Das aktuelle Wetter Essen 10°C
MPU

Essener Institut bereitet auf den "Idiotentest" vor

03.03.2012 | 08:00 Uhr
Essener Institut bereitet auf den "Idiotentest" vor
Vorbereitung auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung: Verkehrspsychologe Klaus Boerner. Foto: Jan Dinter

Essen.   Bei Alkohol, Drogen, Raserei droht den Verkehrssündern der Führerschein-Entzug. Ein anonymer Infotag zum „Idiotentest“.

Der 25-Jährige ist in eine Polizei-Kontrolle geraten, weil er ohne Licht gefahren ist: „Die haben gedacht, ich bin besoffen“, erzählt er. Plötzlich sei die Streife hinter ihm gewesen, sie hätten mit einem Hund den Wagen abgesucht. Und er habe einen Schnelltest für Alkohol und Drogen machen müssen: „Alles negativ“. Er musste dennoch auf die Wache, wo ihm Blut abgenommen worden sei.

Vier Wochen später kam ein Brief, dass er nicht mehr Autofahren dürfe. Das habe ihn überrascht: „Ich trinke nie, habe nie Drogen genommen“, beteuert der junge Mann aus Guinea. Vielleicht mal eine Paracetamol, erzählt er heute, vier Jahre später. So lange hatte er das Thema Führerschein vergessen, sagt er. Nun will er die Medizinisch-Psychologische Untersuchung bestehen, um seiner Fahrerlaubnis wieder zu bekommen. Er arbeitet nun in einer Krankenhaus-Küche und fängt morgens um 6 Uhr an. Der Weg zur Arbeit wäre mit Auto leichter zu bewältigen. Daher sitzt der 25-Jährige beim Institut Impuls, das auf die MPU vorbereitet , im Stuhlkreis, erzählt seine Geschichte und hofft auf Hilfe.

Schwachstellen suchen

Verkehrspsychologe Klaus Boerner, der selbst 30 Jahre lang als Gutachter gearbeitet hat, erklärt, welche Möglichkeiten es zur Vorbereitung auf die MPU, auch Idiotentest genannt, gibt. Rät zunächst zum Beratungsgespräch, ob eine Maßnahme überhaupt sinnvoll sei. Denn es gebe diejenigen, die aus ihrem Verhalten bereits viel gelernt und Konsequenzen gezogen hätten. Wer glaubhaft machen könne, dass er immer die Kontrolle über sich habe, der könne mitunter ohne Kurs zur MPU.

Doch der Psychologe gibt zu bedenken: „Es reicht nicht zu sagen, mein Verhalten war verkehrt, ich werde das nicht mehr tun.“ Wer so vor die Gutachter tritt, ist mitunter überrascht, warum er durchfällt, sagt Boerner. Das Amt wolle in dem Gutachten Argumente, „warum es sich darauf verlassen kann, dass derjenige seine Probleme künftig besser löst.“

Vor der MPU müsse sich jeder mit sich auseinandersetzen. Sich fragen: Warum habe ich als Lösung gesoffen? Wie passt es zu mir, dass ich mich so verhalten habe? Man müsse Schwachstellen suchen, um sich zu schützen. Und andere.

"Sie haben mich aus dem Auto rausgeschnitten"

Die hat der 46-Jährige zum Glück nicht auf dem Gewissen, sagt er heute. Mehr als zehn Jahre nach dem Unfall, den er mit zwei Promille gebaut hat. „Ich habe mich regelrecht in Wut getrunken“, erinnert er sich. Natürlich habe er gewusst, dass er nicht hätte fahren dürfen. Der Weg nach Hause hätte nur über die Straße geführt, und er wäre zu Hause ins Bett gefallen. Er stieg aber ins Auto. Total sauer, völlig in Rage. Es ging um Geld, er „wollte zu jemandem hinfahren.“ Angekommen ist er nicht. „Da war die Baustelle auf der Bocholder.“ Mittags sei die noch nicht da gewesen.

Seinen Unfall hat er am Tag darauf im Fernsehen gesehen, als er im Krankenhaus nach kurzem künstlichen Koma wach wurde. „Sie haben mich aus dem Auto rausgeschnitten.“ Wie die Feuerwehr das Dach abgetrennt hat, hat er auf dem Bildschirm verfolgen können. „Dann kam meine Mama auf mich zu.“ Und sein bester Freund, der ihm eine schallende Ohrfeige verpasst hätte. „Das hat mehr weh getan, als die Verletzungen“, sagt der 46-Jährige, der bereits eine MPU bestanden hat, zu der er musste, weil er zu zügig unterwegs gewesen sei.

