Essener Nord-Süd-Autobahn soll Wirklichkeit werden
26.08.2009 | 16:47 Uhr 2009-08-26T16:47:00+0200Essen. Die Auswirkungen des geplanten Baus einer Nord-Süd-Autobahn von Kupferdreh (B227) über Bergerhausen (A52) bis zum Kreuz-Essen-Nord (A42) werden in der Stadtspitze immer intensiver diskutiert. Noch in diesem Jahr soll das Projekt mit Nachdruck vorangetrieben werden.
Erste konkrete Prognosen zur Verkehrsentwicklung der geplanten Nord-Süd-Autobahn befeuern die Debatte im Endspurt des Kommunalwahlkampfes.
Da Fachleute damit rechnen, dass der zuständige Landesbetrieb Straßenbau NRW noch in diesem Jahr das Projekt mit Nachdruck vorantreiben wird, geraten die verschiedenen Planungsvarianten der Transitautobahn in den Blick:
Essener Süden
- Was ist geplant?
Der Landesbetrieb Straßenbau NRW will die heutige Bundesstraße 227, die aus Langenberg kommend in Kupferdreh/Dilldorf ins Essener Stadtgebiet führt zur Autobahn 535 ausbauen, die in Bergerhausen auf die A52 trifft. Ein Tunnel soll dabei im „bergmännischen Vortrieb” von der Wuppertaler Straße quer durch Bergerhausen gegraben werden. Geschätzte Kosten: 300 bis 350 Millionen Euro.
- Wie wird sich der Verkehr dadurch entwickeln?
Interne Berechnungen, mit denen auch das städtische Planungsamt arbeitet, gehen davon aus, dass künftig etwa 60 000 Kraftfahrzeuge am Tag die neue A535 am Orteingang Essen-Kupferdreh passieren werden. 40 000 davon werden den neuen Tunnel nutzen; auf der heutigen Ruhrallee würde der innerstädtische Verkehr aber zusätzlich immer noch mit 40 000 Kraftfahzeugen pro Tag fließen.
- Was sagt die Kommunalpolitik dazu?
Die Interessenlage ist selbst innerhalb der Parteien nicht ganz einheitlich. Grundsätzlich aber gilt: CDU und FDP wollen einen Tunnel unter der Trasse der heutigen Ruhrallee, der auch innerstädtischen Verkehr an einer Anschlussstelle Westfalenstraße (aus Steele kommenden) aufnehmen kann. Zudem soll der Tunnel erst in Rellinghausen ansetzen. Dadurch würden 58 000 Kraftfahrzeuge am Tag durch den Tunnel fahren und „nur” noch 22 000 oberirdisch auf der heutigen Ruhrallee. Die SPD lehnt den Autobahnbau im Süden vorerst ab, die Grünen sind vollständig gegen einen innerstädtischen Autobahnbau. Ihre Sorge: Wenn sich die A535 als bedeutende Nord-Süd-Trasse im Ruhrgebiet zwischen A3 und A43 etabliert, wird der Schwerlastverkehr rund um die Uhr zunehmen und den Anwohnern insbesondere in Byfang, Kupferdreh, Dilldorf, Heisingen und Rellinghausen keine ruhige Minute mehr lassen.
Essener Norden
- Was ist geplant?
Der Bundesverkehrswegeplan sieht seit 2003 den Weiterbau der A52 zwischen den Autobahnkreuzen Essen-Ost (Bergerhausen) und Essen-Nord (Vogelheim) vor. Zurzeit wird für den Planungsabschnitt ein Vorentwurf erstellt. Anschlussstellen sind im Bereich Gerlingstraße, Lierfeldstraße und am Teilungsweg an der B224 vorgesehen.
- Wie wird sich der Verkehr dadurch entwickeln?
Eine Prognose des Bundesverkehrsministerium sieht im Abschnitt zwischen Essen-Ost und -Nord eine werktägliche Verkehrsbelastung von bis zu 100 000 Fahrzeugen am Tag. Im Straßennetz der Stadt wird durch die entlastete Ortsdurchfahrt dagegen mit einem „deutlichen Rückgang” der Verkehrsbelastung gerechnet.
- Was sagt die Kommunalpolitik dazu?
CDU, SPD und FDP sehen die Notwendigkeit eines Nord-Ausbaus der A52, um Bottroper und Gladbecker Straße zu entlasten. Die Grünen lehnen den Autobahnbau in Nord wie Süd ab. Die Ortspolitiker haben formal beim Autobahnbau kein Mitspracherecht, machen meist aber informell Einfluss geltend.
