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Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife

11.06.2012 | 11:50 Uhr
Polizeioberkommissarin Britta Beyger und Odrungsamtsmitarbeiter Stefan Klinger auf einer Patrouille.

Essen.  Die Pläne der Stadt, die Präsenzstreifen von Polizei und Ordnungsamt zurückzufahren, sorgen bei Essener Bürgern größtenteils für Unmut. Für Unbehagen sorgt die Aussicht, dass nachts an schlecht beleuchteten Zuwegen keine Polizisten mehr vor Ort sind, vor allem bei jungen Frauen.

Die Pläne der Stadt, die Präsenzstreifen von Polizei und Ordnungsamt deutlich herunterfahren zu wollen , stoßen bei Essener Bürgern auf Widerspruch . Die Reaktionen im Netz sowie eine Straßenumfrage der NRZ zeigen ein recht eindeutiges Stimmungsbild: Eine derartige Einschränkung des Auftretens von Amts wegen empfinden viele als Sparmaßnahme, die am falschen Ende ansetzt. Auch scheint die Neuerung beim Gros der Einwohner noch nicht angekommen zu sein – jahrelang gehörten die Beamten auch zu fortgeschrittener Stunde wie selbstverständlich zum Stadtbild.

Unbehagen nach dem Diskobesuch

Für Unbehagen sorgt die Aussicht, dass nachts an schlecht beleuchteten Zuwegen keine Polizisten mehr vor Ort sind, vor allem bei jungen Frauen. So geht es etwa Johanna Zajac aus Essen: „Gerade wir Mädels sind froh, wenn wir aus der Disko kommen und auf den Straßen jemand nach dem Rechten schaut“, so die 27-Jährige. „Ich fühle mich dann deutlich sicherer.“

Ähnlich äußert sich Nora Rütter. Zwar hat die 22-Jährige bislang kaum negative Erfahrungen mit Pöbeleleien oder gar Übergriffen auf Essens Straßen gemacht, doch führt sie das auch auf einen gewissen Abschreckungseffekt zurück, den die Anwesenheit von Beamten auf Unruhestifter habe: „Ich halte es für keine gute Idee, die Doppelstreifen einzuschränken. Mich persönlich beruhigt es, wenn ein Polizist in der Nähe ist.“

Der psychologische Effekt ständiger Präsenz wird als das stärkste Argument für den Erhalt der Doppelstreifen in ihrer bisherigen Form ins Feld geführt. „Stellen Sie sich mal vor, Sie fahren auf der Autobahn auf der linken Spur und werden von hinten mit der Lichthupe bedrängt. Raten Sie mal, was passiert, wenn hinter dem Drängler eine Streife fährt“, räsoniert der 31-jährige André Czichy und ist sich sicher: „Hier würde die Stadt definitiv am falschen Ende sparen.“

Hans-Dieter Müller (45) kommt aus Sankt Augustin bei Köln und ist häufig in Essen zu Besuch. Zwar könne er die Sparzwänge der Kommune im Detail schwer beurteilen, doch sei ihm die Sicherheitslage in Essen bislang vornehmlich positiv aufgefallen. „Wann immer ich hier bin, ist es auf den Straßen ruhig. Das ist nicht selbstverständlich. Deshalb sollte sich die Stadt ihre Entscheidung nicht zu einfach machen.“

Schlechte Erfahrungenin anderen Städten

Auch Petra Frischtatzky aus Köln kann ein Lied von gefühlt anarchischen Zuständen wegen mangelnder behördlicher Präsenz singen: „Wir wohnen direkt gegenüber des Skulpturenparks. Dort gibt es ständig Ärger mit Leuten, die Randale machen“, erzählt die 49-Jährige. „Die Essener sollten wissen, was sie an den Streifen haben.“

Peter Clarin ist weniger um seine eigene Sicherheit als vielmehr die seiner zwei Töchter besorgt. Allein in die Stadt schicken wolle er sie nicht mehr, wenn die Streifen sich nicht mehr regelmäßig blicken lassen. „Die Stadt hat gerade Kindern gegenüber eine gewisse Verantwortung – es sollte einfach jemand da sein, der sich kümmert“, sagt der 41-Jährige. Denn im Bedarfsfall waren die Streifen in der Vergangenheit für Kinder ein schneller und verlässlicher Ansprechpartner im Großstadtgetümmel – für viele Eltern ein triftiger Grund, am alten Konzept festzuhalten.

Die Reaktionen im Internet spiegeln einen ähnlichen Tenor. „Ich werde also die Innenstadt meiden und mein Geld dort ausgeben, wo ich mich sicherer fühle. Allen anderen rate ich zur Selbstbewaffnung oder Selbstverteidigungskursen“, schreibt etwa ein Nutzer sarkastisch auf derwesten.de.

