Essener Allbau-Chef soll GVE-Pleite verhindern helfen

Bleibt vorerst im Amt, bekommt aber einen Co-Chef an die Seite und ein Prüfverfahren wegen möglicher Pflichtverletzung an den Hals: GVE-Chef Andreas Hillebrand.
Bleibt vorerst im Amt, bekommt aber einen Co-Chef an die Seite und ein Prüfverfahren wegen möglicher Pflichtverletzung an den Hals: GVE-Chef Andreas Hillebrand.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Dirk Miklikowski wird Co-Geschäftsführer bei der städtischen Grundstücksverwaltung. Wirtschaftsprüfer drängt zur Eile. Stadt prüft Pflichtverletzung Hillebrands. Grüne sehen in ihm nur „Bauernopfer“.

Essen.. Dieses Sitzungsgeld haben sie sich redlich verdient: Nicht weniger als fünfeinhalb Stunden brüteten die Mitglieder des Aufsichtsrates bei der städtischen Grundstücksverwaltung GVE am Mittwoch über der Frage, wie man der finanziellen Schieflage des Unternehmens begegnen soll – und dem Umstand, dass Geschäftsführer Andreas Hillebrand akute Finanznöte beim Stadion mit einem beherzten Griff in die Instandhaltungsrücklagen fürs Museum Folkwang begegnet war.

Das Ergebnis: Das Aufsichtsgremium empfiehlt dem Rat, dem in Ungnade gefallenen GVE-Chef unverzüglich einen neuen Geschäftsführer an die Seite zu stellen. Der soll das Unternehmen in kaufmännischer und betriebswirtschaftlicher Hinsicht stärken. Richten wird es Dirk Miklikowski, Chef des städtischen Immobilien-Unternehmens Allbau, der Verkehrs- und Versorgungs-Holding EVV sowie übergangsweise auch auf dem Geschäftsführer-Posten der skandalumwitterten Entsorgungsbetriebe.

Personelle Konsequenzen nicht ausgeschlossen

Wenn man die Warnungen der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young ernst nimmt, gilt es für Miklikowski keine Zeit zu verlieren: Die Zahlungsschwierigkeiten der GVE seien so drängend, hieß es gestern aus dem Aufsichtsrat, dass binnen zwei Wochen, genauer: bis zum 12. März eine Lösung her muss. Ansonsten setze man sich womöglich dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung aus.

Stadion Essen Die im Aufsichtsrat der GVE versammelten Politiker vernahmen die Nachricht mit einiger Fassungslosigkeit. Dazu zählt auch die Erkenntnis, dass 5,6 Millionen Euro aus der Sanierungs-Rücklage fürs Folkwang futsch sind. Während die Stadt die Krupp-Stiftung augenscheinlich besänftigen konnte – ein Sprecher erklärte am Mittwoch gegenüber der NRZ, dass man den Vorfall jedenfalls nicht kommentieren wolle – sind personelle Konsequenzen für GVE-Chef Hillebrand nicht ausgeschlossen: Der 59-Jährige, dessen Geschäftsführer-Vertrag Ende des Jahres ausläuft, bleibt zwar bis auf weiteres im Amt, muss sein Geschäftsgebaren allerdings einer Prüfung von Seiten der Stadt unterziehen, ob ihm Pflichtverletzungen unterlaufen sind.

OB Paß setzt auf Vorwärtsverteidigung

Dabei warnten die Grünen gestern davor, angesichts der „Unregelmäßigkeiten“ bei der GVE Geschäftsführer Hillebrand „als angeblich allein Verantwortlichen zum Bauernopfer zu machen“. Es müsse, so Fraktionschefin Hiltrud Schmutzler-Jäger „ebenso geklärt werden, ob Oberbürgermeister Reinhard Paß und Kämmerer Lars Martin Klieve Kenntnis darüber hatten, dass es eine zweckentfremdete Verwendung der Instandhaltungsrücklage für das Folkwang Museum gegeben hat, um die Mehrkosten beim Stadion-Bau zu finanzieren“. Immerhin habe der OB in Axel Baum einen Referenten als Mitarbeiter in seinem Büro, der zu Zeiten des Stadionneubaus als Chefjurist der GVE gearbeitet hat „und somit Kenntnisse von allen Geschäftsvorgängen der GVE gehabt haben müsste“.

Der OB wiederum trat noch am Mittwochabend die Vorwärtsverteidigung an: „Die Schieflage bei der GVE ist in der Tat Besorgnis erregend“, räumte er ein, und die Bestellung Miklikowskis zum Co-Chef fraglos „ein Schritt in die richtige Richtung auf dem Weg zur ohnehin angestrebten Immobilienholding“. Dennoch rate er dem Aufsichtsrat, „noch einmal genau und auch selbstkritisch zu prüfen, wie es zu dieser wirtschaftlichen Überforderung der Gesellschaft kommen konnte und ob noch weitere Konsequenzen zu ziehen sind“. Die Schieflage bei der GVE ist in der Tat Besorgnis erregend. (...) Ich rate dem Aufsichtsrat, noch einmal genau und auch selbstkritisch zu prüfen, wie es zu dieser wirtschaftlichen Überforderung der Gesellschaft kommen konnte und ob noch weitere Konsequenzen zu ziehen sind.