Das aktuelle Wetter Essen -1°C

Loveparade

Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier

29.07.2010 | 17:52 Uhr
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
Trauernde legen am Dienstag Kerzen und Blumen zum Gedenken an die Opfer der Loveparade nieder. Foto: ddp

Essen.Zum dritten Mal greifen Essens Polizisten den Duisburger Kollegen nach der Loveparade-Katastrophe unter die Arme. Innenminister Ralf Jäger hat der Essener Behörde die Einsatzleitung für die Trauerfeiern am Samstag in Duisburg übertragen.

Hintergrund
Auf schwierige Lagen spezialisiert

Die Essener Polizei ist wie die in Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Köln und Münster spezialisiert auf schwierige Einsatzlagen wie Geiselnahmen, Amoktaten oder Anschläge. Dafür hat Essen die Spezialeinheiten wie SEK, MEK und Verhandlungsgruppe. Zudem gibt es im Präsidium einen ständigen Stab, der jederzeit eine Großlage übernehmen kann. Das sei, so das Innenministerium, entscheidend gewesen für den Auftrag, den Trauer-Einsatz am Samstag zu leiten.

„Ja, es stimmt: Essen macht’s“, bestätigte Wolfgang Beus, Sprecher des Düsseldorfer Innenministeriums, gestern auf WAZ-Anfrage. Die offizielle Sprachregelung: Die Duisburger Polizei sei „sehr stark einsatzbelastet“ und sei zudem noch intensiv mit der Aufarbeitung des Katastropheneinsatzes während und nach der Loveparade am Samstag beschäftigt. Essen dagegen verfüge als so genannte „§ 4-Behörde“ (siehe Kasten) über einen ständigen Stab verfügt, der solche Großeinsätze meistern kann. Dahinter dürfte aber auch die Absicht stecken, die Duisburger Einsatzleitung, denen Opfer und Angehörige ebenfalls bittere Vorwürfe machen, am Samstag bei der Trauerfeier aus der Schusslinie zu nehmen.

Der Leitende Polizeidirektor Fritz Unterberg, Essens ranghöchster Polizist, wird dabei mehrere Konfliktherde im Auge behalten müssen. Bei der Demonstration vor dem Duisburger Rathaus wurden Proteste gegen die zentrale Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche am Burgplatz angekündigt. Die Staatskanzlei NRW kündigte gestern an, entgegen ersten Planungen werde es am Burgplatz keine Übertragung der Trauerfeier geben. Großleinwände stünden dagegen in der MSV-Arena, auf dem Platz vor dem Stadion und in Kirchen.

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Todesfälle bei der Loveparade hatte die Essener Polizei Verstärkung nach Duisburg geschickt und am nächsten Morgen eine Betreuungs-Hotline für Polizisten und Helfer eingerichtet. Bis zu 20 Beamte sitzen an den Telefonen, an denen sich bis gestern 400 Menschen gemeldet haben: Besucher, Polizisten und Rettungskräfte, die die Bilder der Katastrophe nicht allein verarbeiten können oder wollen. Die Beamten hören vor allem zu - und vermitteln, wenn es geboten scheint, Kontakte zu Seelsorgern und Psychologen.

Kai Süselbeck

Facebook
 
Kommentare
30.07.2010
21:04
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von pyrexx | #15

Finde den Ansatz von Poster #1 gar nicht mal so schlecht, den Unglücksort absperren, damit die Anghörigen und Betroffenen dort noch mal hinkönnen. Auch das gehört für machen zur Aufarbeitung und Verarbeitung. Drehverbot wäre dort auch angebracht, aber leider kann ich mir schon gewisse rasende Reporter vorstellen, die dort in Hoffnung der großen und tollen Bilder wieder Zensur und Pressefreiheit schreien, weil sie dort dann doch nicht drehen dürfen.

30.07.2010
17:47
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von Walsimoet | #14

Ich finde es gut, dass man die Trauerfeier (und nichts anderes ist sie trotz oder sogar wegen der zu erwartenden Menschenmassen!) macht. Und auch, dass sie in der Arena gemacht wird. Wobei ich noch nicht weiß, ob ich dorthin oder nicht doch zum Burgplatz gehe.
Wie sonst sollten wir Duisburger Entschuldigung sagen?
Hr. Sauerland übernimmt das ja nicht für uns!

