Das aktuelle Wetter Essen 21°C
Kunst

Essener Künstler will Gehirnmodell der Medizin zur Verfügung stellen

26.03.2013 | 10:00 Uhr
Essener Künstler will Gehirnmodell der Medizin zur Verfügung stellen
Das künstliche Gehirn-Modell soll in den Dienst von Medizin oder Wissenschaft gestellt werden.Foto: Alexandra Roth

Essen.  Künstler Lex Spielmann hat die Schaltstelle des Nervensystems nachgebaut und will das Werk in den Dienst der Medizin stellen. 2010 zeigte er seine Schöpfung erstmals öffentlich, hat dann weiter daran gearbeitet. Nun möchte er es an Medizin oder Wirtschaft vermieten.

Klack-klack, klack-klack – wie ein Metronom geben die Geräusche der Dialyse-Pumpen den Rhythmus vor. Hier und dort blinkt ein farbiges Licht, während sich im Inneren des merkwürdigen Gebildes ein Wust von Schläuchen windet, in denen sich impulsartig gefärbtes Wasser bewegt. In der Dunkelheit des ehemaligen Teppich-Lagers an der Schützenbahn 37 scheint das Knochengerüst aus Bauschaum fast zu schweben.

Seine Form ist unverkennbar dem eines menschlichen Gehirns nachempfunden, dessen Töne, Signale und Informationsströme wiedergegeben werden – mit einem entscheidenden Unterschied: Die Schaltzentrale für diesen Organismus befindet sich außerhalb, in einem Schrank am Ende des Raumes. Dort steht sein Schöpfer Lex Spielmann und überprüft den Druck auf den Schläuchen seines „Simulacrum“ – dem Kunst gewordenen überdimensionierten Organ .

Idde entstand schon 2004

Es dampft, es knattert, es zischt – der 49-jährige Bildhauer lässt sich davon nicht beirren, auch wenn sein Kind gerade etwas störrisch ist. „Keine Sorge, das ist nicht giftig“, sagt er und zeigt auf die neongrüne Flüssigkeit, die sich auf dem Boden zu einer Pfütze gesammelt hat. Die Idee zu dem Projekt hatte er schon 2004.

Im Jahr 2010 gab es dann auch einen Anlass, sie zu verwirklichen. „Ich hatte eine Einladung, mich mit einem Werk an der langen Nacht der Industriekultur zu beteiligen“, sagt er und wischt sich die Hände an seiner schmuddeligen Cord-Arbeitshose ab. Das Thema lautete Energieeffizienz – was Spielmann auf die Idee brachte, ein Hirn zu bauen. „Es war aber nie geplant, dass es wie das Original aussieht.“ Spielmann ist fasziniert vom „Rechenwerk“ des Menschen, wie er es nennt. 2010 zeigte er sein Werk erstmals öffentlich, hat dann weiter daran gearbeitet.

Gehirn reagiert auf Zuschauer

Betrachter kommen sich vor wie in einer Mischung aus Geisterbahn, Science-Fiction-Film und Reise ins eigene Ich. Bewegungsmelder im Raum sorgen für Interaktion mit dem Zuschauer, lösen Lichtwechsel aus und beschleunigen die Arbeit des Hirns. „Je mehr Leute drum herum gehen, desto hektischer wird’s.“

Vier Jahre lang habe er sich mit dem Material Bauschaum beschäftigt. Da mag man kaum glauben, dass er die Herstellung der Schädelplatte mit dem „Schnittmuster eines Mode-Kostüms“ vergleicht. „Ich hab’ erst mal alles auf den Boden in meinem Atelier gesprüht und den Prozess des Abbindens verzögert, um es formen zu können“, erklärt der gebürtige Niederbayer.

  1. Seite 1: Essener Künstler will Gehirnmodell der Medizin zur Verfügung stellen
    Seite 2: Der Bau des künstlichen Gehirns war problematisch

1 | 2


Kommentare
Aus dem Ressort
Verdächtige nach Drohung gegen Alte Synagoge in Essen frei
Polizei
Vier Männer, die auf Facebook mit einem Anschlag auf die als Kulturinstitut genutzte Alte Synagoge in Essen gedroht haben, sind wenige Stunden nach ihrer Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Jetzt müsse geprüft werden, wie ernst sie ihre Drohung gemeint haben, so ein Polizeisprecher.
ProSieben-Kameras filmten Messerstecher in Essener City
Gewalt
Mitten in der Essener City stach am Donnerstagabend ein Jugendlicher auf einen Punk ein. Zur Attacke kam es in der Nähe des Prosieben-Glascontainer, ein Kamerateam filmte den flüchtenden Täter. Der Psychologe des TV-Experiments „We are watching you“ wollte dazwischengehen.
Fan- und Förderabteilung will alle RWE-Anhänger vertreten
Rot-Weiss Essen
Die 20102 gegründete Fan- und Förderabteilung (FFA) von Rot-Weiss Essen mischt im RWE-Aufsichtsrat mit und engagiert sich für die Anhänger des Kultklubs – nicht nur bei Aktionen wie dem Fahnenmaltag. Die FFA will im Verein Sprachrohr aller RWE-Fans sein. Wahrlich keine leichte Aufgabe.
Polizei musste Ruhestörer am Galileo-Container vertreiben
TV-Experiment
Das Experiment der ProSieben-Sendung Galileo neigt sich dem Ende zu. Die WAZ besuchte Thilo Mischke, der seit Tagen im Glascontainer auf dem Burgplatz lebt und fragte nach einem ersten Fazit. Vor allem die Nacht zu Donnerstag war für den jungen Mann eine besondere Prüfung.
Säugling totgeschlagen – Vater droht jetzt lebenslange Haft
Prozess
Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes droht einem Vater, der sein 18 Tage altes Baby totgeschlagen haben soll, lebenslange Haft. Bislang sitzt der Mann nur wegen Totschlags in U-Haft. In einem ähnlichen Fall bestätigte der BGH jetzt die Verurteilung wegen Mordes mit der Folge lebenslanger Haft.
Umfrage
Am Freitagabend zieht der Reporter des Prosieben-Wissenschaftsmagazins „Galileo“ nach fünf Tagen aus dem Glascontainer in der City. Wie bewerten Sie das TV-Experiment?

Am Freitagabend zieht der Reporter des Prosieben-Wissenschaftsmagazins „Galileo“ nach fünf Tagen aus dem Glascontainer in der City. Wie bewerten Sie das TV-Experiment?

 
Fotos und Videos
Schiller auf dem roten Teppich
Bildgalerie
Filmpremiere
Tief hinab ins Pumpwerk
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
Stromhandel zeigt sich
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
Das Univiertel, Essen Grüne Mitte
Bildgalerie
100 Orte