Essener Schüler an revierweitem Literaturprojekt beteiligt

Sie sind vielfach erst kurze Zeit in Deutschland: Schüler der Unesco-Schule.
Sie sind vielfach erst kurze Zeit in Deutschland: Schüler der Unesco-Schule.
Foto: Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Jugendliche des Unesco-Aufbaugymnasiums im Südostviertel haben in der Zeche Carl eine Literaturwerkstatt absolviert und schreiben jetzt über „Flussgeister“.

Essen.. Sie kam erst vor zwei Jahren aus Pakistan, ohne ein Wort Deutsch, und heute? „Hätte ich nicht gedacht“, erzählt Rija Raja (14), „dass ich so viel Text auf Deutsch schreiben kann.“

Der dann auch noch in einem Buch verewigt wird: Schüler des Unesco-Aufbaugymnasiums im Südostviertel, das Kinder und Jugendliche aus mehr als 40 Nationen vereinigt, sind als einzige Essener Vertreter an einem revierweiten Buch-Projekt beteiligt.

Stiftung kümmert sich um Leseförderung und Literaturvermittlung

Im Klartext-Verlag sind bereits die Bände „Stromabwärts – ein Emscher-Roadmovie“ sowie „Grenzgänger – ein Ruhrpott-Roadmovie“ erschienen. Schüler aus Castrop-Rauxel, Gelsenkirchen, Dortmund und anderen Städten hatten sich jeweils für mehrere Tage zu Schreib-Workshops zusammengesetzt, angeleitet von Jugendbuch-Experten und Schreib-Profis des Friedrich-Bödecker-Kreises NRW. Die Stiftung kümmert sich um Leseförderung und Literaturvermittlung.

Bereits am zweiten Buch, „Grenzgänger“, schrieben auch die Essener mit – und berichteten in einer lebhaften Erzählung von ihren Exkursionen nach Zollverein. Für das dritte Buch, das jetzt in Planung ist, setzten sich die Essener Schüler vier Tage lang in der Zeche Carl zusammen und dachten sich den Auftakt für Band Nummer drei aus. Andere Schüler aus anderen Städten schreiben dann weiter. „Man schreibt einfach drauf los“, erklärt Schüler Leon Schuster (17), „und am Ende glättet man dann die Kanten.“ Sarah Jarkas (17) ergänzt: „Man muss sich natürlich absprechen. Und vorher natürlich Ideen sammeln.“

Die deutsche Sprache ausprobieren

Deutschlehrerin Julia Leibold, die das Projekts für die Schule begleitet, findet besonders bemerkenswert, dass die Schüler große Teile der Arbeit am Nachmittag und abends erledigten. „Wir sehen, dass die Schüler Spaß haben, sich in der deutschen Sprache auszuprobieren.“ Sarah Meyer-Dietrich, die Geschäftsführerin des Bödecker-Kreises in NRW, findet außerdem, dass sich die Jugendlichen so auf neue Weise mit ihrer Region auseinandersetzen: „Wir setzen gezielt Impulse, zum Beispiel mit Fahrten in Ecken der Stadt, die die Schüler noch nicht so gut kennen.“

Deshalb auch die Zeche Carl als Standort für eine Literatur-Werkstatt. Und entsprechend findet das seinen Niederschlag im Text: Im Auftakt zu Band drei, der irgendwann veröffentlicht werden soll, geht es um Flussgeister – die Berne fließt in der Nähe der Zeche Carl. Und so taucht „Amalia, die Bernefee“ auf, und ein Emschergeist namens „Emil Heinrich Pottgießer“, der eigentlich schon seit 1835 tot ist, aber zu neuem Leben erwacht in unserer Gegenwart - und entsprechend verwirrt durch die Gegend läuft.

Am Ende werden wieder alle Autoren-Namen im Buch auftauchen, und Habib Yildiz (15) kann feststellen, wie schon beim Buch „Grenzgänger“: „Das ist ein tolles Gefühl, seinen eigenen Namen in einem Buch zu lesen.“