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Essener Kinos trotzen der Krise

30.07.2009 | 12:50 Uhr
Essener Kinos trotzen der Krise

Essen. Einen wahren Besucheransturm hat es im ersten Halbjahr 2009 auf die Essener Lichtspielhäuser gegeben. In wirtschaftlich schlechten Zeiten gönnen sich mehr Menschen das vergleichsweise preiswerte Vergnügen - und die Flucht aus dem Alltag.

Nein, Meinolf Thies hat keinen Grund zum Klagen, das gibt der Manager des Cinemaxx gerne zu: „Wir erleben derzeit einen Boom.” Dabei befürchtete er zu Beginn der Wirtschaftskrise noch, dass mancher den Kinobesuch als verzichtbaren Luxus gleich ganz streicht. „Tatsächlich haben wir bis Juni 6,4 Prozent mehr Umsatz gemacht als im ersten Halbjahr 2008 - und das war mit Publikumserfolgen wie ,Keinohrhasen' das beste seit fünf Jahren.”

Harry Potter als Erfolgsgarant fürs zweite Halbjahr

Kinogänger der Zukunft: Kinder treffen sich mit Autor Knister zur Premiere des Films Hexe Lilli im Cinemaxx in Essen. Foto: Frank Vinken

Die Steigerungsrate ist zwar nicht ganz so sensationell wie die 13,5 Prozent, die die „Zukunft Kino Marketing GmbH” bundesweit vermeldet, aber für das Gesamtjahr ist Thies optimistisch. „Da geht noch was: Ins zweite Halbjahr fallen ja Blockbuster wie Harry Potter, der Erfolg des ersten Halbjahres ist dagegen vielen verschiedenen Filmen zu verdanken.” Action, Horror und Familienunterhaltung sei dabei gewesen, außerdem ein Bündel an Kinderfilmen wie „Prinzessin Lillifee” oder „Die wilden Hühner”. Die seien wichtig, um das Publikum von morgen zu binden. „Schlimm genug, dass jeder sechste Zwölfjährige noch nie im Kino war.”

Thies ist Realist genug, nicht mehr von den zwei Millionen Zuschauern zu träumen, die 1993 ins Cinemaxx kamen. „Das erreichen wir nie mehr.” Aber 800 000 seien für 2009 drin, und das wären schon 50 000 mehr als 2008. Inzwischen glaubt der Kino-Manager nämlich an die Branchenweisheit, dass der Verbraucher in Krisenzeiten auf Großinvestitionen wie Auto, Schrankwand und Fernreise verzichte und sich kleine Alltagsfluchten à la Kino umso lieber leiste.

Kino als Trostspender?

„Ob es stimmt, dass die Leute in Krisenzeiten Trost im Kino suchen, sollen die Sozialforscher beantworten”, findet „Lichtburg”-Chefin Marianne Menze. In jeden Fall habe sie in der „Lichtburg” bis Juni 30 Prozent mehr Zuschauer als 2008 begrüßen können; und das sei nicht allein dem Ansturm auf die 3D-Fassung von „Ice Age 3” zu verdanken. Zufrieden sei sie auch mit der Entwicklung in den kleineren Filmkunsttheatern wie dem „Eulenspiegel”. Eins spreche gewiss für den Kinobesuch in der Krise, meint Menze: „Es ist ein preiswertes Vergnügen.”

Christina Wandt

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