Essener Paternoster-Nutzer müssen vorher Anweisung lesen

Nur, wer „unterwiesen“ ist, darf einsteigen: Die Betriebsanweisung, worauf beim Fahren zu achten ist, wurde ebenfalls ausgehängt.
Nur, wer „unterwiesen“ ist, darf einsteigen: Die Betriebsanweisung, worauf beim Fahren zu achten ist, wurde ebenfalls ausgehängt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Sommer 2015 wurde Essens letzter Paternoster, der im Deutschlandhaus steht, kurzzeitig stillgelegt. Ein neues Gesetz wollte es so. Jetzt läuft er wieder.

Essen.. Eine neue Verordnung aus dem Berliner Bundesarbeitsministerium sorgte im Sommer 2015 für sehr viel Kopfschütteln in Essen: Der „Betriebssicherheit“ wegen sollte der letzte öffentlich zugängliche Paternoster der Stadt im Deutschlandhaus (City) stillgelegt werden.

Jetzt, viele Wochen später, fährt der Paternoster wieder. Doch es gibt neue Verbots-Schilder.

Im Juni erließ Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die neue „Betriebssicherheitsverordnung“ für so genannte „Personenumlauf-Aufzüge“. Demnach dürfen nur noch „Eingewiesene“ Paternoster benutzen. Also Leute, die in die Geheimnisse des Paternosterfahrens vorher offiziell eingeweiht wurden.

Über Wochen blieb der Paternoster außer Betrieb

Ergebnis: Nach 85 Jahren ohne größere Unfälle stand der Paternoster erstmals von Amts wegen still. Bürger und Beschäftigte mussten den Aufzug oder die Treppe nutzen. Im Deutschlandhaus, Essens historisch ältestem Hochhaus, ist unter anderem das Amt für Stadtplanung und Bauordnung untergebracht.

Über Wochen blieb der Paternoster außer Betrieb. Sowohl der Hauseigentümer, die Kölner Immobilienverwaltung Koerfer, als auch Stadtdirektor und Planungs-Dezernent Hans-Jürgen Best waren einigermaßen frustriert. Von „Pappnasen aus Berlin“ war die Rede. Erst im Jahr 2014 war der Paternoster Koerfer zufolge für 300 000 Euro technisch überholt worden.

Mitte Juli schickte Koerfer dann gezwungenermaßen eine E-Mail an alle Beschäftigten des städtischen Planungsamtes im Deutschlandhaus mit einer „Betriebsanweisung“. Der Erhalt der E-Mail musste per Empfangsbestätigung quittiert werden.

„Betriebsanweisung“ hinter Glas

Die „Betriebsanweisung“ zum Benutzen des Paternosters enthält so erhellende Weisheiten wie: „Zu den Quetsch- und Scherstellen zwischen Kabine und Gebäudeteilen ist ein ausreichender Sicherheitsabstand einzuhalten.“ Oder: „Nur dann Ein- und Aussteigen (sic), wenn Kabinenboden und Etagenboden annähernd gleiches Niveau haben“. Außerdem sind Notfallnummern eines Krankenhauses und einer Arztpraxis angegeben – für den Fall eines Unglücks.

100 Orte (96) Später wurde die „Betriebsanweisung“ auch in hochwertig anmutende Glasschilder verewigt, die an den Seiten der Kabineneingänge im Paternoster angebracht wurden. Außerdem wurde gut sichtbar in jeder Etage ein zusätzliches Schild angebracht: „Nicht unterwiesenen Personen ist die Benutzung untersagt“.

Dank der „Betriebsanweisung“ hinter Glas ist aber jetzt jeder Bürger in der Lage, vor Benutzung des Paternosters kurz nachzulesen, wie das überhaupt geht: Paternoster fahren. Immerhin: Der Paternoster läuft seitdem wieder rund. Und hofentlich auch in Zukunft. Es sei denn, es kommt wieder eine Störung. Nein, keine technische. Sondern irgendwas aus Berlin.