Essener erfinden "Slashpipes" - Produktion in Franz-Sales-Werkstätten

Slashpipes sind der neue Trend im Fitness-Bereich. Das Entwicklerteam (v.l.): Karsten Witte, Michael Eckerl, Frank Jablonowski und Martin Kammler.
Slashpipes sind der neue Trend im Fitness-Bereich. Das Entwicklerteam (v.l.): Karsten Witte, Michael Eckerl, Frank Jablonowski und Martin Kammler.
Foto: FUNKE Foto Services

Slashpipes im Franz-Sales-Haus

Vier Essener haben ein neues Fitness-Gerät entwickelt: Ihre Slashpipes waren einer der Trends auf der Fitnessmesse FIBO in Köln. Montiert werden die Sport-Röhren in den Werstätten des Franz-Sales-Hauses in Essen.
Di, 12.05.2015, 05.00 Uhr

Vier Essener haben ein neues Fitness-Gerät entwickelt: Ihre Slashpipes waren einer der Trends auf der Fitnessmesse FIBO in Köln. Montiert werden die Sport-Röhren in den Werstätten des Franz-Sales-Hauses in Essen.

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Eine Innovation aus Essen: "Slashpipes" sind ein neues Fitness-Gerät, das bereits Preise gewann und in einer Behindertenwerkstatt montiert wird.

Essen.. Platsch, platsch, platsch. Das rote Wasser rauscht durch die Kunststoff-Röhre. Schießt von einer Seite zur anderen. „Das Wasser macht was mit Dir“, sagt Martin Kammler. Ja, vor allem eines: Es macht einen fertig. Bereits nach wenigen Minuten strengt es gewaltig an, die Röhre in Waage zu halten und kontrolliert zu bewegen. Schon muskelbepackte Männer habe sie in die Knie gezwungen, tröstet Kammler (44), der früher als Personal Trainer in den USA arbeitete und die Idee von dort über den großen Teich mitbrachte.

Daraus haben er und drei weitere Essener vor anderthalb Jahren die „Slashpipe“ entwickelt. Das neuartige Fitness-Gerät aus Essen ist seit einigen Monaten auf dem Markt, und es hat sich bereits zu einem Trend entwickelt. Es soll die Koordination und Feinmotorik trainieren und vor allem die Tiefenmuskulatur ansprechen. „Das Wasser bringt Dich ständig aus der Balance, und dein Körper muss reagieren. Es lässt Dir keine Pause.“ Was Miterfinder Karsten Witte damit sagen will: Die Wasser-Röhre ist erbarmungslos. Das Prinzip dahinter denkbar simpel.

Innovation Award auf der Fitness in Gold, Röhren werden in einer Behindertenwerkstatt gefertigt

Vor wenigen Wochen gab es dafür auf der Kölner Fitness-Messe Fibo den Innovation Award in Gold, davor in München auf der Ispo den Gold Award 2015/2016. Seither haben die Slashpipes hohe Wellen geschlagen. Die Nachfragen steigen. Fitnessstudios fragen an genauso wie Ergotherapeuten, Alten- und Behindertenheime. Auch das Ausland ist seit den Messeauftritten hellhörig geworden.

„Die Slashpipe macht was mit Dir“: Sie wirbelt gerade Kammlers und Wittes (40) Leben durcheinander und auch das ihrer Mitstreiter Michael Eckerl (44) und Frank Jablonowski (53). Die vier sind seit vielen Jahren befreundet, kennen sich zum Teil schon aus der Schul- oder Studienzeit. Alle sind Sportwissenschaftler und bis heute beruflich dem Sport verschrieben. Eckerl und Witte beispielsweise betreiben ein Beratungsunternehmen im Gesundheitsbereich, Kammerl arbeitet unter anderem als Fitnesstrainer. Anfangs war es vor allem eine romantisch anmutende Geschichte, wie Slashpipes entstand: Vier Freunde sitzen am Wochenende bei einem Bier zusammen, philosophieren über wassergefüllte Rohre, spinnen daraus eine Geschäftsidee und gründen schließlich eine Firma. Doch aus der Romantik ist mittlerweile richtig Arbeit geworden. Die Nebentätigkeit wird mehr und mehr zum Vollzeit-Job.

Apropos Arbeit: Die mit gefärbtem Wasser gefüllten Kunststoffröhren werden von Behinderten in den Franz-Sales-Werkstätten in Kupferdreh gefertigt. Eine dankbare Aufgabe für die Männer und Frauen dort. Rund 20 kleine Produktionsschritte braucht es, bis die Slashpipe gefüllt, verschlossen, mit Handschlaufen und Schrift versehen ist. „Die Arbeit ist nicht sonderlich komplex und somit perfekt für unsere Mitarbeiter“, sagt Sprecherin Valeska Ehlert.