17:54
Ich muss meinem Vorredner beipflichten. Die Bahn stellt selbst im Ballungsraum Rhein-Ruhr keine echte Alternative zum Auto dar. Jeden Tag fällt irgendein Zug aus und die Oberleitungsschäden sind mindestens so häufig wie wie die ominösen Fehler im Betriebsablauf. Daher bauen wir mal wieder wild drauf los, damit die ganzen Omis und Opis schneller von Nord nach Süd oder umgekehrt kommen. Es geht ja offensichtlich nicht anders. Sowas nennt man Einbahnstraßenpolitik.
08:53
Ich muss leider jeden Tag pendeln. So fahre ich allerdings einen riesen Umweg über die A3 von Oberhausen runter nach Wuppertal.
Ein direkter Weg funktioniert auch, aber dauert halt ca. 10 - 20 Minuten länger.
Privat würde ich gerne mit den Öffentlichen fahren, allerdings steigert sich die Fahrzeit pro Strecke um eine weitere Stunde.
Die Nord-Süd Anbindung ist im Gegensatz zur West-Ost Anbindung im Ruhrgebiet halt eher schlecht, zumindest für meinen Fall betrachtet. Ich selber mag Autobahnen nicht und brauche auch den Stress des Auto fahrens nicht. Bislang dachte ich auch, dass jegliche Verbindung in NRW recht gut geregelt ist, aber mit der S-Bahn nach Wuppertal, mehrfach umsteigen und für eine Strecke ca. 2 Stunden Fahrt... Mit dem Auto habe ich ein Zeitersparnis von fast 55%. Ökonomisch einen enormen Verlust. Mir wäre eine bessere Verbindung mit der Bahn lieber als eine Autobahn, aber ich wäre wohl dankbar für dieses Bauvorhaben, da sich die Bahn aus meiner Sicht in punkto Pendeln eher verschlechtert hat...
12:40
Jeder, der diesen bekackten Tunnel oder überhaupt den Bau einer Nord-Süd-Autobahn befürwortet, sollte sich mal in die Nähe einer Autobahn stellen und hören, wie sich das anhört. Sowas in der heutigen Zeit noch Menschen zuzumuten finde ich ein Unding. Und an die lieben Leute, die hier immer über Staus jammern: IHR seid selbst schuld! IHR macht die Staus! IHR verpestet die Luft! IHR kassiert über den Autobahnbau UNSERE Steuergelder! Schluss damit!
09:27
@#21
Die Wirtschaft verlangt Flexibilität.
Entschuldigung, dass ist doch Unsinn.
city of London, das Finanzdienstliestungszentrum, und wie weit ist der nächste Autobahn entfernt?
Untertunneln wäre insgesamt notwendig, wird es aber nie geben. An einer Stelle soll es gemacht werden, auf den restlichen 95% erntet man dann Autobahnlärm.
Dabei ist man noch zu feige, Geschwindigkeitskontrollen einzuführen. Wär hält sich denn an Tempo 80 auf der 227/A53 nachts.
Wozu den Tunnel? Doch nur um den Durchgangsverkehr zur A52 aufzunehmen, wenn man ins Zentrum will, geht es wahrscheinnlich weiter über die Ruhraallee. Man stelle sich einfach mal an die Auffahrt Bergerhausen, da sieht man, wie viel ins Zentrum geht, d.i. der größte Teil, nicht nur ein Drittel.
Was man will, ist eine Durchgangs-Autobahn durch Essen, um andere Strecken zu entlasten.
Keine Lärmminderung für 500 Mill. €.
17:18
gibt es eigendlich eine Bürgerinitative FÜR den Aus- und Weiterbau der A52 ... ich würde mich sofort anschliessen!
11:16
hab noch was vergessen... Stimmt, der LKW Verkehr hat zugenommen. Aber hatten wir vor 20 Jahren so viele Geschäfte oder Einkaufszentren die beliefert werden müssen ?
Und schaut mal was wir da alles kaufen können. Das Obst kommt per Flieger aus Costa Rica oder so... das ist natürlich keine Umweltverschmutzung. Und Ihr fliegt auch nie in den Urlaub.
