Essener Politik will Fußball-Schlägern Platzverbote erteilen

Essener Lokalpolitiker lassen ein generelles Platzverbot für Fußballer prüfen, die auf dem Platz gewalttätig geworden sind.
Essener Lokalpolitiker lassen ein generelles Platzverbot für Fußballer prüfen, die auf dem Platz gewalttätig geworden sind.
Foto: Thorsten Lindekamp
Was wir bereits wissen
Immer wieder kommt es im Amateurfußball zu Übergriffen. Die Politik will nicht länger zusehen und reagiert. Resolution soll nur der Anfang sein.

Essen.. Angesichts zunehmender Gewalt auf Fußballplätzen zeigt die Stadt Essen Tätern ab sofort die rote Karte: Wie angekündigt, hat der Sport- und Bäderausschuss des Stadtrates auf seiner jüngsten Sitzung eine Resolution dazu mit folgender zentraler Aussage: „Mit großer Sorge stellen wir fest, dass (...) es immer häufiger zu körperlichen oder verbalen Entgleisungen, zu Angriffen auf Schiedsrichter und zu Spielabbrüchen kommt. (...) Wir fordern alle Essenerinnen und Essener, insbesondere alle aktiven Sportlerinnen und Sportler auf, ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen (...).“

Mit einer gut gemeinten Willensbekundung soll es nicht getan sein, die Resolution sei nur ein erster Schritt.

Der Essener Sportbund (Espo) spricht sich deshalb dafür aus, den kompletten Wortlaut der Resolution der Nutzungssatzung für städtische Sportstätten voranzustellen, so dass Vereine, Sportler, aber auch Zuschauer zur Rechenschaft gezogen werden können, sollten sie dagegen verstoßen. Es gehe dabei nicht etwa um sportliche Vergehen, etwa einen Platzverweis, wegen groben Foulspiels. „Rote Karten sind nicht schön, aber darüber reden wir nicht“, betont Espo-Geschäftsführer Wolfgang Rohrberg. Sein Vorschlag: Sollte die Sportgerichtsbarkeit des Fußballverbandes einen Gewalttäter ein Jahr oder länger sperren, dürfe sich dieser erst wieder auf einem Fußballplatz oder auch beim Hallenfußball sehen lassen, wenn die Strafe abgelaufen ist. So lange sei dem gesperrten Spieler die Nutzung städtischer Plätze und Hallen zu untersagen. Das Signal müsse lauten: „Wir wollen solche Leute nicht auf unseren Sportstätten haben“, so Rohrberg.

Extreme Gewalttaten im vergangenen Jahr

Gewalt Der Sportbund verbindet damit die Hoffnung, dass Vereine nicht tatenlos zusehen, wenn Spieler ausrasten oder sogar zuschlagen. „Wir müssen die Vereine in die Pflicht nehmen“, betont Rohrberg. In der Kritik steht aber auch der Westdeutsche Fußballverband. Der habe das Thema Gewalt in den vergangenen Jahren heruntergespielt, wetterte Siegfried Brandenburg, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion und kündigte an: „Wir wollen das jetzt knallhart umsetzen.“

Den Anstoß dafür boten nicht zuletzt zwei extreme Gewalttaten im vergangenen Jahr, die Opfer - ein Schiedsrichter und ein Spieler - landeten schwer verletzt im Krankenhaus.

Platzverbote aussprechen

Gewalt Auf Antrag von SPD, CDU, FDP und EBB prüft die Verwaltung bereits, ob bei Straftatbeständen wie beispielsweise Körperverletzungen ein befristetes Platzverbot ausgesprochen werden könnte. Die Grünen meldeten rechtliche Bedenken an und enthielten sich der Stimme, weil ihnen der Prüfantrag zu allgemein formuliert war. Der Vertreter der Linksfraktion, Herbert Bußfeld, stimmte gar mit „nein“, obwohl sich alle einig darin sind, dass Gewalt im Sport keinen Platz haben darf. Espo-Geschäftsführer Rohrberg hielt den Kritikern entgegen: „Wir müssen auch mal den Mut haben und sagen, das setzen wir jetzt durch.“