Essener Flüchtlinge ziehen in neue feste Unterkünfte

Bauarbeiter legen letzte Hand an das Außengelände des neuen Asyls Papestraße in Holsterhausen: Auf 100 Flüchtlinge kommen jeweils ein Betreuer für den Alltagsbetrieb, eine Sozialkraft und ein Sicherheitsmann.
Bauarbeiter legen letzte Hand an das Außengelände des neuen Asyls Papestraße in Holsterhausen: Auf 100 Flüchtlinge kommen jeweils ein Betreuer für den Alltagsbetrieb, eine Sozialkraft und ein Sicherheitsmann.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
  • Am 3. November sollen 400 Asylbewerber an den neuen Standort Papestraße umziehen
  • Eine Woche später werden die letzten drei von einstmals zehn Zeltcamps geräumt
  • Für drei bis sechs Monaten finden Zuwanderer hier ihr erstes neues Zuhause in der Stadt

Essen.. Ach, schau an, könnte man denken, die ersten Flüchtlinge sind auch schon da und helfen beim Einräumen.

Aber weit gefehlt. Die Schwarzafrikaner und die jungen Männer aus dem Maghreb, die da an diesem Dienstagvormittag an der Papestraße zur Hand gehen, sie sind offenbar Mitarbeiter eines polnischen Geräte-Lieferanten. Der stattet das neue städtische Groß-Asyl im Schatten des Funkturms im Dutzend billiger mit Kühlschränken, Herden und Waschmaschinen aus. Wird auch Zeit: Am 3. November ziehen hier, einen Steinwurf von der A40 entfernt rund 400 Asylbewerber ein.

Eine Mischung aus Ruhri-Stolz und Lob geht an alle Beteiligten

Flüchtlinge, „Gastarbeiter“ und Zuwanderer der zweiten Generation auf Anhieb zu unterscheiden, fällt gar nicht mehr so leicht. „Im Ruhrgebiet klappt das“, sagt Thomas Römer, Vize-Leiter im Sozialamt. Eine Mischung aus Ruhri-Stolz und Lob an alle Beteiligten schwingt da unüberhörbar mit.

Und dieses Karree aus hellblau angestrichenen Einfach-Bauten, das hier auf dem Gelände des abgerissenen Jugendzentrums entstand, es soll dabei helfen, dass weiter zusammenwächst, was zusammengehört, wenn man denn auf Dauer in Frieden mit- und nebeneinander leben will: die alteingesessenen Holsterhausener hüben, die Zuwanderer aus aller Herren Länder drüben. Auch wenn Letztere im Normalfall nur drei bis sechs Monate hier ihr Zuhause finden.

Sozialamt registriert nur ein geringes Beschwerdeaufkommen

Es ist die erste und mit 400 Personen zugleich größte von vier nagelneuen Flüchtlings-Unterkünften, die die Stadt durch ihre Grundstücksverwaltung GVE bauen lässt. Ein Mittelding zwischen all den abgewetzten Heimen im Stadtgebiet und klassischem Sozialwohnungsbau, einfach, aber funktionell.

Flüchtlinge Ein Tisch und zwei Stühle, ein Etagenbett, Kühlschrank und Spind – viel mehr passt nicht in die Zwei-Personen-Zimmer. Familienzimmer sind nur wenig größer, aber es gibt ja Aufenthaltsräume. Drei Dutzend Leute teilen sich eine große Küche, die Toilette ist auf dem Gang, jedes Fenster hat Rollläden, die Tür schließt gut, will sagen: lärmdicht. Das ist ein guter Anfang, zumal Sicherheitsdienst und soziale Betreuung an sieben Tagen die Woche vor Ort sind. Das habe sich bewährt, sagt Römer, „wir haben ein minimales Beschwerdeaufkommen“.

Mit 3695 Asylbewerber in Heimen 200 weniger als erwartet

Das soll auch an der Papestraße so sein, wenn die Bürger zum Tag der offenen Tür am 2. November mal reinschauen dürfen. Und nicht nur hier: Weitere 100 Zuwanderer ziehen Anfang November an der Lerchenstraße ein, bevor im Dezember an der Ruhrtalstraße 175 und im Januar an der Grimbergstraße 75 Menschen unterkommen.

Hinzu kommen über 2000 angemietete Plätze stadtweit, und deshalb ist es gut möglich, dass es dann sein Bewenden hat mit neuen Asylheimen, dass die städtischen Pläne für den Pläßweidenweg, für die Neu- und die Bonifaciusstraße Mitte November noch kippen, der abflauenden Flüchtlingswelle sei Dank. Schon jetzt liegt die Zahl der in Unterkünften lebenden Asylbewerber mit 3695 um 200 unter den eben erst korrigierten Zahlen.

Und doch ist nicht viel Luft, wie Römer betont: Der Zeitplan ist eng getaktet, Mitte November werden die letzten drei Zeltcamps geräumt, dann haben alle Flüchtlinge in Essen ein festes Zuhause. Der Winter kann kommen.