Essener Ex-Uniklinikchef Eckhard Nagel im Rechtsstreit mit Putzfrau

Ex-Uniklinik-Chef Prof. Eckhard Nagel.
Ex-Uniklinik-Chef Prof. Eckhard Nagel.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
  • Putzfrau verklagt Ex-Chef des Uniklinikums nach Streit um die Abrechnung von Reinigungstätigkeiten
  •  Prof. Eckhard Nagel zahlte erst Teilbetrag, dann den Rest „ohne Anerkennung der Rechtspflicht“
  • Putzfrau Alexandra Loh fordert nun Anwaltskosten zurück, Nagel soll vor Gericht erscheinen

Essen.. „Der Mann der klaren Worte“, wie ihn sein Freund, Außenminister Frank-Walter Steinmeier nennt, hat Spuren in Essen hinterlassen: Prof. Eckhard Nagel, bis September 2015 Ärztlicher Direktor des Uniklinikums. Die Chefärzte, die in einem Brandbrief seine fehlende Präsenz kritisierten und die Zusammenarbeit aufgekündigt hatten, haben bei seinem Abschied durchgeatmet. Die, die mit dem Transplantationsmediziner konnten, loben dagegen bis heute seine Qualitäten als Netzwerker und Impulsgeber.

Nagel, jetzt Geschäftsführer eines medizinischen Instituts in Augsburg sowie Mitglied im Deutschen Ethikrat und im Aufsichtsrat der Berliner Charité, könnte bald wieder nach Essen kommen. Seine ehemalige Putzfrau hat ihn verklagt. Es geht um Reinigungstätigkeiten in seiner Rüttenscheider Wohnung aus dem vergangenen Sommer. Es steht Aussage gegen Aussage. Ein Wiedersehen vor Gericht droht.

Schon länger als Putzfrau für Professor tätig gewesen

Alexandra Loh war schon länger als Putzfrau bei Prof. Eckhard Nagel tätig. Erst als Angestellte der Firma „Hausheldin“, dann, seit Juli 2015, als selbstständige Kleinunternehmerin. Im Spätsommer kam es dann zum Streit. Es ging um die Abrechnung des Julis sowie einiger Stunden im August. Gesamtbetrag: 560,49 Euro. „Herr Nagel wollte trotz vorheriger Absprache nicht bezahlen“, erklärt Alexandra Loh.

„Die Rechnung war und ist fehlerhaft und überzogen. Es wurde sofort um Korrektur gebeten“, teilt die Anwaltskanzlei Nagel und Schlösser aus Hannover als Rechtsbeistand des ehemaligen Klinikdirektors mit. Betrag und Dauer der Dienstleistungen seien „falsch“. Statt wie, „von seltenen Ausnahmen abgesehen“, die üblichen zehn Stunden pro Monat, seien 24 Stunden für den Juli abgerechnet worden. Plus 5,49 Euro für Reinigungsmittel. Nagel war im Juli teilweise im Urlaub, nach seiner Rückkehr überrascht und behielt gleich den Hausschlüssel ein. Putzfrau Loh weist auf die angeordnete Mehrarbeit des Auftraggebers hin. „Die Dachterrasse sollte gesäubert, Schrank-Schubladen ausgewischt werden. Das braucht seine Zeit in einer 250 Quadratmeter großen Wohnung.“

Alexandra Loh sagt, sie habe Mahnungen geschrieben, was die Gegenseite zurückweist. Die Putzfrau schaltete einen Rechtsanwalt ein, der im Oktober einen Schriftsatz aufsetzte und sich bei der Kanzlei von Nagels Bruder Prof. Michael Nagel in Hannover meldete.

Anwalt Volker Schröder möchte Professor Nagel vor Gericht sehen

Die wies das Schreiben zurück. Aber: „Entgegenkommend“ und „zur Erhaltung des Rechtsfriedens“ bezahlte Nagel Ende November 229,90 Euro. Der Lohn für die seiner Meinung nach besprochenen Putz-Stunden. „Ohne Anerkennung der Rechtspflicht“, wie die Nagel-Seite betont. Der Restbetrag von 330,59 Euro wurde Mitte Januar überwiesen. „In der Hoffnung, nicht zu einem unnötigen und zeitaufwändigen Gerichtsterminen anreisen zu müssen“, so der Rechtsbeistand der Nagel-Seite.

Streit also ausgeräumt, könnte man meinen. „Nein“, sagt Putzfrau Alexandra Loh, „ich musste nicht nur warten, ich hatte ja auch Anwaltskosten“, erklärt die Putzfrau, die zwischenzeitlich den Juristen gewechselt hatte. Knapp 300 Euro sind für die Formulierung der Schriftsätze zusammengekommen. „Soll ich die von meinem Lohn bezahlen? Da bleibt ja kaum was für meine geleistete Arbeit über.“

Das sei eine unberechtigte Forderung, kontert die Nagel-Seite, da sie die Rechtspflicht nicht anerkannt habe und schon die Ursprungsrechnung falsch gewesen sei. „Die Zahlung erfolgte verbunden mit dem Hinweis, dass unberechtigte Anwaltskosten nicht übernommen werden.“ Volker Schröder, Anwalt von Alexandra Loh, hat inzwischen Klage beim Amtsgericht Essen erhoben und darin die Anerkennung der Rechtspflicht beantragt. Er regt an, das persönliche Erscheinen des Beklagten anzuordnen.

Die Nagel-Seite verweist auf „erfundene Behauptungen“ und fühlt sich inzwischen unter Druck gesetzt. „Aufgrund der nunmehrigen Entwicklung wird eine Strafanzeige geprüft“, teilt die zuständige Kanzlei Nagel und Schlösser aus Hannover mit.