Essen zeigt Solidarität mit Tibet, „hängt“ sie aber tiefer

OB Thomas Kufen (r.) und Vertreter der Tibet-Initiative.
OB Thomas Kufen (r.) und Vertreter der Tibet-Initiative.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Essen zeigte in diesem Jahr wieder Flagge, diesmal aber nur im Rathaus und nicht davor. Die Tibet-Flagge hing herab im Foyer von der Balustrade des Ratstraktes.

Essen.. Die Tibet-Flagge ist zurück. Gestern wehte sie wieder am Rathaus. Das heißt: Sie wehte nicht, sondern sie hing herab im Foyer von der Balustrade des Ratstraktes, wo Oberbürgermeister Thomas Kufen das Tuch mit Vertretern der Tibet-Initiative befestigte, auf dass es an die Niederschlagung des Aufstandes der Tibeter durch die chinesische Besatzungsmacht im Jahr 1959 erinnert. Kufen wollte das Thema damit buchstäblich tiefer „nach der aufgeheizten Debatte“ im vergangenen Jahr, was dem ihm zweifellos gelungen ist. Notiz von der Solidaritätsaktion konnten nur Besucher und Mitarbeiter der Verwaltung nehmen.

Im März vergangenen Jahres hatte Kufen noch erklärt, er sei dafür, dass die Flagge vor dem Rathaus gehisst wird. Aber da war er noch nicht Oberbürgermeister und das Stück Tuch auch auf lokaler Ebene ein Politikum.

Flagge war als einmaliges Zeichen gedacht

Zur Erinnerung: Am 10. März 2015, dem Jahrestag des Aufstandes der Tibeter, war die Flagge nicht gehisst – erstmals seit 1999. Der Entscheidung war eine freundliche Bitte des chinesischen Generalkonsuls vorausgegangen. Kufens Vorgänger im Amt, OB Reinhard Paß, kam der Bitte nach, wohl auch auf Rücksicht auf die Beziehungen zum Reich der Mitte. Stand die Städtepartnerschaft mit der chinesischen Industriestadt Changzhou vor der Unterzeichnung. Mittlerweile ist die Tinte längst trocken.

Der Verwaltung war seinerzeit bei ihren Recherchen aufgefallen, dass das Hissen der Flagge auf einen Beschluss des Hauptausschusses zurückgeht, gedacht als einmaliges Zeichen der Solidarität. Paß regte an alternativ des Tages der Menschenrechte zu gedenken. Davon ist keine Rede mehr.

Im Mai reist Kufen übrigens an der Spitze einer Essener Delegation nach China. Wenn’s seine Gesprächspartner beruhigt: An den Fahnenmast vor dem Rathaus, betont der OB, komme nur noch die Essen-Fahne.