Nur vereinzelt finden sich Stimmen, die den Verzicht auf die ständige Präsenz zumindest goutieren. So ruft ein anderer Nutzer etwa zu mehr Gemeinsinn und Eigenverantwortung der Bürger auf: „Es muss nicht immer die Polizei schauen, ob jemand Müll wegwirft oder falsch parkt. Vielmehr muss die Einsicht bei dem Bürger einkehren, dass dies zum Nachteil aller ist.“

Doch halten viele Essener solcherlei Empfehlungen eher für fromme Wünsche – nun muss die Politik über das Thema abstimmen.

Razzia am Berliner Platz

 

Kristin Dowe



Kommentare
12.06.2012
22:18
Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife
von HalloAusDemPott | #13

Doppelstrefe ja und gerne, aber ausschließlich nur von der Polizei mit all Ihren Kompetenzen, also mit mehr Personal.

Und dies an allen wichtigen Punkten der Stadt, dort wird Sie gebraucht.

Was wir nicht brauchen, sind gelangweilte, schlendernde Doppelstreifen an unwichtigen Punkten der Stadt.

Kippenwegschmeißer, Wildpinkler und Hundebesitzer zählen nicht unbedingt zum krimminellen Milieu..........manche Politiker schon !

12.06.2012
22:12
Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife
von HalloAusDemPott | #12

Ein längst überfälliger Schritt.

Die Erfindung der Essener Doppelstreife, war der Einfall eines machthungrigen Oberbürgermeister auf Stimmenfang.

Hinterher wurde dies als " mehr Sicherheit " auf Essener Strassen gefeiert, ein grotesker Witz.

Diese Doppelstreifen, mussten mit Polizeibeamten versehen werden, da diese sogenannten Mitarbeiter des Ordnungsamt, keinerlei vernünftige Ausbildung genossen und keinerlei Kompetenzen hatten.
Einfach gesagt, die Polizeibeamten passten auf, dass der/die Kollegen vom Ordnungsamt keinen Mist bauen.

Und dort wo diese Streifen nötig wären, sind keine zu sehen, z.B. an sozialen Brennpunkten, die alle bekannt sind.

Dafür wurden um so mehr, Kippenwegschmeißer, Wildpinkler und Hundebesitzer gejagt.

Hauptsache es gab eine Daseinsberechtigung.

Mir sagte einmal ein Polizeibeamter, dass diese sinnlose Doppelstreife, zahlreiche Polizeibeamte von Ihrer eigenen und wichtigeren Arbeit abhalten würde, nur um des Profilieren eines Politikers willen.

12.06.2012
15:30
Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife
von stoffel747 | #11

Interessante Kommentare. Mir fällt auf, die meisten beschweren sich über die Politik die betrieben wird. Mal so gesagt, rechts denken, links wählen und dann blöd gucken. Toll.
War aber auch immer schon so, jedenfalls ab den 70 igern Jahren. Mankönnte ja schon Bücher schreiben über Fehlspekulationen, Fehlentscheidungen der Stadt Essen (Verantwortliche). Alles auf Kosten der Bürger, Steuerzahlern und vor allem gegen das Wohl alle. Gildehofbad abgesoffen, Oase, Nöggerathbad gibt es auch nicht mehr, Schließungen in allen Bereichen, beim Hartz 4 Geld auch Mist gemacht, Kann man so eine Blödheit noch toppen?Ich glaube nicht. Ähm, wird die Kantine eigentlich noch subventioniert im Rathhaus, obwohl diese Gewinn macht?

12.06.2012
10:25
@8
von Kommentierer | #10

Die Polizei war noch nie wirklich begeistert von der Doppelstreife.

Dafür waren deren Kompetenzen nämlich zu sehr eingeschränkt.

Aber letztendlich geht es JETZT darum, dass die Stadt für FREIWILLIGE Leistungen (und eine solche ist der Streifendienst) bei gleichzeitiger Beibehaltung der Pflichtaufgaben auch keinerlei Kräfte "mehr übrig" hat, um dies zu gewährleisten.

12.06.2012
03:07
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #9

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

11.06.2012
20:03
Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife
von supergerd | #8

Die ganzen Schlaumeier, die hier Kommentare schreiben, sollten erstmal nachlesen, worum es überhaupt geht. Die Vorlage dazu kann jeder im Ratsinformationssystem der Stadt Essen nachlesen http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Qm4PcwCfuEUqAQm1Oi4Pg0KfsASvASi0Ok.Ke1CWsASv6Si1Ne.LcyCXsASvBOn6MiyHduEbsCSn6Xj6Nf-Mc1Dcs9TsASi0Ok.Ke1CWGJ/Vorlage_0709-2012-1B.pdf

Da stehen die Sachen, die die Presse berichtet, überhaupt nicht drin. Stattdessen fehlen die Stellen bei der Polizei und nicht bei der Stadt. Da soll sich die SPD mal an die eigene Nase fassen, denn sie ist ja für die fehlenden Polizisten auf Landesebene zuständig!

