Essener Schüler fanden 1961 Elfjährigen tot im Dünensand von Amrum
06.07.2012 | 11:02 Uhr 2012-07-06T11:02:00+0200
Essen. Der Fall erinnert an den Tod des kleinen Sebastians, doch er geschah bereits 1959. Ehemalige Mitschüler fanden 1961 die Leiche ihres Klassenkameraden im Sand, der zwei Jahre zuvor spurlos verschwunden war. Heute sind sie empört darüber, dass sich an den Fall von damals niemand mehr erinnern will.
Die tragische Nachricht vom Tod des zehnjährigen Sebastians, der auf Amrum vom Sand begraben wurde , ruft bei einigen älteren Essenern schlimme Erinnerungen wach. Denn wie Sebastian verschwand 1959 auch der damals elfjährige Essener Fredi Hillers. Für Angehörige und Mitschüler der einstigen Jungen-Realschule Süd dauerte die Ungewissheit über Fredis Schicksal fast genau zwei Jahre. Und dann waren es ausgerechnet Schulkameraden, die seine Leiche entdeckten. Heute sind sie empört darüber, dass sich an diesen Fall auf der Nordseeinsel niemand mehr erinnern möchte.
„Dass es einen solchen Fall - nämlich dass ein Kind vom Sand begraben wurde - auf dieser Insel noch nie gegeben hat, ist schlicht falsch“, sagt Günther Kempgen und ärgert sich über entsprechende Behauptungen der Amrumer Touristikzentrale Der Mann muss es wissen: Der heute 64-Jährige war 1961 mit dabei, als die Leiche seines ehemaligen Schulkollegen Fredi Hillers in den Dünen von Amrum auftauchte - vor den Augen seiner entsetzten Schulkameraden.
„Im Sommer 1959 unternahmen wir mit unserer Klasse 1c eine vierwöchige Schulfahrt auf die Insel“, erinnert sich Günther Kempgen. Insgesamt 500 Schülerinnen und Schüler aus zwei Essener Realschulen waren bei der Ferienfahrt dabei. Kempgen: „An einem Nachmittag hatten wir ein Fußballspiel mit viel Tohuwabohu und abends beim Abendessen war Fredi auf einmal nicht mehr da“. Die Polizei fand später heraus: Anderthalb Stunden nach der Rückkehr wurde er zum letzten Mal gesehen.
Obduktion ließ keinen Zweifel
Zunächst habe man sich keine großen Gedanken gemacht. „Fredi war ohnehin ein Einzelgänger“, beschreibt Kempgen seinen einstigen Schulkameraden, der bei seiner Mutter und Großmutter aufwuchs. „Fredi erzählte auf der Klassenfahrt immer von seinem Vater, einem englischen Besatzungssoldaten, der ihn mit einem Schiff abholen würde“, so Kempgen über seinen - wie er ihn bezeichnet - stigmatisierten Schulfreund. Als aber auch Stunden später jede Spur von Fredi fehlte, alarmierten die Lehrer die Polizei. „Wenn ich mich recht erinnere, waren damals sogar schon Hubschrauber im Einsatz“, erzählt Kempgen und: „Gemeinsam mit der Polizei suchten alle Schüler die komplette Insel ab.“ Die große Suchaktion blieb jedoch auch nach mehreren Tagen erfolglos; von Fredi fehlte knapp zwei Jahre lang jede Spur.
Dann der schreckliche Fund: Im Sommer 1961 unternahm dieselbe Klasse (inzwischen die Klasse 3c) wieder eine Fahrt nach Amrum; wieder in die gleiche Unterkunft namens „Warm Badehaus“. „Als wir ankamen, schmissen wir nur unsere Koffer in die Zimmer und rannten sofort raus zum Spielen“, denkt Kempgen an die Zeit zurück. Keine halbe Stunde später nach der Ankunft dann die grausame Entdeckung in den Dünen: Die Leiche von Fredi Hillers. „Zuerst“, so schildert Kempgen die entsetzliche Situation, „dachten wir, es wäre ein verfaulter Baumstamm oder so. Als wir dann weiter im Sand buddelten, wurde uns klar, dass es sich um eine Leiche handelte“ - fast genau zwei Jahre später von den ehemaligen Klassenfreunden zufällig am selben Ort ausgegraben. Eine Geschichte, wie sie sich kein Romanautor ausdenken könnte. „Die Obduktion bestätigte später, dass es sich um Fredi handelte“, sagt auch Hillers Ex-Mitschüler Karl Hüls. Bei dem schrecklichen Fund war Hüls zwar nicht dabei, aber an die ganze Geschichte erinnert er sich trotzdem, als ob sie gestern passiert wäre.
