Essener Genossen erkennen OB Paß gar nicht wieder

Da machten sie noch gemeinsam Politik in Essen: Angelika Kordfelder und Reinhard Paß 2004 im Rat der Stadt.
Da machten sie noch gemeinsam Politik in Essen: Angelika Kordfelder und Reinhard Paß 2004 im Rat der Stadt.
Foto: Remo Bodo Tietz/ FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach den vier SPD-Regionalkonferenzen in Essen wird Oberbürgermeister Reinhard Paß ein besserer Auftritt attestiert als Gegenkandidatin Angelika Kordfelder. Die Diskussion um die Zukunft von Parteichefin Britta Altenkamp schwelt deweil.

Essen.. Namentlich zitieren lassen sich nur wenige, doch nach der vierten und letzten SPD-Regionalkonferenz am Mittwoch abend im Schloss Borbeck ist die Bilanz der Genossen eindeutig: Amtsinhaber Reinhard Paß habe einen durchgehend besseren Eindruck hinterlassen. Herausforderin Angelika Kordfelder, derzeit noch Bürgermeisterin in Rheine, wirkte nach Angaben von Teilnehmern unvorbereitet und wenig konkret. Selbst Wohlmeinende sprachen von einem teilweise bemitleidenswerten Auftritt. Thomas Osterholt, Ratsherr und Vorsitzender des Ortsvereins Dellwig, sagt von sich selbst, er gehöre wie Kordfelder eher zum linken Parteiflügel, sei aber „nicht sehr erbaut“ von ihr. Gerade weil sie seit zehn Jahren Bürgermeisterin ist, habe er mehr erwartet: „Ich tendiere zu Paß.“

Drastischer äußert sich Richard Kiessler aus dem Ortsverein Rüttenscheid, der an drei der vier Regionalkonferenzen teilnahm: „Essen ist einfach eine Nummer zu groß für Frau Kordfelder.“ Die Kandidatin habe weitschweifig über landwirtschaftliche Details aus Rheine berichtet, sodass selbst Parteilinke gebeten hätten, das Thema zu wechseln: „Um Schweinezucht geht es in Essen nicht.“ Paß hingegen habe souverän, faktensicher und stellenweise auch witzig gewirkt. „Ich habe mehr als nur einen sagen hören: Wir erkennen unseren Reinhard gar nicht wieder“, so Kiessler.

Strategie mit Blick auf die OB-Wahl

Auch um Strategien mit Blick auf die eigentliche OB-Wahl ging es. Der frühere Kulturdezernent Oliver Scheytt, der zum Kordfelder-Lager gehört, warf Paß vor, Rot-Grün in Essen erschwert und so den Bündnispartner vergrätzt zu haben. „Wir können die OB-Wahl aber nur mit den Grünen gewinnen“, wird Scheytt von Teilnehmern zitiert. Schon deshalb sei ein personeller Neuanfang für die SPD sinnvoll. Paß entgegnete, unabhängig von seiner Person tendierten viele Spitzen-Grüne in Essen nun einmal zur CDU.

Demokratie Kordfelder ließ wissen, als Frau pflege sie einen konsensualen Stil etwa im Umgang mit Mitarbeitern, und bei 52 Prozent Wählerinnen sei es ohnehin an der Zeit, dass auch einmal eine Frau für die SPD als OB kandidiere. Das traf auf wenig Gegenliebe. Ihn interessiere nur, ob ein OB-Kandidat „Nüsse in der Hose“, also Mut und Durchsetzungskraft habe, ließ ein Teilnehmer wissen. „Ob das ein Mann oder eine Frau ist, spielt gar keine Rolle.“

"Die SPD ist total gespalten“

Ein früherer SPD-Ratsherr, der für klare Worte bekannt ist, zeigte sich nach den Konferenzen im kleinen Kreis pessimistisch: „Wir können der CDU fast schon gratulieren: Die SPD ist total gespalten und kann diese Wahl nicht gewinnen.“ Verantwortlich für die Polarisierung entlang alter Konfliktlinien der Essener SPD sei Parteivorsitzende Britta Altenkamp. Mit ihrer Generalkritik habe sie erst die Demontage des OB bewirkt, um dann mit Kordfelder nur eine leichtgewichtige Gegenkandidatin aufzubieten. Die Frage steht im Raum: Was passiert, wenn Paß den Entscheid - womöglich sogar klar - gewinnt, was auch im Kordfelder-Lager nach der ernüchternden Konferenz-Erfahrung für möglich gehalten wird? Ist Altenkamp dann noch zu halten?

Es gelte in diesem Fall „das Kreuz breit zu machen“, sagt einer. Käme es zum offenen Bruch in der SPD und stürze Altenkamp darüber, würde der Wahlkampf unweigerlich leiden. Der Kettwiger Ortsvereinschef Jöran Steinsieck, fragt dennoch bereits spitz nach dem Vorstandsbeschluss, der Altenkamp autorisiert haben soll, einen Kandidaten zu suchen. Einen solchen Beschluss soll es nicht geben.

Es könnte also einsam werden um Britta Altenkamp. Sollte sie kippen, müsste wohl NRW-Justizminister Thomas Kutschaty als Vorsitzender ran, heißt es. „Er ist der einzige, der den Laden zusammenhalten kann.“