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Rauchmelder

Essener Feuerwehr begrüßt Rauchmelder-Pflicht

25.01.2012 | 06:00 Uhr
Jacqueline Hellwig und ihre neunjährige Tochter Lea. Rund 5000 Euro Schaden hat ein Brand bei ihnen verursacht. Die „DA direkt“ zahlt nicht. Nun muss ein Ombudsmann schlichten. Foto: Ulrich von Born

Essen.   Dass Rauchmelder Leben retten, ist nichts neues. Doch lange nicht jeder Essener hat welche. Nun soll die Pflicht kommen. Bei Jacqueline Hellwig hängen sie seit einem Wohnungsbrand bereits an der Decke. Für die Renovierungskosten aber muss sie selbst aufkommen - ihre Versicherung zahlt den Schaden nicht.

Es war noch dunkel draußen, als der Wecker Jaqueline Hellwig am 2. Januar aus dem Tiefschlaf riss. Gerade noch rechtzeitig. Obgleich sich die junge Werdenerin benommen fühlte, über starke Kopfschmerzen klagte und sich in der Nacht ein grauer Schleier über Tapeten, Böden, Decken, Schränke und Fenster gelegt hatte, wurde der alleinerziehenden Mutter nicht sofort klar, was sich in der Parterrewohnung am Klemensborn ereignet hatte: Vom Wohnzimmer aus trieb ein tückischer Schwelbrand Rauch, Ruß, giftige Gase und Dämpfe in alle Zimmer, jede kleine Ritze, sämtliche Schränke und alle Textilien.

Erst als Hellwig im Spiegel ihr von Ruß pechschwarz gefärbtes Gesicht betrachtete, wurde ihr klar: „Ich hatte riesiges Glück, das Feuer überlebt zu haben. Dass meine schwer asthmakranke Tochter die Nacht bei einer Freundin verbracht hat und es ihr daher gut geht, ist für mich ein wahres Wunder.“ Dann brach die 30-Jährige in Tränen aus.

Später stellten die Ärzte eine Rauchvergiftung bei Hellwig fest. Brandmelder hatte sie in ih­ren vier Wänden nicht angebracht. „Aber das habe ich nun schnellstens nachgeholt“, sagt die junge Mutter. Vorher habe sie sich keine Gedanken darüber gemacht, dass bei ihr zu Hause ein Feuer ausbrechen könne. Nun ist sie wachgerüttelt. „Ich muss nicht nur mich, sondern vor allem meine Tochter vor einer solchen Gefahr schützen. Daher hängt nun in jedem Raum ein Melder; auch meine Nachbarn haben nachgerüstet.“, betont Hellwig.

Rauchmelder retten Leben

Ulrich Bogdahn, Chef der Feuerwehr Essen, begrüßt ihre Entscheidung: „Sie hatte wirklich Glück, dass sie nicht in der Wohnung am Rauch erstickt ist, wie 500 bis 600 Bundesbürger, die jedes Jahr bei Bränden ums Leben kommen.“ Alleine im vergangenen Jahr starben bei Feuern sechs Menschen in Essen. „Die Leute denken, sie würden noch früh genug merken, wenn es bei ihnen brennt. Doch in Wahrheit merken sie es gar nicht“, weiß Feuerwehrsprecher Mike Filzen aus der Erfahrung. „Brandmelder retten Leben“, pflichtet ihm Bogdahn bei, der eine gesetzliche Rauchmelderpflicht für Haushalte in NRW fordert.

Bogdahn, der im „Verband der Feuerwehren in NRW“ der Ar­beitsgemeinschaft der Leiter der NRW-Berufsfeuerwehren vorsitzt, unterstützt daher die Initiative der Rot-Grünen Landesregierung, eine Pflicht einzuführen: „Schon ei­ne Ausstattungsquote von 80 Prozent halbiert die Opferzahlen.“ In vielen Ländern der Welt und in zehn von 16 Bundesländern gibt es gesetzliche Regelungen, die Melder in privaten Wohnungen vorschreiben, aber eb­en nicht in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland.