Auch bei Vera Eggebrecht werden die Erinnerungen wach. Eggebrecht besuchte die benachbarte Mädchenschule, die im Sommer 1961 zeitgleich auf Föhr Urlaub machte. Sie reagiert empört auf die Aussage, ein solcher Vorfall sei bisher auf der Insel nicht bekannt gewesen: „Erinnert sich etwa niemand mehr an damals? Wir haben das doch alle hautnah miterlebt!"

08:48
erstens gehört das nicht zum Thema und zweitens macht Dein Statement (Deine Anmerkung) nicht den Eindruck, als stünde es Dir zu, Dich dazu zu äußern.
17:52
GANZ schlimm finde ich in WAZ immer wieder derart
Grammatik ;
was lernen die in den Gymn. heute eigentlich noch;
haben diese Schreiber tatsächlich das ABI ?
Wäre nicht zu fassen.
Punkt, Komma, usw. alles nur falls der Verfasser das zeichen kennt
12:13
Wieso werden wir mit solchen Überschriften bestraft.
1961 ist ziemlich lange vorbei, also hätte ich ein "fanden" erwartet.
Oder als Ruhrgebietszeitung "hatten 1961 ...gefunden".
10:23
Sandlöcher und besonders Sandhöhlen sind tückisch für spielende Kinder. Ein typisches plötzliches Nachrutschen muss nicht unbedingt an einem Strand erfolgen, sondern kann auch schon auf der Baustelle nebenan in einer frischen Lastwagen-Ladung Sand die gleichen tödlichen Folgen haben.
05:12
Das ist jetzt über 50 Jahre her, daran muss man sich nicht mehr unbedingt erinnern bei Amrun-Touristik, die Mitarbeiter von damals sind alle nicht mehr im Unternehmen.
Also mal die Empörung etwas runterschrauben.
grundsätzlich find ich die empörung erstmal nicht besonders groß, nur weil eine dame verwundert darüber ist, dass sich niemand mehr daran erinnert.....wobei mich das auch wundert, weil wenn sowas nie vorkommt, dann erinnert man sich auch 50 jahre später noch daran, wenn es denn mal vorgekommen ist...die beteiligten erinnern sich schließlich auch noch...
erst vor kurzem hat mein vater mal wieder davon erzählt...als wir kinder waren und wir sind ans meer gefahren, durften wir uns die geschichte als schocktherapie öfter mal anhören, damit wir eben nicht alleine in die dünen gehen oder alleine tiefe löcher graben....von daher, meinen vater, der damals dabei war, hat das ganze sehr geprägt....schade, dass die amrumer wohl schneller vergessen wenn KINDER auf ihrer insel sterben....
23:40
derwesten ist die einzige Seite, die über den Fall berichtet?!
da gehört schon was dazu, wieder genau an den Unfallort zu fahren.
Gruß an Herrn Kempgen, meinen ehemaligen Grundschullehrer !
Der Fall ist für mich aber trotzdem neu.
20:33
Ohne wieder pingelig wirken zu wollen:
Die traurige Begebenheit liegt in der Vergangenheit und ist abgeschlossen.
Das muss doch fanden heißen. Nicht finden.
Aber ok. Ist nicht ganz so reißerisch.
20:30
Die gleichen Mitschüler fahren zwei Jahre später wieder an den selben Ort, wo ein Mitschüler verschwand? Respekt.
Und nach dem Fund? Ist man da auch wieder hingefahren?
Überall sind schon Menschen gestorben, dann darf man nirgedswo mehr hingehen.
Überall sind 11jährige Mitschüler auf einer Klassenfahrt gestorben? Aha.
20:01
Ende der 60er war ich mit der Albert- Einstein- Schule auf Amrum, auch im Hospiz 1, eben in diesem Warmbadehaus.
Fredi Hillers war damals durchaus ein Thema, mit Hinweis auf seinen Tod wurden wir Schüler ausdrücklich ermahnt, nicht alleine loszuziehen, und keine tiefen Löcher in die Dünen zu graben.
So schlimm es ist, es lässt sich nicht alles verhindern, wenn man den Kindern auch Freiheiten geben möchte.
Mein Beidleid den Hinterbliebenen.