1 Antwort
Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife
von HalloAusDemPott | #8-1

Ja sicher, in Deutschland hatten wir schon mal diese ehrenamtlichen Streifengänger, nannte man Blockwarte in Phantasieunform und selbsternannte altgediente Parteigänger.
Toller Vorschlag.

Wichtiger wäre es, die privaten Möchtegern Sicherheitsdienste einzuschränken und mehr Polizeibeamte mit vernünftiger Bezahlung einzustellen.

11.06.2012
17:52
Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife
von drengler | #7

Allein die Stadtverwaltung Essen setzt über 1000 Stellen frei (!) und Deutschland benötigt dringend weiter "Fachkräfte aus dem Ausland"? Wie passt das denn zusammen? Kann mal jemand den offenkundigen Hirnriss kitten und eine - halbwegs sinnige - Erklärung abgeben?

Und - wie wäre es denn, wenn unter der Aufsicht von Ordnungsamt und Polizei ehrenamtlich Bürger mit auf Streife gehen würden und so - wie bei der Freiwiligen Feuerwehr in Essen - die hauptamtlichen Kräfte unterstützen würden? Und was ist mit privaten Sicherheitsdiensten wie Kötter in Essen? Können die solche Dienste nicht preiswerter und flexibler anbieten? Bei Brandsicherheitswachen geht das doch auch.

Es ist langsam an der Zeit mal die Denksperren und die Denkfäule zu beseitigen.

3 Antworten
Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife
von An77 | #7-1

...."Bei Brandsicherheitswachen geht das doch auch."....

Gottlob, daß dies nur ein Märchen ist. Brandsicherheitswachen werden derzeit ausschließlich von der Feuerwehr durchgeführt.

Und private könnten im ernstfall auch keine Hoheitsrechte wahrnehmen, deswegen eignen Sie sich auch nur bedingt als ersatz für Ordnungsamt/Polizei.

An77
von drengler | #7-2

Da sind Sie nicht ganz auf dem Laufenden: In Dortmund hat die Firma Kötter (Essen) seit 2 jahren die Brandsicherheitswachen in den Westfalenhallen übernommen. Geht - laut Gesetz.

Und - wenn ein zu hoheitlichen Eingriffen Berechtigter anwesend ist, können auch ehrenamtliche oder private Sicherheitsleute tätig werden, was bei Strattaten ohnehin möglich ist.

Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife
von HalloAusDemPott | #7-3

Ja sicher, in Deutschland hatten wir schon mal diese ehrenamtlichen Streifengänger, nannte man Blockwarte in Phantasieunform und selbsternannte altgediente Parteigänger.
Toller Vorschlag.

Wichtiger wäre es, die privaten Möchtegern Sicherheitsdienste einzuschränken und mehr Polizeibeamte mit vernünftiger Bezahlung einzustellen.

11.06.2012
14:42
Tschuldigung:
von Kommentierer | #6

Meinte natürlich: Über 1000 Stellen !!!!

11.06.2012
14:41
Essener Bürger besorgt über Reduzierung der Doppelstreife
von Blockschokolade | #5

Da kann man mal wieder sehen wieviel Ahnung die Leute haben, aber Hauptsache seine Meinung kund tun müssen:

"Für Unbehagen sorgt die Aussicht, dass nachts an schlecht beleuchteten Zuwegen keine Polizisten mehr vor Ort sind, vor allem bei jungen Frauen. So geht es etwa Johanna Zajac aus Essen: „Gerade wir Mädels sind froh, wenn wir aus der Disko kommen und auf den Straßen jemand nach dem Rechten schaut"

Ja, schön, nur leider hat diese Doppelstreife, wenn die Damen aus der Disco torkeln, überhaupt keinen Dienst ! Einfach mal googlen hilft da ungemein weiter:

"Die Einsätze decken im Zwei-Schicht-Betrieb montags bis freitags in der Zeit von 07.30 Uhr bis 22.00 Uhr und samstags von 10.00 Uhr bis 17.30 Uhr eine allgemeine Dienstzeit ab"

Hauptsache meckern ! Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal...

11.06.2012
14:41
Jetzt kann der Bürger endlich
von Kommentierer | #4

die Ergebnisse der aktuellen Politik sehen.

ÜBER 100 Stellen müssen in der Verwaltung gestrichen werden.

Dazu gehören eben Büchereien, Ordnungsamt, Bürgerämter und Co.

Und: es wird noch schlimmer werden.

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