Essener Marienhospital setzte Billig-Implantate ein

Auch in Essen wurden die Billig-Implantate eingesetzt.
Auch in Essen wurden die Billig-Implantate eingesetzt.
Was wir bereits wissen
Während einige Mediziner in Essen angesichts der günstigen Preise des in die Kritik geratenen Brust-Implantate-Herstellers Rofil skeptisch wurden, vertraute das Marienhospital auf die CE-Zulassung der Implantate. Bei zehn Frauen wurden die Silikonkissen eingesetzt. Die Essener Uni-Klinik hat inzwischen eine Hotline eingerichtet.

Essen.. Die konkurrenzlos günstigen Preise des in die Kritik geratenen Brust-Implantate-Herstellers Rofil stimmten Essener Mediziner nachdenklich: „Wir haben darum lieber auf die Implantate bewährter amerikanischer Hersteller gesetzt, mit denen wir seit Jahren ohne Komplikationen zusammen arbeiten“, heißt es in der Branche. Statt im Schnitt marktüblichen Preisen von 400 bis 500 Euro wurden für die Gelkissen, die mit minderwertigem Industrie-Silikon gefüllt sind, nur 150 Euro verlangt.

Das Marienhospital hingegen vertraute auf die CE-Zulassung der Rofil- und PIP-Präparate und setzte sie insgesamt zehn Frauen ein. „Sowohl zu kosmetischen Zwecken als auch nach Brustkrebs“, habe man die Silikonkissen verwandt, so Kliniksprecher Oliver Gondolatsch. Komplikationen habe es bislang nicht gegeben. „Wir haben nach Bekanntwerden der Warnungen zu allen Patientinnen sofort Kontakt aufgenommen“, sagt Gondolatsch. „Bislang gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Gelkissen auslaufen.“

Dennoch: Einer Patientin wird noch in dieser Woche das Implantat entfernt. Eine weitere sei bereits operiert, „allerdings, weil die Entfernung aus anderen Gründen medizinisch notwendig war.“ Nachdem erste Kritik an den Herstellern Rofil und PIP im März 2010 laut geworden war, nahm das Marienhospital die Gelkissen aus dem Bestand.

Verunsicherte Patientinnen melden sich derzeit in vielen Essener Häusern. So auch im St. Josef Krankenhaus Werden: „Wir können allerdings alle Patientinnen beruhigen“, sagt Krankenhaussprecherin Katinka Siebke, „denn wir haben keins dieser Implantate eingesetzt.“ Dennoch treffe die Verunsicherung die Frauen hart, „viele haben gerade erst eine Brustkrebsoperation überstanden und sind nun wieder in Sorge.“

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Ähnlich ist die Situation im Alfried-Krupp-Krankenhaus Rüttenscheid: Viele Anfragen – doch auch dort kann man Entwarnung geben. Die Mediziner bewusst entschieden, auf den bewährten amerikanischen Hersteller zu setzen, mit dem man seit Jahren zusammen arbeite.“ Was Klinik-Sprecher auch für die Häuser Huyssenstift und Elisabeth-Krankenhaus bestätigen.

Vorsichtig zeigten sich auch private Schönheitschirurgen im Umgang mit den Rofil-Präparaten. So sagt Philipp Morsbach, Vorstand der Mang Medical One-Klinikkette, die auch in Essen eine Niederlassung betreibt, man habe bei der Auswahl von Implantaten Wert gelegt auf die Zertifizierung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA, die bei der Zulassung strenger urteile als deutsche Behörden.

Das Essener Universitätsklinikum nahm zwischenzeitlich zu mehr als 500 Patientinnen Kontakt auf, denen die umstrittenen Implantate eingesetzt wurden. Darüber hinaus richtete die Klinik für Frauen- und Geburtsheilkunde der Uniklinik eine Telefonhotline ein. Diese ist - nicht nur für Patientinnen der Uni-Klinik - zu erreichen montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 14 Uhr: 723-2346 oder 723-85297.