Essener Linke nehmen Schlagabtausch wörtlich
24.03.2011 | 12:38 Uhr 2011-03-24T12:38:00+0100
Essen.Innerhalb der Essener Linke eskaliert der interne Streit: So sprang Ratsherr Wolfgang Freye (56) während einer Arbeitsgruppen-Tagung auf und ging dem Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Leymann-Kurtz an die Gurgel.
Bei ihnen wurde schon immer viel „gekämpft“: Ob für die sozial Schwachen oder gegen die nukleare Energiegewinnung, ob für ein Kombibad oder gegen die Messe-Erweiterung so hoppla-hopp – verbal mögen es die Linken allen pazifistischen Grundeinstellungen zum Trotz seit je her gern martialisch. Jetzt aber hat sich erwiesen, dass linke Schlagkraft sich keineswegs nur in grauer Theorie erschöpfen muss: Ein beherzter Griff zur Gurgel des Gegenübers, ein wuchtiger Fausthieb als Antwort – bei den Linken gibt es neuerdings Haue.
Termin beim Schiedsmann
Und das an vorderster Ratsfront: Am 10. März, so wissen Teilnehmer zu berichten, tagte eine Arbeitsgruppe zum Thema Messe, streifte aber auch die Bäderdebatte und kam zu dem Punkt, der die Partei seit langem umtreibt: dem heftigen Streit innerhalb der fünfköpfigen Ratsfraktion, der Frage, wer wann wie und wo für die Partei oder die Ratsfraktion sprechen darf.
Ein Wort gab das andere, es wurde, so heißt es, laut, und plötzlich sprang Ratsherr Wolfgang Freye (56) auf und ging dem Fraktionsvorsitzenden Hans Peter Leymann-Kurtz an die Gurgel. Oder halt, fasste er ihn nur sanft ans Kinn, als so eine Art körperlicher Manifestation, er solle doch verdammt noch mal den Mund halten? Fest steht: Der so angegriff..., nein: der so angefasste fackelte nicht lange, holte aus und verpasste seinem Ratskollegen einen Fausthieb. Mit links, versteht sich.
Ein Befreiungsschlag? Oder die Handlung eines Aggressors? Beide beschuldigen sich gegenseitig und fest steht nur so viel: Dass sich die Linken nun auch körperlich auseinandersetzen ist der peinliche Höhepunkt eines internen Streits, der das Rats-Quintett seit der Kommunalwahl lähmt: hier Leymann-Kurtz, Claudia Jetter, Janina Herff, dort Wolfgang Freye und seine Frau Gabriele Giesecke. Irgendwie links alle fünf, aber nach dem Zerrüttungsprinzip längst geschiedene Leute, wären sie nicht parteilich aneinander gekettet.
Wie lange noch, das ist die Frage: Freye hat einen Schiedsmann eingeschaltet, Leymann-Kurtz in der Fraktion offenbar fürs erste ein Teilnahme-Verbot für Freye durchgesetzt, ein Parteiausschluss-Verfahren steht in Rede, der Landesvorstand ist eingeschaltet. Derweil schreiben jene, die dabeigewesen sind Gedächtnisprotokolle, und es nimmt nicht Wunder , dass diese sich dem Vernehmen nach in einigen Passagen unterscheiden. Lagerdenken, auch hier?
Kein Beifall untereinander
Jedenfalls fiel dem geneigten Betrachter im Ratssaal auf, dass trotz guter Redebeiträge Linke nicht unbedingt für Linke klatschen, und Leymann-Kurtz mit Freye nicht sprach. Man hat sich aber auch nicht geschlagen. Immerhin.
06:25
Oben wird ein Video über ein Interview mit Hans Peter Leymann-Kurtz gezeigt: Ein Linker gegen die Spaltung der Stadt Essen. Eine durchaus sympathische Vorstellung. Ob sie durch das reale Handeln gedeckt wird, mag jeder, der will, aber selbst beurteilen.
Ein Interview, das ungefähr zur gleichen Zeit aufgenommen worden ist:
Wolfgang Freye spricht zu den gleichen Themen, und ist dabei viel konkreter:
Interview mit Wolfgang Freye anlässlich der Kommunalwahl in NRW 2009. (wechselwaehler.de)
http://www.linksdiagonal.de/2011/03/27/ruckblick-interview-mit-wolfgang-freye-anlasslich-der-kommunalwahl-2009/
Zum Vergleich finde ich es wichtig das gegenüber zu stellen.
18:14
genau 1980yann. soll sich jemand der ans kinn gefasst bzw. gewürgt wird nicht befreien dürfen?
16:18
Tja, in Mülheimer flogen nur die Wassergläser - da haben dann 2 von 3 Mitgliedern die Fraktion, die verbliebene Transfrau nennt sich jetzt Ratskollektiv, Herne ist ebenso verkracht, in Duisburg hat man einen Fraktionschef, der das Existenzrecht Israels in Podiumsdiskussionen als läppisch bezeichnet ... ;)
Das Problem an der reinen Lehre ist, dass es davon so viele gibt.
Und natürlich ist ein Abwehrschlag gegen denjenigen, der einem gerade die Kehle zudrücken will, absolut legitim - die Peinlichkeit liegt voll und ganz auf Seiten des Würgenden.
Amüsant finde ich die Versuche, L-K jetzt seine frühere politische Tätigkeit vorzuwerfen. Wusste die Partei nichts von seiner Vorgeschichte mit andersfarbigem Parteibuch, als sie ihn zum Spitzen- und OB-Kandidaten nominiert hat?
Üblicherweise macht sowas ein Parteitag.
14:38
Wasser predigen, eimerweise Wein saufen...und sich klassenkämpferisch die Freßleiste begradigen...das ist ja besser als Streit um Asterix!!!
10:47
Lemann-Kurtz und seine beiden Fraktions-Groupies haben DIE LINKE kontinuierlich von linker Politik in Essen entfernt. Wir feuern mal schnell den Fraktions-Geschäftsführer und machen damit Platz für unseren alten Intrigen-Kumpel Bütefür und sorgen für die entsprechende Mehrheit in der Fraktion mit der Stimme seiner Ehefrau. Sonntags shoppen ist geil! Was interessieren mich die 400 Euro Jobber. etc. etc. Das Einzige, was verwundern kann, ist die Tatsache, dass nicht schon vorher einem LINKEN die Nerven durchgegangen sind.
08:41
Find ich super!
Die gehören ins Programm von RTL II
Managen kann die beiden Püppchen ja der Ernst! Den Manager-Porsche hat er ja schon!
04:33
Sie fahren aber im besoffenen Kopf keine Menschen tot!!!
22:24
Prügelnde Ratsfraktionsmitglieder gab es schon lange nicht mehr in Essen.
Aber mit dieser Aktion haben es die Linken geschafft,
ohne Politik für den Essener Bürger zu gestalten,
die Schlagzeilen aller Medien zwischen Flensburg und Garmisch und Görlitz und Aachen für einen Tag zu besetzen.
Positive oder negative Nachrichten in der Werbung, dienen letztendlich der Partei, die LINKEN.
22:14
Bei uns in Oberhausen wurden führende Mitglieder der Linken wegen Beschädigung fremden Wahlplakate zu Geldstrafen verurteilt.
Das Gewaltpotential linker Chaoten ist ja allgemein bekannt.
19:53
Ich kenne die Herrschaften nicht. Hans-Peter Leymann-Kurtz als Sozialdemokrat, dann Grüner und jetzt Linker ist aber nicht gerade als seriöser und verläßlicher Kommunalpolitiker einzuschätzen.