengericht entscheiden, sagt die Richterin. Zeugen müssen nach Hause gehen, die 57-Jährige wird noch einmal aussagen müssen. Richterin Khorrami nimmt das auf: „Was mir leid tut, ist, dass es erneut losgeht.“