Essener (61) transportierte Drogen für libanesischen Clan

Der 61-jährige Lutz-Peter B., hier im Gespräch mit Verteidiger Gerd Göckler (r.), muss sich vor dem Dortmunder Landgericht verantworten, weil der Essener Drogen transportierte.
Der 61-jährige Lutz-Peter B., hier im Gespräch mit Verteidiger Gerd Göckler (r.), muss sich vor dem Dortmunder Landgericht verantworten, weil der Essener Drogen transportierte.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
„Opa“ nannten sie ihn oder „Bruder“. Ein 61-jähriger Essener steht vor Gericht, weil er Heroin für einen libanesischen Clan transportiert haben soll.

Essen.. Berührungsangst kannte er nicht. Ohne Probleme übernahm ein 61 Jahre alter Deutscher aus Essen Kurierdienste für eine mutmaßliche Bande libanesischer Drogendealer aus Dortmund. Seit Dienstag muss er sich wegen Beihilfe zum Rauschgifthandel und Einfuhr von Drogen vor dem Landgericht Dortmund verantworten.

Rotterdam, Essen, Dortmund und Berlin waren die festen Punkte auf seiner Kurierroute. Laut Anklage transportierte er auf drei Fahrten im vergangenen Jahr insgesamt sieben Kilogramm Heroin für die Organisation. Nachdem er auf der A 2 auf dem Weg nach Berlin am 29. Oktober von Beamten des Hauptzollamtes Bielefeld festgenommen wurde, entschloss Rentner Lutz-Peter B. sich zum Geständnis. Dabei enttarnte der 61-Jährige die Organisation der Männer, die ihn nach eigenen Worten respektvoll behandelt und mit „Bruder“ angesprochen hatten, wenn sie ihn nicht gerade „Opa“ nannten. „Die Anklage basiert ja zum Großteil auf Ihren Angaben“, sagt Richter Dieter Frieling.

Familienclan mit starker Spitze

Die libanesische Familie B. ist fest verwurzelt in Berlin und Dortmund. In der Ruhrgebietsstadt ist sie laut dem Angeklagten in der Dortmunder Nordstadt mit Drogenverkäufen aktiv. Sie teilt sich dort das Gebiet rund um die Mallinckrodt­straße mit anderen Gangs auf. Die Familie B. soll aber die Größte gewesen sein, sagt der Angeklagte, wohl auch wegen der festen Hierarchie mit drei Brüdern an der Spitze: „Die sind keine Gartenzwerge, die haben auch einen auf die Nase gegeben. Da stellt sich keiner ein zweites Mal in ihrem Gebiet auf.“ Das mag mit ein Grund sein, dass Justiz und Polizei auch Lutz-Peter B. als gefährdet einstufen. Er kam ins Zeugenschutzprogramm, wird auch im Gerichtssaal von mehreren Polizisten bewacht.

Kennengelernt hatte der gelernte Koch den Libanesen Hassan B. als Mitgefangenen im Bochumer Gefängnis. 2014 frischten sie ihre Bekanntschaft auf, als die Freundin von Lutz-Peter B., mit der er in Essen-Stoppenberg zusammenlebte, in der Dortmunder Nordstadt als Prostituierte arbeitete. „Für ihren Konsum brauchte sie viel Geld“, sagt der Angeklagte. Deshalb hätte er den Libanesen nach einem Job gefragt. „Kein Problem“, hätte Hassan B. geantwortet und ihn als Fahrer eingestellt. 500 Euro plus Spritgeld habe er für jedes transportierte Kilogramm Heroin bekommen sollen.