Essener Ruhrmuseum ringt mit Besucherzahlen

Noch bis zum 4. November, vielleicht auch länger, ist der Mythos Krupp im Ruhrmuseum zu besichtigen. Das Interesse ist groß, aber nicht überragend.
Noch bis zum 4. November, vielleicht auch länger, ist der Mythos Krupp im Ruhrmuseum zu besichtigen. Das Interesse ist groß, aber nicht überragend.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Krupp-Ausstellung im Ruhrmuseum läuft recht gut, doch ist beim Publikum eine gewisse Ermüdung festzustellen. Zu empfehlen sind die Vortragsreihen, bei denen es oft kontrovers zugeht.

Essen.. Das Thema Krupp zieht irgendwie immer, aber nach dem Jubiläumsjahr 2011 schießt das Interesse dann doch nicht mehr so recht durch die Decke. Das merkt zurzeit das Ruhrmuseum, das mit den Zuschauerzahlen für die große Ausstellung zum „Mythos Krupp“ zwar zufrieden ist, ohne dass Museumsdirektor Theo Grütter Euphorie versprühen würde. „Wir haben insgesamt 70.000 Besucher angepeilt, und die werden wir auch bis November erreichen“, so Grütter. Da wird man sich allerdings ranhalten müssen, denn die Zwischenbilanz beläuft sich zurzeit auf gut 25.000 Besucher, und in den Sommerferien passiert traditionell soviel nicht.

Die phänomenalen Besucherzahlen weit jenseits der 100.000, die die historische Foto-Ausstellung 2011 auf Villa Hügel erzielte, sieht Grütter für sein Museum nicht als realistisch an. „Da wirkt die Villa Hügel immer auch selbst als Magnet, und das ist bei uns etwas anders“, sagt der Historiker. Fotos seien zudem auch leichter konsumierbar, „mag sein, dass wir manchen etwas überfordern“. Andererseits: Mit den prognostizierten Zahlen liegt das Ruhrmuseum immer noch im oberen Bereich dessen, was mit historischen Ausstellungen dieser Art zu erzielen ist. So wurde beispielsweise die viel gefeierte Schau „Gold vor Schwarz“, bei der 2008 Teile des Essener Domschatzes im Ruhrmuseum zu sehen waren, auch nur von rund 46.000 Besuchern gesehen.

Beiprogramm zur Krupp-Ausstellung

Ein großer Erfolg ist aus Sicht von Grütter das Beiprogramm der Krupp-Ausstellung. Renommierte Historiker, die sich mit der Geschichte des Unternehmens intensiv auseinandersetzten, konnten dafür gewonnen werden, ihr Wissen in einer Vortragsreihe auszubreiten. „Fast immer waren alle 150 Plätze belegt“, für heftige Diskussionen sorgte etwa der Vortrag des Wirtschaftshistorikers Werner Abelshauser über den „Krupp-Konzern im Dritten Reich“.

Abelshauser hat als einer der wenigen intensiv über das Thema Zwangsarbeit bei Krupp geforscht, hat Akten eingesehen, die vor ihm noch keiner sah, und kommt zu einem viele überraschenden Schluss: Zwangsarbeit bei Krupp war hart, aber nicht von jener unmenschlichen Brutalität geprägt, die viele nach den Debatten der letzten Jahrzehnte mit diesem Begriff verbinden. Vielmehr sei die Firma schon aus Eigeninteresse sehr bemüht gewesen, ausreichend Nahrung zu beschaffen und die Arbeitskraft der ausländischen Arbeiter zu erhalten. Dies blieb in teils empörten Entgegnungen nicht unwidersprochen, was Abelshauser allerdings seit Jahren gewohnt ist und nicht weiter anficht.

Grütter zufolge zieht die Krupp-Schau auch Besucher in die Dauer-Ausstellung des Ruhrmuseums, die sich der Gesamtgeschichte des Ruhrgebiets widmet. „Wir sind zuversichtlich, wieder unsere Ziel von 200.000 Besuchern pro Jahr zu erreichen.“ Allerdings will das Museum auch mehr Werbung machen. Demnächst startet ein Radio-Spot - mit der markanten Stimme des Schauspielers Otto Sander.