"Ich habe mich schuldig gefühlt"

Heute fragt er sich wieder, wie aufgeregt er sein wird. Wie wird er sich geben? Wie schätzen die ihn wohl ein? Warum er sich erst so viele Jahre später entschieden hat, den Führerschein zurück haben zu wollen? Zum einen habe er den kroatischen, auch wenn er mit dem in Deutschland nicht fahren dürfe. Aber er nennt noch einen anderen Grund: „Ich habe mich schuldig gefühlt.“

Dominika Sagan



Kommentare
03.03.2012
12:46
Im Reinen
von Erbeck1 | #1

Wer mit sich in Bezug auf das Problem im Reinen ist und dafür was getan hat , der liefert somit dem Gutachter positive Argumente und benötigt keine Beratung oder sonstige Couchstunden . Die Anderen benötigen auch keine Beratung und sie müssen halt nur auf den Führerschein verzichten und das ist viel einfacher als meistens angenommen - zudem auch besser so !

Aus dem Ressort
Polizei stoppt Hooligan-Demo gegen Salafisten in Essen
Massenauflauf
Großeinsatz für die Essener Polizei am Sonntagnachmittag: Eine große Gruppe von Hooligans aus dem ganzen Land hatte sich am Essener Hauptbahnhof getroffen, um gegen Salafisten zu demonstrieren. Die Polizei drängte die Gruppe in eine Seitenstraße und löste die Versammlung auf.
Eine Stadt und (zu) viele Bauträger
Immobilien
Im Rathaus reifen Pläne, sämtliche Immobilien unter ein einheitliches Dach zu bringen. Das soll eine Menge Geld sparen – und könnte manch lukrativen Aufsichtsposten tilgen.
Hooligans wollten in Essen gegen Salafisten demonstrieren
Massenauflauf
Überraschender Massenauflauf im Essener Stadtzentrum: Rund 80 Fußball-Hooligans haben sich am Sonntagnachmittag versammelt. Nach Polizeiangaben handelte es sich um gewaltbereite Problemfans. Die Polizei war mit starkem Aufgebot vor Ort und sprach Platzverweise aus.
Offener Tankdeckel entlarvt gesuchten Pkw-Dieb in Essen
Kriminalität
Eine Streifenwagenbesatzung in Essen bemerkt einen Renault mit offener Tankklappe. Ganz Freund und Helfer fahren sie dem Fahrer hinterher, um ihn zu warnen. Doch dieser und sein Beifahrer nehmen reißaus, werden aber gefasst. Der Renault war gestohlen und der Fahrer wurde mit Haftbefehl gesucht.
Ab sofort läuft die Anmeldung für den Vivawest-Marathon
Marathon
Am 17. Mai 2015 fällt der Startschuss für den dritten „Vivawest-Marathon“, der die ausdauerndsten Läufer durch Gelsenkirchen, Essen, Bottrop und Gladbeck führt. Ab sofort sind die Anmeldelisten geöffnet. Hier ein erster Ausblick auf das Laufereignis mit dem fröhlich mitgehenden Pott-Publikum.
Umfrage
Am Donnerstag/Freitag kontrolliert beim 7. Blitzmarathon in Essen wieder ein Großaufgebot der Polizei die Geschwindigkeit in der Stadt. Innenminister Ralf Jäger startet die Kontrolle um 7.30 Uhr in Kray. Wenn Sie alle Argumente abwägen: Glauben Sie, dass diese aufwendigen Kontrollaktionen zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führt?

Am Donnerstag/Freitag kontrolliert beim 7. Blitzmarathon in Essen wieder ein Großaufgebot der Polizei die Geschwindigkeit in der Stadt. Innenminister Ralf Jäger startet die Kontrolle um 7.30 Uhr in Kray. Wenn Sie alle Argumente abwägen: Glauben Sie, dass diese aufwendigen Kontrollaktionen zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führt?

 
Fotos und Videos
Zeus Award 2014
Bildgalerie
Fotostrecke
Polizei kesselt Hooligans ein
Bildgalerie
Demonstration
Fest in Altenessen
Bildgalerie
Stadtteilfest