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Essener Pfadfinder aus Burgaltendorf helfen in Ruanda

10.02.2016 | 14:00 Uhr
Essener Pfadfinder aus Burgaltendorf helfen in Ruanda
Stefanie Patzak und Jan Ekkert gehören zum Pfadfinderstamm Vereinigte Ruhrhalbinsel.Foto: Knut Vahlensieck

Essen-Burgaltendorf.   Sie arbeitet im Büro, er ist Polizist, beide gehören zum Stamm Vereinigte Ruhrhalbinsel: Stefanie Patzak und Jan Ekkert sind Pfadfinder.

Als Stefanie Patzak ihren Freund kennenlernte, da erschien ihr sein Hobby zunächst beinahe exotisch: Mit Pfadfindern hatte sie 28-Jährige bis dahin nichts zu tun. Als ihr Partner dann aber Unterstützung bei seinem Stamm brauchte, sprang sie ein und stapfte mitunter gleich nach Feierabend im Büro durch den Wald in Burgaltendorf. Inzwischen hat sie sich längst von den Grundsätzen wie Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft anstecken lassen, in ihrem Auto liegt neben dem Paar Gummistiefel auch ihre Stammeskluft. Stefanie Patzak verkauft nicht nur Tannenbäume für den guten Zweck. Sie ist auch Gruppenleiterin der Wölflinge.

Als sie kürzlich neben ihrem Freund Jan Ekkert im Flieger nach Ruanda saß , „da war ich doch extrem aufgeregt.“ Zur Aufregung kam Angst, etwas falsch zu machen wie vor hygienischen Standards: Gedanken an drei Tage ohne Wasser und Donnerbalken schossen ihr durch den Kopf. „Ich bin sonst eher eitel“, gesteht sie schmunzelnd. Statt schlechter Erlebnisse aber, hat sie nun Erfahrungen für ihr Leben mitgebracht und einen veränderten Blick auf die Dinge wie manchen Überfluss im Alltag, erzählt sie noch sichtlich beeindruckt.

Stefanie Patzak hat Ruanda bereist, um Hilfsprojekte der Afrika-Stiftung kennenzulernen, die ein Burgaltendorfer Stammesmitglied einst ins Leben rief. Dazu gehören Schwestern, die eine Krankenstation für die Ärmsten und Alten aus einem Dorf leiten, aber auch Kinderfamilien, die mit Hilfe von Sozialarbeitern zusammenfinden, weil die Mädchen und Jungen keine Angehörigen mehr haben.

Das Erlebte ebenfalls ein bisschen sacken lassen

Jan Ekkert muss das Erlebte ebenfalls ein bisschen sacken lassen. Für ihn waren die Eindrücke der Reise ebenso extrem, nur sein Kulturschock war nicht ganz so groß, da er als 19-Jähriger bereits einen Freiwilligendienst in Südafrika absolvierte. Zudem wird er in seinem Job als Polizeibeamter auch in Essen mit Familien in schlimmen Verhältnissen konfrontiert. Bewegt haben ihn in Ruanda die Bilder von Kindern, die schweres Feuerholz schleppen oder ihre bitterarmen Familien als Viehhirten durchbringen, beschreibt Jan Ekkert.

Anderen zu helfen, das war ihm immer schon wichtig. Gerechtigkeit auch. Seit der Schulzeit lautete daher sein Berufswunsch: Polizist. Nach seinem Studium war Jan Ekkert zunächst ein Jahr lang im Streifendienst tätig, seit September gehört er zur Hundertschaft. Als Bereitschaftspolizist ist er bei Demos, Fußballspielen oder Rocker-Treffen im Einsatz. Er hatte Dienst in Leipzig bei einer Pegida-Kundgebung und suchte zuletzt im Schellenberger Wald tagelang nach einer vermissten 15-Jährigen – die inzwischen aufgetaucht ist.

Gern nochmal nach Afrika reisen

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Pfadfinder freuen sich über weitere Stammesmitglieder

Die Pfadfinder in Burgaltendorf, Stamm Vereinigte Ruhrhalbinsel, haben rund 70 Mitglieder, von denen zehn Leiter sind. Weitere Leiter werden gesucht: „Sie werden nicht ins kalte Wasser geworfen“, sagt Jan Ekkert. Es wird eine Ausbildung angeboten. Interessierte sollten teamfähig und engagiert sein. Ebenso können sich Kinder ab etwa sieben Jahren bei den Pfadfindern melden, die mitmachen möchten.

Die Afrika-Stiftung gründete Hans Küpper-Fahrenberg, ein Stammesmitglied der Ortsgruppe Burgaltendorf nach einem Urlaub in Ostafrika, weil er helfen wollte. Seitdem unterstützen die Pfadfinder die Stiftung. Dabei geht es vor allem darum, Geld für Hilfsprojekte zu sammeln.

Kontakt: 0173-29 92 626, www.dpsg-burgaltendorf.de und www.afrika-hilfe-stiftung.de

Jan Ekkert selbst war sechs Jahre alt, als er zu den Pfadfindern kam. Mit 18 wurde er Gruppenleiter „Heute bin ich fast zu alt für diese Aufgabe“, sagt der 27-Jährige, der auf jeden Fall dabei bleiben will. Er möchte sich als Ausbilder im Ausland einsetzen und sich vor allem stärker für die Afrika-Stiftung engagieren. Auch deshalb war ihm die Reise nach Ruanda wichtig: „Ich wollte die Projekte vor Ort sehen, über die ich nun zum Beispiel auf Gemeindefesten spreche.“

Hier in Essen sammeln sie mit ihren Wölflingen Geld, damit Menschen in Afrika ihre Häuser reparieren können oder der Englisch-Kurs für die Pfadfinder finanziert werden kann: „Dann können wir besser kommunizieren“, sagte die beiden Buraltendorfer Pfadfinder, die gern nochmal nach Afrika reisen wollen. „So in zwei Jahren“, sagt Jan Ekkert. „Ich möchte unbedingt die Schwestern wiedersehen“, wünscht sich Stefanie Patzak. Bis dahin müssen sie jetzt nach der ersten Reise zur Ruhe kommen. Im nächsten Urlaub soll es zunächst etwas Normales sein, sagen sie lachend: „Vielleicht wandern – oder ans Meer fahren.“

Dominika Sagan

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Essener Pfadfinder aus Burgaltendorf helfen in Ruanda
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2016-02-10 14:00
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