Rauchmelder rettet Leben

Zahlen der anderen Länder würden beweisen, dass eine gesetzliche Pflicht die Zahl der Brandtoten reduziert. Dass es hierzulande bisher keine Regelung gibt, schreibt Bogdahn mitun­ter Lobbyisten großer Wohnungsbaugesellschaften zu. Sie hätten seit Jahren gegen das Vorhaben gewettert, weil sie weder Mittel für Brandmelder noch deren Wartung aufbringen wollten. „Der kleinste gemeinsame Nenner, auf den wir uns nun verständigen konnten ist, dass die Mieter künftig für ihre Rauchmelder und deren Wartung verantwortlich sind“, sagt der Feuerwehrchef, der mit dem Kompromiss dennoch sehr zufrieden ist, „denn jeder Brandtote ist einer zu viel.“

Außerdem müsste man den Bürger eben manchmal zu seinem Glück treiben: „Denn bei solchen Dingen sind wir Deutsche etwas stoffelig. Das Thema Brandrauchmelder ist mit der Pflicht für Sicherheitsgurte gut vergleichbar. Werden Gurte nicht festgeschrieben, sind wir nur ungern bereit, dafür Geld auszugeben.“ Heute würde – auch ohne Pflicht – keiner mehr einen Neuwagen ohne Sicherheitsgurte kaufen. Obwohl Bauminister Harry Voigtsberger und Innenminister Ralf Jäger die Debatte im Landtag vorantreiben, schätzt Bogdahn, dass ein Gesetz pro Melder dieses Jahr nicht mehr in Kraft tritt: „Die Politik benötigt manchmal leider länger, selbst wenn es eilig ist und wie beim Thema Rauchmelder jede Sekunde zählt.“

Krankenhäuser, Bürotürme, Diskotheken, Kinos und Theater – auch dort wird der Brandschutz groß geschrieben. Aber schon etwas länger, wie Andreas Müller, stellvertretender Leiter im Amt für Stadtplanung und Bauordnung berichten kann.

Versicherung will für Feuerschaden nicht aufkommen

Vor allem Gebäude, die einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben, sind oft nicht mehr so gut in Schuss. Jüngstes Beispiel ist das frühere DB-Hochhaus am Hauptbahnhof. Die Firma Aurelis hatte das 1963 erbaute Hochhaus 2003 erworben und nun verbliebene Mieter vor die Tür setzen müssen – wegen erheblicher Mängel beim Brandschutz. „Zuletzt hatte Aurelis lebende Brandwachen im Einsatz, weil die Meldeanlage defekt war“, so Andreas Müller. Sie hätten im Ernstfall die Aufgabe von Brandmeldern übernommen und die Feuerwehr gerufen. „Das geht so natürlich nicht; daher musste das Haus leergezogen werden“, so Müller. Nun soll es saniert werden.

Eine Renovierung hat Ja­cqueline Hellwig bereits hinter sich. Über Fa­cebook startete sie nach dem Zimmerbrand einen Aufruf. 15 Freunde meldeten sich und halfen ihr mit Rat und Tat. 5000 Euro Schaden hat das Feuer insgesamt angerichtet. Obwohl Hellwigs Hausratversicherung bei der „DA direkt“, die zur Zurich- Gruppe zählt, Schutz ge­gen Feuerschäden bietet, zahlt sie nicht. Von einem Gesteck aus hat sich das Feuer über den Fernsehtisch ausgebreitet. Die DA direkt geht aber von einem Sengschaden aus.

Kommunikationsleiter Bernd Engelien definiert: „Als Brand gilt ein Feuer, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder ihn verlassen hat und sich aus eigener Kraft auszubreiten vermag.“ Enttäuscht von der DA direkt hat Hellwig einen Ombudsmann eingeschaltet: „Ich hätte wohl erst umkommen müssen, damit sie für den Schaden aufkommen.“ Weil das Geld nach der Renovierung knapp ist, muss sie ih­rer Tochter Lea notgedrungen die Nachhilfe streichen. Mit Feuermeldern wär’s vielleicht nicht so weit gekommen.

Vor dem Brandmelder-Kauf gut informieren

Wer noch keine Brandmelder in der Wohnung oder im Haus angebracht hat, sollte sich vorm Kauf informieren, denn nicht jedes Gerät hält, was die Verpackung verspricht. „Kaufen Sie nur Rauchmelder, die mit CE-Zeichen inklusive Prüfnummer und der Angabe DIN EN 14604 versehen sind“, betont Feuerwehrsprecher Mike Filzen. Allen, die mehr über die unterschiedlichen Brandmelder-Typen wissen möchten, rät der Experte, sich auf der Internetseite www.rauchmelder-lebensretter.de zu umzusehen. Dort gibt’s auch Kaufempfehlungen.

Pascal Hesse

Kommentare
25.01.2012
13:41
Essener Feuerwehr begrüßt Rauchmelder-Pflicht
von Ex-Leser | #6

@5

Geben Sie mal bei Google "Rauchmelder für Taube" ein.
Ich gebe zu das diese speziellen Teile sehr teuer sind, jedoch geht es um Ihre...
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Essener Feuerwehr begrüßt Rauchmelder-Pflicht
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/essener-feuerwehr-begruesst-rauchmelder-pflicht-id6280631.html
2012-01-25 06:00
Rauchmelder, Feuer, Feuerwehr, Wohnungsbrand, Pflicht
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