Essener Gesundheitsamt will Kliniken jährlich kontrollieren

Die Kinderklinik des Uniklinikums Essen.
Die Kinderklinik des Uniklinikums Essen.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Nach den Hygiene-Vorwürfen steht das Essener Gesundheitsamt im Dialog mit dem Uniklinikum. Künftig sollen alle Kliniken jährlich kontrolliert werden.

Essen.. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene lädt am 7. Mai zu einem Symposium nach Essen ein. Dann dürfte auch über Vorwürfe gesprochen werden, die ausgerechnet in Essen, der Krankenhaus-Hauptstadt der Region, laut geworden sind: In einem Medienbericht wurden dem Uniklinikum (UK) Hygieneprobleme in der Kinderklinik unterstellt. Das UK weist die Vorwürfe zurück.

Um das Thema kümmert sich inzwischen das Gesundheitsamt der Stadt, das die Hygiene in den Krankenhäusern überprüft. Das Schreiben mit den Vorwürfen wurde an Karl-Josef Laumann, den Bevollmächtigten der Bundesregierung für Patienten und Pflege, geschickt. „Uns lagen vorab keine Hinweise auf Mängel vor. Wir sind im Dialog mit dem UK“, sagt Dr. Rainer Kundt, Amtsarzt im Gesundheitsamt. Es gab einen Termin an der Hufe­landstraße. Es gab Gespräche mit Prof. Walter Popp, Leiter der Krankenhaushygiene im UK. In der Kinderklinik wurde, berichtet Kundt, die räumliche Situation verbessert und ein weiteres Zimmer eingerichtet. „Die bauliche Situation ist natürlich ausbaufähig“, sagt Kundt mit Blick auf das 80 Jahre alte Gebäude. 2019 soll die neue Kinderklinik öffnen.

Gesundheitsamt war zuletzt im Jahr 2012 im Uniklinikum Essen

Krankenhäuser müssen Meldepflichten an das Gesundheitsamt nachkommen. Solange es keine Auffälligkeiten gibt, wie eine Häufung bei multi-resistenten Erregern, greift die Behörde nicht in den Klinik-Alltag ein. „Da haben wir nichts, dem wir nachgehen können“, erklärt Kundt. Die zwölf zuständigen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes besichtigen regelmäßig Krankenhäuser, Arztpraxen, Seniorenheime und Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt. Im Uniklinikum waren sie zuletzt 2012. „Wir planen in Zukunft, alle Essener Krankenhäuser routinemäßig jährlich zu begehen“, kündigt Dr. Rainer Kundt an. 16 Krankenhäuser hat die Stadt.

Mediziner Kundt würde sich freuen, wenn das anonyme Schreiben mit den Vorwürfen auch bei ihm landen würde. „Bisher ist es bei uns noch nichts angekommen“, bedauert er. Beschwerden von Patienten gehen indes meist an die Patientenfürsprecher der betroffenen Klinik. „So eine Stelle hat das Uniklinikum noch nicht“, erklärt Detlef Schliffke. Er ist Sprecher der Essener Patientenfürsprecher und führt den neu gegründeten Bundesverband an. „Es gibt im Uniklinikum Planungen, die Stelle einzurichten. Bislang landen die Sachen im Beschwerdemanagement. Bei sensiblen Themen wie Hygiene wollen sich Betroffene aber lieber einem unabhängigen Patientenfürsprecher anvertrauen“, weiß Schliffke.

Er ist am 7. Mai auch beim Symposium in Essen dabei. Der Titel lautet passenderweise: „Krankenhaushygiene für Patientenfürsprecher.“