Ich hasse an vielen Deutschen, daß Sie nur bis zu Ihrem Gartenzaun schauen... Das Problem ist nicht nur vor der Haustür sondern viel Globaler !!! Unser Luxus macht den Dreck !!
11:11
In gewisser Weise haben alle von Euch irgendwo, irgendwie ein bisschen recht. Aber es ist doch wirklich sinnvoller, eine Tunnelautobahn zu schaffen, somit Staus auf der Ruhralle/Wuppertaler zu vermeiden. Es werden immer mehr Pendler nach Essen kommen, da wir eine Dienstleistungsstadt geworden sind. Und die Wirtschaft verlangt flexiblität. Das weis jeder.
Selbiges gilt für den Nord-Süd Ausbau der A52. Ein Tunnel wäre hier auch sinnvoller um den Lärm nicht so an den Bewohnern auszulassen.
Die Anwohner der Gladbecker oder Bottroper oder Frillendorf werden sich bedanken, denn der Feinstaub dort wird abnehmen, Weniger Staus = weniger Feinstaub.
Man kann es nicht allen Recht machen. Der eine will sein Grund schützen, der andere dies , der das. Es stimmt auch, daß die zurückgewonnene Fläche wieder begrünt werden muss.
Aber mal ehrlich... bis das alles umgesetzt wird, sind wir alle schon nicht mehr da... schließlich gibts ja noch die deutsche Bürokratie... mal abgesehen davon hat Essen ein schlechte Infrastruktur. Denn bei der vorhandenen muss man immer viel Stau einrechnen.
10:36
Kulturhauptstadt ist der Titel im nächsten Jahr, Autobahnhauptstadt wohl dann für die Ewigkeit. Essen verliert Einwohner, die wegziehen, weil die Stadt nicht attraktiv genug ist. So ein paar neue Autobahnen, das ist ein richtige Imagekampagne. Dann wird so richtig viel mehr Transitverkehr die Stadt besuchen und Imissionen hinterlassen.
Einzige Lösung für Essen kann es nur sein, den Modal Split endlich auf Großstadtniveau zu bringen. Das heisst mehr ÖPNV, kann sehr gut funktionieren, bedeutet aber nicht – um einige Kommentare zu mäßigen, dass jeder „Förster aus dem Forsthaus im Wald zum Transport seines Arbeitsgerätes“ zwingend den ÖPNV benutzen muss.
10:35
@#9
Ich fahre jeden Morgen (mit dem Auto!) von Velbert nach Essen ist wohl genauer.
Dann nimm doch einfach die S-Bahn oder den Schnellbus.
Der Schnellbus vom Zentrum braucht laut Fahrplan 38 Minuten (laut Routenplaner 20 Minuten über Bergerhausen, 26 Minuten über Werden).
Die S-Bahn von
Kupferdreh 8 Minuten
Nierenhof 17 Minuten
Langenberg 19 Minuten
Neviges 25 Minuten
V-Rosenhügel 29 Minuten
Aber der Wunsch, mit dem PKW zu Hauptverkehrszeit in 20 Minuten von Velbert bis in die Innenstadt zu fahren, ist lächerlich. Dafür einen Autobahntunnel zu bauen ist Wahnsinn.
Die Versprechen an Anwohner der A40 (Deckel) sollte man endlich mal halten, aber dafür ist kein Geld da.
Aber auch z.B. den Einwohnern an der Westfalenstraße Steele werden sich über viel mehr Straßenverkehr erfreuen. Wenn Essen-Ost mal wieder dicht ist, und dass ist schon heute sehr häufig der Fall, dann wird der „Schleichweg“ über die Westfalenstraße richtig attraktiv, nur dass es alle machen werden. Dem Navi sei Dank, findet das sofort auch jeder Ortsunkundige, Staus in der Innenstadt meldet aber das Navi (noch) nicht.
Sorry, kann mir mal einer erklären, warum ich für jemanden, der in Essen arbeitet, aber in Velbert wohnt, eine Autobahn durch jetzt noch attraktive Essener Stadtteile bauen soll?
09:58
Sind ja mal wieder alle NIMBYS (not in my back yard) hier vertreten.
Insbesondere die Fraktion die mit ihren fetten Audis, BMWs, Daimlers zur Arbeit fahren während die Gattinnen mit dem SUV die Kinder in den Kindergarten und anschließend zum Friseur und shoppen fahren. Ausgerechnet die sind für den Umweltschutz und gegen Autoabgase. Ich lach mich kaputt ;-)