Essener Diakonie sortiert jährlich 640 Tonnen Kleidung
26.01.2012 | 16:49 Uhr 2012-01-26T16:49:00+0100
Essen. In der Altkleider-Sortierstelle der Diakonie wird täglich mehr als eine Tonne gebrauchte Kleidung angeliefert und aufbereitet. Nicht immer ein leichter Job für die Langzeitarbeitslosen, die an der Mittwegstraße beschäftigt sind. Mitunter finden sich auch Spritzen, Gebisse und gar eine tote Katze zwischen den Kleidern.
Akribisch untersucht Lidia Feler das marineblaue Herren-T-Shirt von Adidas. Der Kragen ist sauber, der Stoff intakt. Etwas verwaschen zwar, aber immer noch tragbar. Feler nickt zufrieden und sortiert das Shirt zu den anderen „guten“ Kleidungsstücken.
Was ein bisschen an Aschenputtel erinnert - die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen - ist für Feler und die anderen Mitarbeiter an der Mittwegstraße Alltag. Mehr als eine Tonne Kleidung wird dort täglich bei der Altkleidersortierung der Arbeit und Beschäftigung in der Diakonie gGmbH (AiD) angeliefert. 200 Langzeitarbeitslose verdienen sich in Sortierung, Verkauf und Logistik bis zu 125 Euro im Monat dazu.
Selbst Aschenputtel würde aber wohl angesichts manchen Fundes naserümpfend Reißaus nehmen. Gebisse, Spritzen, Hausmüll und sogar eine tote Katze - die Mitarbeiter haben schon so manche Zeugnisse menschlicher Untiefen zwischen den Kleidungsstücken gefunden.
„Es kommt auch vor, dass in die Klamotten uriniert wurde“
Ziemlich versteckt in einem unscheinbaren Bürogebäude an der Hoffnungstraße führt Andreas Voget seit gut 13 Jahren einen Kampf: für mehr Transparenz und gegen kriminelle Machenschaften im Altkleidergeschäft. Voget ist Geschäftsführer des bundesweit agierenden Dachverbands FairWertung, dem mehr als 100 Organisationen - wie etwa die Essener Diakonie - angeschlossen sind. Um das Logo des Verbands führen zu dürfen, müssen gewisse Richtlinien eingehalten werden. Dazu gehört etwa, dass die Erträge aus den Sammlungen sozialen, diakonischen oder karitativen Aufgaben zugeführt werden. Ferner verpflichten sich die angeschlossenen Partner, ihre Ergebnisse offen zu legen und extern kontrollieren zu lassen. Denn es gibt viele schwarze Schafe auf dem umkämpften Markt, weiß Voget: „Vor allem in Afrika und Osteuropa herrscht ein regelrechter Nachfrageboom für Second-Hand-Ware. Daran wollen viele mitverdienen“, sagt Voget.
Seine Aufgabe ist es auch, vor undurchsichtigen Sammlern zu warnen. Wie zum Beleg holt er bunte Wäschekörbe hervor, allesamt verziert mit Kreuzen, Rollstühlen oder anderen Symbolen, die auf einen karitativen Zweck deuten sollen. Auch in Essen werden solche Wäschekörbe ungefragt immer wieder vor Haustüren gestellt. Das ist zum einen nicht rechtens, zum anderen ist der Zweck meistens alles andere als karitativ. „Wenn man dort anruft, geht selten jemand ans Telefon. Das sind mitunter Privatleute, die die Kleidung einfach weiterverkaufen“, sagt Voget.
Er betreibt auch Aufklärung und führt vor Augen, dass Altkleidung anerkannte Handelsware und kein Hilfsgut ist. „Die meisten Menschen würde ihre gebrauchte Kleidung am liebsten an einem armen Menschen in Afrika sehen. Das es auch dort eine Textilindustrie gibt, die unter einer Flut gebrauchter Kleidung aus Deutschland leiden könnte, bedenken die wenigsten“, sagt Voget.
„Es kommt auch vor, dass in die Klamotten uriniert wurde. Deswegen trage ich immer Handschuhe“, sagte eine Mitarbeiterin. Sie kennt aber auch das andere Extrem. „Vor Kurzem habe ich einen fast nagelneuen Mantel von Wellensteyn ausgepackt. Einige Leute werfen ihre Kleidung offenbar nach einmaligem Tragen weg. Mein verrücktestes Erlebnis allerdings war der Kleidersack einer Domina, die ihre Berufskleidung entsorgt hat“, sagt die Frau, die ihren Namen lieber nicht veröffentlicht sehen möchte.
Es ist eine schwierige Klientel, die Essens Kleiderberge auseinander pflückt. Einige von ihnen sind gezeichnet von häuslicher Gewalt, Drogen, Alkohol. „Ziel ist nicht primär die Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt. Viel eher wollen wir ihnen eine regelmäßige Beschäftigung bieten“, sagt Lana Amberge, stellvertretende Betriebsleiterin beim AiD.
Dabei finanziert sich die Arbeitsmaßnahme selbst. Gewinne werden zum einen durch den Verkauf in den Diakonieläden generiert. Kleidung, die nicht mehr nutzbar ist, geht an einen Textilverwerter in Stuttgart, der die Lumpen u.a. zu Putzlappen weiterverarbeitet. „In Kooperation mit dem Dachverband FairWertung werden die Einnahmen ausschließlich zur Finanzierung des Arbeitsprojekts und für Weiterbildungsmaßnahmen der Langzeitarbeitslosen genutzt“, erklärt Lana Amberge. Durch die Zertifizierung von FairWertung wird garantiert, dass die Erlöse vor Ort bleiben.
45 Container der AiD stehen in Essen, Altkleider können auch direkt an der Mittwegstraße abgegeben oder auf Anfrage von zu Hause abgeholt werden. Dabei ist das Aufkommen recht konstant, wie Diakonie-Referent Bernhard Munzel sagt. Rund 640 Tonnen kommen allein bei der Essener Diakonie im Jahr zusammen. An Frauenkleidung mangelt es dabei am wenigsten, Herren- und Kindertextilien werden hingegen immer gebraucht - denn der Bedarf wächst.
Die Nachfrage ist über die Bestelllisten der Diakonieläden direkt nachvollziehbar. Die meisten Kunden bedient die Filiale in Altendorf, bis zu 10.000 Menschen im Monat. Dabei sind nicht nur Hartz-IV-Empfänger auf die preisgünstige Second-Hand-Ware angewiesen. „Niedriglöhne treiben mittlerweile ganze Familien in die Läden“, weiß Lana Amberge.
02:32
nich nur uriniert wird in die Klamotten , sondern auch..............
14:22
Man kann und sollte die Menschen immer wieder darauf hinweisen, daß das Gros der aufgestellten Container der xxx-GmbH gehört. Die stehen i. d. R. direkt neben Glas- und/oder Papiercontainern. Und diese Firma macht dann einen 1a Reibach mit den Sachen. Über die Container der Diakonie kommt wenigstens noch etwas Gutes dabei rum. Also bitte nach einem Container der Diakonie oder sonstigen Hilfsorganisationen Ausschau halten!