Das aktuelle Wetter Essen 23°C
Protest

Essener protestieren gegen Bordell vor der Haustür

12.09.2012 | 19:25 Uhr
Essener protestieren gegen Bordell vor der Haustür
Unterstützt von seinen Nachbarn protestiert Gregor Arnold, Sprecher der Bürgerinitiative, gegen den beantragten, bordellartigen Betrieb gegenüber den Wohnhäusern.Foto: Oliver Müller

Essen.  Die Bordell-Pläne im Essener Stadtteil Bergeborbeck sorgen weiter für großen Unmut. Erneut haben die Bergeborbecker ihren Protest gegen die beantragte Ansiedlung eines bordellartigen Betriebes direkt vor ihren Haustüren verstärkt. Ihre Sorge ist groß, dass die Prostitution zu mehr Kriminalität führt. Doch das Baurecht bietet kaum Stoppchancen.

Erst kam der vor allem in Südosteuropa bekannte Gebrauchtwagenhandel. Diesem folgten häufig illegale Schrauberwerkstätten in Hinterhöfen angrenzender Stadtteile. In deren Nähe wiederum befinden sich längst so genannte Übernachtungshäuser – ebenfalls nicht genehmigt, aber schwer zu räumen.

Nun soll ein „bordellartiger Betrieb“ seine drei Zimmer im Umfeld des Automarktes öffnen . Für Die Anwohner ist damit nun das Fass des Erträglichen übergelaufen. In Bergeborbeck protestieren sie heftig gegen den dort beantragten Damen-dienstleistungsbetrieb . Sie fürchten eine schlimme Allianz von illegalen Gewerben, „die sich im Essener Norden wie eine Krake ausbreitet – und die Stadt steht diesem Treiben ohnmächtig gegenüber“, wie es ein Anwohner sagt.

Schlimme Entwicklung

Bordelle oder Clubs, in denen Damen ihre Liebesdienste anbieten – davon existieren rund ein Dutzend in der Stadt. Mehrere dieser Etablissements befinden sich in Wohnstraßen. Weil sie dort nicht stören, alles diskret abläuft, haben sich die Nachbarn inzwischen daran gewöhnt. Ganz anders stellt sich für Anlieger die Situation dar, wenn auf der Straßenseite gegenüber ein Gewerbegebiet beginnt, an dessen Grenze sich nun ein Gewerbebetrieb ansiedeln will, der ebenfalls mit Prostitution zu tun haben soll. Die Bergeborbecker wehren sich dagegen: „Was da auf uns zu kommt, ist der Anfang einer schlimmen Entwicklung im Essener Norden. Das müssen unbedingt wir verhindern.“

Auf der Sitzung der Bezirksvertretung IV protestierten die Anlieger der Kappenberg-, Neustraße und von Schacht Neu-Cöln. „Wir wissen, dass wir neben einem Gewerbegebiet wohnen, in dem es laut werden kann. Aber ein Bordell oder einen ähnlichen, derartigen Betrieb, der bringt allen Nachbarn nur Probleme. Die Stadt muss die Nutzungen für Gebäude einschränken und klar festlegen“, fordert Gregor Arnold in der Politikerrunde. Dafür erhält er von seinen zahlreich erschienenen Nachbarn unterstützenden Beifall.

Für den Mitorganisator des Bürgerprotestes und seinen Mitstreitern steht fest: Prostitution im Einzugsbereich des Automarktes und der oft illegalen Schrauberwerkstätten und Übernachtungshäuser zwischen Katernberg und Dellwig, das bringt Probleme, deren „deren Ausmaße die Stadt nicht mehr überscheuen kann“. „Wer hilft uns, wenn die Situation vor unseren Haustüren eskaliert, wenn sich dort Streitereien entwickeln, in die wir auf dem Nach-Hause-Weg hineingezogen werden, obwohl wir mit den Dingen nichts zu tun haben“, fragt eine Anliegerin, die bereits heute Angst hat, ihren Namen zu nennen.

Kaum Möglichkeiten, die Anträge abzulehnen

Thomas Mehlkopf, Sprecher der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung IV, und Ulrich Schulte-Wieschen, Sprecher der SPD-Fraktion im Bezirk IV, sind sich einig, alles tun zu wollen „was im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten machbar ist“, um diesen beantragten bordellartigen Betrieb an der Straße Schacht Neu-Cöln zu verhindern.

Einstimmig beschloss das Stadtteilparlament: „Wir fordern die Fachverwaltung auf, Möglichkeiten und Wege aufzuzeigen, um diese Art von Ansiedlung in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten auch in Zukunft zu vermeiden oder zu untersagen. Dazu sind auch die planungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.“ Das soll ebenso für „die unkontrollierte und wilde Ansiedlung von Autohändlern im Umfeld“ gelten. Der Planungsausschuss soll diese Anliegen nächste Woche unterstützen.

„Wir haben zur Zeit kaum Möglichkeiten, die Anträge abzulehnen. So ist das Baurecht“, sagt Detlev Robrecht vom Planungsamt. „In besagtem Haus werden längst Wände gestrichen. Die Küche ist schon eingebaut. Da werden einfach Fakten geschaffen – auch ohne Genehmigung“, haben Nachbarn gestern beobachtet.

