Essener fordern über Facebook Denkmal für den Vater der Kirschblüte

Die Rüttenscheider Straße präsentiert sich zurzeit mit der Kirschblüte.
Die Rüttenscheider Straße präsentiert sich zurzeit mit der Kirschblüte.
Foto: WAZ
Blütenpracht in Essen-Rüttenscheid: Die Kirschblüte sorgt derzeit für Frühlingsgefühle - und prägt den Stadtteil. Im sozialen Netzwerk Facebook fordern viele die Würdigung des Stifters der Bäume, Tadashi Nakamura. Der erste Japaner in Essen schenkte die Kirschblüten aus Dankbarkeit der Stadt - die daran nirgends erinnert.

Essen-Rüttenscheid.. Verliebte Pärchen posieren vor ihnen, Hobby-Fotografen nehmen sie Rü auf, Rü ab in den Fokus, Gäste in den Straßencafés genießen das Blütenmeer zum Latte Macchiato: Dass Rüttenscheid seit 25 Jahren mit der Kirschblüte die schönste Zeit des Jahres erlebt, ist Tadashi Nakamura zu verdanken, dem ersten Japaner, der nach dem Krieg in Essen lebte. Der 2009 im Alter von 88 Jahren verstorbene Nakamura stiftete die Bäume Ende der Achtziger als Zeichen seiner Verbundenheit der Stadt Essen.

Im sozialen Netzwerk Facebook ist es diese rührende Geste bürgerschaftlichen Engagements, die hunderte Nutzer auf der Seite der Interessengemeinschaft Rüttenscheid umtreibt. „Neben der Ehrenbürgerschaft sollte man sich bei der nächsten Straßenumbenennungsaktion des Namens Tadashi san erinnern“, schreibt etwa Stefan Linden. „Und wo bleibt die Gedenktafel?“, fragen Klaudia Hoffmann und viele weitere Nutzer. Einige von ihnen befürchten, dass die Geschichte in Vergessenheit gerät und fordern, den Japaner in Rüttenscheid angemessen zu würdigen.

„Väterlicher Freund und Förderer“

Auf jeden Fall denkmalwürdig Die Interessengemeinschaft Rüttenscheid will sich nun dafür einsetzen, verspricht Vorsitzender Rolf Krane: „Die Idee finden wir gut und einige Bürger haben schon zugesagt, sich finanziell beteiligen zu wollen. Vielleicht hat ja jemand eine gute Idee, in welcher Form und an welcher Stelle sich ein solches Denkmal am besten umsetzen ließe“, sagt Krane.

Dabei war Nakamura nicht nur Stifter der Kirschbäume und spendete die antiken Steinlampen für den japanischen Garten des Grugaparks. Er war vor allem Netzwerker und pflegte auch nach seiner Rückkehr in die Heimat den Kontakt zu Essen. 1954 war der Kaufmann für den in Düsseldorf ansässigen, späteren Weltkonzern Mitsui nach Deutschland gekommen. Da er in der Landeshauptstadt keine Wohnung fand, zog er mit seiner jungen Familie in die Virchowstraße. Der einstige japanische Meister im Einer engagierte sich im Ruderklub Baldeneysee, der später einen regen Austausch mit dem Ruderklub des Tokyo Institut of Technology pflegte. Im Nachruf sprach der Essener Trainer Thomas Rüth von Nakamura als „außergewöhnliche Persönlichkeit“ und „väterlichen Freund und Förderer“.

Bäume werden nach und nach ausgetauscht

Spender gesucht Dass sein rot und weiß blühendes Erbe noch lange erhalten bleibt, darum kümmert sich der Grün und Gruga-Betrieb aber auch die Interessengemeinschaft. So prüft Rolf Krane regelmäßig den Zustand der rund 200 Bäume, die nach und nach ersetzt werden, wenn sie krank sind. So wurden kürzlich etwa neue Kirschen am Stern und vor der Ampütte gepflanzt. Erst gestern gab es einen Rundgang mit den Baumsachverständigen Christian Cichos und Arne Thun, die sich einen Überblick verschafften. „Natürlich sind aber auch alle Anwohner aufgerufen, das Grün vor ihrer Haustür im Auge zu behalten und sich im Zweifel zu melden“ sagt Krane.

Engagement, das wohl ganz nach dem Geschmack von Tadashi Nakamura gewesen wäre: Geben statt Nehmen und Dankbarkeit statt Unzufriedenheit sind im Land des Lächelns schließlich Tugenden, die in die Tat umgesetzt werden.