Essener Rechtsanwältin verteidigt Angeklagte aus dem Rocker-Milieu

Simone Dahlmann-Ludwig in der TV-Serie „Im Namen der Gerechtigkeit“.
Simone Dahlmann-Ludwig in der TV-Serie „Im Namen der Gerechtigkeit“.
Foto: WAZ
Anwältin Simone Dahlmann-Ludwig verteidigt Angeklagte aus dem Rocker-Milieu. Außerdem ist sie ein Gesicht der TV-Serie „Im Namen der Gerechtigkeit“.

Essen.. Wenn Simone Dahlmann-Ludwig in Essen-Rüttenscheid einkaufen geht, drehen sich die Miteinkäufer häufiger um und tuscheln und flüstern. „Die kenne ich. Das ist doch die Anwältin aus dem Fernsehen.“ Richtig. Die 43-jährige Juristin ist eines der Gesichter der Sat.1-Serie „Im Namen der Gerechtigkeit“. Auch bei ihren Prozessen in den Essener Gerichtssälen könnte man die Kamera mitlaufen lassen. Simone Dahlmann-Ludwig ist Expertin für harte Jungs und schwere Fälle.

„Das Strafrecht hatte es mir schon zu Studienzeiten angetan. Schuld und Unschuld, die Grautöne und die Nuancen zwischen Schwarz und Weiß üben eine besondere Faszination aus“, erklärt die Anwältin, die es von ihrer Rüttenscheider Kanzlei nicht weit zur Prozess-Meile an der Zweigertstraße hat. Vor Jahren hat sie das erste Mal einen Angeklagten aus dem Rocker-Milieu verteidigt. „Offenbar war der zufrieden“, erinnert sie sich. „Mundpropaganda. Das spricht sich rum.“ Und so landen immer wieder Fälle aus der Szene auf ihrem Schreibtisch.

Jeder Angeklagte habe das Recht auf Verteidigung

Mit ihren 1,63 Meter muss sich die gebürtige Essenerin beim Mandanten-Gespräch im Knast mit den schweren Jungs, die sie schon mal um zwei Köpfe überragen, anfangs schon mal Respekt verschaffen. Spätestens im Gerichtssaal merken aber auch die Rocker dann, dass ihre Verteidigerin in Zeugenvernehmungen und Plädoyers mit ihrer resoluten Art klein, aber oho ist. Ihr letzter Fall, der Aufmerksamkeit generierte, war die Verteidigung von Marcel B., der seinen 18 Tage alten Sohn totgeschlagen hatte.

Für die Anwältin gilt der Grundsatz, dass jeder Angeklagte das Recht auf Verteidigung hat. Dabei mischt sich die Empathie der Mutter immer wieder mit professioneller Distanz. „Ich will manchmal nicht alles von den Angeklagten wissen“, sagt sie. Wenn dann in der öffentlichen Wahrnehmung Recht und Gerechtigkeit nicht übereinstimmen, rückt auch sie als Verteidigerin schon mal in den Fokus. „Es gibt Fälle, mit denen man keine Sympathiepunkte im Gerichtssaal verdienen kann. Aber das muss ich aushalten. Sonst hätte ich den falschen Job“, sagt die Anwältin, die noch keinen Fall abgelehnt hat.

Im Fernsehen sind die Fälle von Simone Dahlmann-Ludwig auch schwierig und komplex, aber nach einer Stunde gelöst. Die TV-Präsenz hat sie sich als zweites Standbein aufgebaut. Früher, über eine Stellenanzeige, als Verteidigerin in „Das Strafgericht“ bei RTL. Heute, bei Sat.1, „Im Namen der Gerechtigkeit“, wo die Juristin auch mit der Polizei ermitteln darf. Wochenweise reist sie zu den Aufnahmen nach München, wo die „nicht immer realitätsnahen und sehr komprimierten Fälle“ gedreht werden. „In zwei Tagen werden da schon mal Fälle gelöst, deren Aufklärung sonst Monate dauern würde“, erklärt sie. Dabei ist die Realität ihrer Fälle in Essen oftmals spannender als die Fiktion im Fernsehen.