Essener Rat ebnet Weg für Groß-Asyl in Fischlaken

Das ehemalige Kutel-Gebäude am Overhammshof soll bis Ende 2015 zu einem Groß-Asyl umgebaut werden.
Das ehemalige Kutel-Gebäude am Overhammshof soll bis Ende 2015 zu einem Groß-Asyl umgebaut werden.
Foto: Knut Vahlensieck
Was wir bereits wissen
Die Landeseinrichtung für bis zu 800 Flüchtlinge soll bis Ende 2015 auf dem ehemaligen Kutel-Gelände stehen. Die Baukosten über 22 Millionen Euro trägt die Stadt, die das Haus dann ans Land vermietet. Vorteil für Essen: Die 800 Asylsuchenden werden auf das Aufnahmekontingent der Stadt angerechnet.

Essen.. Der Rat der Stadt hat den Weg für den Bau einer Landeseinrichtung zur Aufnahme von Flüchtlingen freigemacht. Bis Ende kommenden Jahres sollen auf dem Gelände des ehemaligen Milchhofes Kutel am Overhammshof in Fischlaken Unterkünfte für bis zu 800 Asylsuchende entstehen. Die Stadt wird dazu nun konkrete Verhandlungen mit dem Land NRW aufnehmen.

In einer schriftlichen Absichtserklärung hatte die Landesregierung bereits Interesse an einer Erstaufnahmeeinrichtung in Essen bekundet. Die Stadt Essen würde diese für geschätzte 22 Millionen Euro bauen und langfristig an das Land vermieten. Angedacht ist eine Vertragslaufzeit von mindestens 20 Jahren. Flüchtlinge sollen dort bis zu drei Monate eine Bleibe finden und anschließend auf andere Städte und Kreise verteilt werden.

"Essen kann Politik für Flüchtlinge"

Der Vorteil aus Sicht der Stadt Essen: Die in Fischlaken untergebrachten Asylsuchenden würden auf das Aufnahmekontingent der Kommune angerechnet. Die Stadt müsste also nicht noch zusätzliche Plätze auf eigene Kosten vorhalten, sondern könnte Ausgaben für Unterkunft und Betreuung in zweistelliger Millionenhöhe sparen. Für die SPD-Fraktion warb der sozialpolitische Sprecher, Karl-Heinz Endruschat, ausdrücklich für die Landeseinrichtung: „Essen kann Politik für Flüchtlinge.“ Grüne und Linken lehnten das so genannte Groß-Asyl als überdimensioniert ab; vertretbar seien Unterkünfte für maximal 500 Personen. Für die Fraktion der Partei-Piraten mahnte Ratsfrau Anabel Jujol soziale Standards an. Dringend erforderlich sei eine psychosoziale Betreuung für durch Krieg traumatisierte Flüchtlinge.

Auf Antrag von SPD und CDU beschloss der Rat ferner, dass die Stadt weitere Standorte im Stadtgebiet für den Bau von Unterkünften vorhält. Und zwar für den Fall, dass die Verhandlungen mit dem Land scheitern oder die Zahl der Flüchtlinge weiter steigen sollte. Ausgeguckt sind Flächen an der Hubertstraße in Frillendorf, am Stauseebogen in Heisingen, am Pläßweidenweg in Steele-Horst, an der Ruhrtalstraße in Kettwig und an der Lerchenstraße unweit des S-Bahnhofes Hügel, wo vor Jahren bereits Asylunterkünfte standen.

Flächen an der Ruhrtalstraße in Werden in Höhe des Anlegers Am Staadt und an der Wallneyer Straße in Schuir wurden von der Liste gestrichen.