30.07.2010
12:38
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von Windold | #13

Ich glaube dass die Angehörigen (und die 21 Toten im Himmel) möchte keine große Trauerfeier mit Anwesenheit von hohen Politiker sonder ehe die transparente und zügigeUntersuchungsergebnisse der Staatanwaltschaft!

30.07.2010
11:36
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von Heinz S. | #12

Liebe Duisburger! Lasst euch nicht ins Wedau-Stadion abschieben! Zeigt den Angehörigen eure Anteilnahme, indem ihr euch vor der Salvatorkirche versammelt. Eure geballte Präsenz beeindruckt auch die Verantwortlichen! Die Trauerfeier könnt ihr aufzeichnen oder später im Fernsehen in Ausschnitten verfolgen.

30.07.2010
11:22
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von Krake Paul | #11

#3 Stellt sich mir die Frage warum die Essener nicht sofort bei der LP die Einsatzleitung hatten.

Vielleicht weil JETZT ein wichtigeres Publikum erwartet wird... *grübel*

30.07.2010
10:20
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von DeontologischeEthik | #10

Hey Toddy, Du hast ja nicht ganz unrecht, aber was soll die Stadt machen? Keine Trauerfeier? Wohl kaum. Wenn sie aber eine macht, kann sie nunmal nicht verhindern, dass viele Menschen dorthin kommen, denen es ein Bedürfnis ist ihre Solidarität mit den Opfern zu zeigen. Somit muss sie auch dafür sorgen, dass die Trauerfeier geordnet abläuft und das geht nunmal nur an einem großen öffentlichen Platz wie dem Stadion.

30.07.2010
10:19
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von Thomas75NRW | #9

@ 6 beide Daumen hoch.

Dazu rufen sich dann noch Vereine auf den Plan, die unter irgendwelchen Vorwänden ihre Kassen füllen (Spenden).

Ich würd noch Bratwurst-Buden und Getränke-Stände aufbauen und die Massen versorgen. Da kann man noch profitieren.

Ekelig sowas

30.07.2010
10:07
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von Zed | #8

Richtig, Toddy, Richtig!!!!!!!!

30.07.2010
09:51
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von leserin | #7

#6 - dem ist nichts hinzu zu fügen!

30.07.2010
09:14
Essener Polizei übernimmt Einsatz bei Trauerfeier
von Toddy | #6

Man beklagt und kritisiert Vorfälle u.a. Tote und Verletzte einer Großveranstaltung. Alle rasten förmlich aus vor Empörung über den (Zitat) Gigantismus, den man bei dem Großevent „Loveparade“ angeblich an den Tag legen wollte.

Und was wird gemacht??? Man kreiert gleich das nächste Großevent mit Zehntausenden Besuchern, Live-Übertragungen, Fußballstadien und Polizeieinsätzen und nennt das ganze auch noch Trauerfeier?!?!?

Das ist schizophren und pervers und hat mit Trauer und stillem Gedenken rein gar nichts zu tun, sondern dient einzig und allein der Hype-Befriedigung der aufgebrachten Massen! Ekelhaft!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3317949/create

Umfrage
Drei Monate Vollsperrung der A40: Vom 6. Juli bis zum 30. September wird die Autobahn zwischen Essen-Zentrum und Essen-Huttrop komplett gesperrt. Wie richten Sie sich darauf ein?

Drei Monate Vollsperrung der A40: Vom 6. Juli bis zum 30. September wird die Autobahn zwischen Essen-Zentrum und Essen-Huttrop komplett gesperrt. Wie richten Sie sich darauf ein?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Fälscher-Preis ,Plagiarius’ für Essener Firma
Plagiate aus Essen
Ein Essener Unternehmen mit Sitz im Dellwiger Gewerbegebiet Zeche Levin hat am Rande der Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ einen fulminanten ersten Preis gewonnen. Dass sie diesen fortan stolz präsentiert, ist gleichwohl nicht anzunehmen, denn es handelt sich um den „Plagiarius 2012“, eine...
Das Parkleuchten lässt den nächtlichen Grugapark erstrahlen
Licht-Installationen
Die Installationen für das diesjährige Parkleuchten sind allgegenwärtig: Besonders reizvoll sind die Installationen entlang des Weges am Waldsee im Grugapark. Viele Freizeit-Fotografen ihre Stative in der Gruga platziert, um die Lichtmotive einzufangen.
Foto Text