Frank-Rainer Hesselmann



Kommentare
14.09.2012
00:23
Essener protestieren gegen Bordell vor der Haustür
von boehmann | #6

Wenn der Stadthaushalt dadurch saniet wird, durch eine angemessene Steuer auf das Establischment, gibt es den Segen des Stadtrates und des Ruhrbistums.

13.09.2012
17:54
Essener protestieren gegen Bordell vor der Haustür
von exmex | #5

Keine Tausend Meter entfernt gibt es schon eine "Agentur". Also kann ich Aufregung wirklich nicht verstehen.

13.09.2012
17:51
Ganz einfach ...
von Partik | #4

... ordentliche Webcam mit Blick auf das Etablissement aufstellen, den Stream online stellen, entsprechende Hinweise an die Kunden, auf welcher Seite sie ihren Besuch sehen können.

Da man nur eine öffentliche Straße filmt, kann da keiner was gegen sagen ...

1 Antwort
Da man nur eine öffentliche Straße filmt, kann da keiner was gegen sagen ...
von Pfeifenkopp | #4-1

... abgesheen von leuten, die nur ein wenig vom deutschen Recht verstehen. Dem Recht am eigenen Bild zum Beispiel, das so eine peinliche Prangeraktion, wie Sie sie vorgeschlagen haben, verletzen würde.

13.09.2012
17:16
Essener protestieren gegen Bordell vor der Haustür
von dorfbeobachter | #3

Nicht weit von meinem Wohnhaus ist einer der gößten "Clubs" des Reviers. Probleme: null. Sowohl Gäste, wie auch Gastgeber wollen scheinbar nur eines nach außen darstellen: Diskretion und keinen Ärger.
Eine Tankstelle, eine Disko oder einen Verbrauchermarkt mit Anlieferung um 5 hätte ich nicht so gerne.
Die Kinder verrenken sich nur deshalb den Hals, weil sie die Hoffnung nicht aufgeben wollen, einen ihrer Lehrer zu entdecken.

13.09.2012
17:08
Essener protestieren gegen Bordell vor der Haustür
von foxtrott | #2

Schon seltsam, dass die Spießer ausgerechnet das wohl am meisten vertretene Klientel in den Bordellen ist, welches sich hier aufregt. Wenn die selben Leute auch etwas gegen Kinderprostitution an den deutschen Grenzen unternähmen, stimmte ich ihnen sogar zu.

13.09.2012
17:06
Essener protestieren gegen Bordell vor der Haustür
von OmenEstNomen | #1

Oooh sieht da jemand seine Zweifamilienhausidylle bedroht?

Aus dem Ressort
RWO-Fans attackieren RWE-Ultras mit Baseballschlägern
Risikospiel
Am Mittwochabend haben gewaltbereite Anhänger von Rot-Weiß Oberhausen einen Treff von Ultras des Revier-Rivalen Rot-Weiss Essen am Essener Stadion besucht. Samstag steht das Derby in der Fußball-Regionalliga zwischen beiden Klubs an. Es ist ein Risikospiel.
Polizei hat keine Hinweise auf vermissten Essener (21)
Vermisster
Auch nachdem die Polizei das Bild des vermissten Duy Linh VU veröffentlicht hat, sind keine handfesten Hinweise auf seinen Verbleib eingegangen. Der junge Mann verschwand am Sonntag (24. August) nach einem Streit mit Verwandten aus der Wohnung in Altenessen-Süd. Dort lebt er mit seiner Schwester.
Ein Essener Polizist steigt auf die Kanzel
Kirche
Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen: All das übernimmt Colin B. Nierenz (38) in der Auferstehungskirche Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen: All das übernimmt Colin B. Nierenz (38) in der evangelischen Auferstehungskirche in Essen. Beruflich ist er als leitender Beamter bei der Polizei im Einsatz.
Zu teuer, zu anfällig – Essener Spurbus vor dem Aus
Verkehr
Der Spurbus - ein ÖPNV-Modell made in Essen - ist zu teuer und zu anfällig, beklagt die Evag. Verkehrsplaner in Essen prüfen darum Alternativen zum Spurbus-System. Bis 2015 soll das Konzept fertig sein. Ein mögliches Szenario: Die Busspur auf der A40 wird zu einer Fahrbahn umgebaut.
Bischof Overbeck ohne Verständnis für Schweigen der Muslime
Kirche
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck fordert angesichts des Mordens im Irak ein Signal der „islamischen Religionsführer“. Gleichzeitig fordert Overbeck bei einem Mittagessen mit dem chaldäischen Erzbischof von Mossul, Amel Shimon Nona, dazu auf, sich mit den Menschen im Nordirak zu solidarisieren.
Umfrage

Sozialdezernent Peter Renzel moniert, dass die Abschiebung von nicht politisch Verfolgten nicht schnell genug erfolgt. Stimmen Sie ihm zu?

 
Fotos und Videos
Ritter im Schrebergarten
Bildgalerie
KGV Stiftsdamenwald
Drohne fotografiert Gemeinde
Bildgalerie
Fotografie
Sendung mit der Maus
Bildgalerie
Gerresheimer
Kraft besucht Niederfeldsee
Bildgalerie
Bürgerfest