Essen wird mit Ideenpark zur Hauptstadt der Technik

Die Natur als Vorbild: Sensible Roboter-Greifarme der Festo AG, die dem Rüssel eines Elefanten nachgeahmt sind.
Die Natur als Vorbild: Sensible Roboter-Greifarme der Festo AG, die dem Rüssel eines Elefanten nachgeahmt sind.
Foto: Festo AG & Co. KG
Was wir bereits wissen
13 Tage lang wird Essen mit dem Ideenpark in der Messe die Hauptstadt der Wissenschaftswelt sein. Mehr als 2000 Akteure wollen ab dem 11. August mehrere hunderttausend Besucher für die Naturwissenschaften begeistern. Das Ziel: ein großes, spielerisches Technikfestival mit kostenfreiem Eintritt.

Essen.. Es gab Zeiten, da war Technik zunächst mal etwas Positives. Ein Fortschrittsversprechen, das das Leben schöner, bequemer, interessanter machte - und nicht zuletzt verlängerte. Lange her. Heute ist Technik ein Wort, das eher Skepsis und Ablehnung weckt und zumindest in Deutschland heftige Risikodiskussionen provoziert. „Wir sind davon überzeugt, dass sich das wieder ändern sollte“, sagt Barbara Scholten. Die 51-jährige Marketing-Expertin in Diensten von ThyssenKrupp ist Projektleiterin für den Ideenpark, der die Messe Essen ab 11. August in ein großes, spielerisches Technikfestival verwandeln wird.

13 Tage lang wird Essen die Hauptstadt der Wissenschaftswelt sein. Mehr als 2000 Akteure täglich hoffen, dabei mehrere hunderttausend Besucher zu begeistern. Ein Labor der Superlative, ein Versuch, Technik wieder zu dem zu machen, was sie war und für manchen zum Glück auch immer noch ist: ein Faszinosum.

„Die Begegnung von Mensch zu Mensch steht im Mittelpunkt“

ThyssenKrupp hat Erfahrung mit diesem Format und den Ideenpark schon einige Male mit großem Erfolg veranstaltet, zuletzt in Stuttgart. Der Anspruch ist ebenso einfach wie hoch: „Die Begegnung von Mensch zu Mensch steht im Mittelpunkt“, sagt Barbara Scholten. Wer auf Veranstalterseite mit erhobenem Zeigefinger und in unverständlichem Kauderwelsch fachsimpeln wollte, wäre fehl am Platz. Es gibt auch keine Messe-Hostessen, sondern die Wissenschaftler selbst sind dialogbereit mit jedem, der mag.

Ins Gespräch kommen sollen schließlich Leute, deren Lebenswelten himmelweit auseinander zu liegen scheinen, die aber eigentlich mehr miteinander zu tun haben als sie glauben: Der eine nutzt Technik ohne noch groß darüber nachzudenken, der andere produziert sie. „Mangelnde Akzeptanz“, sagt Scholten, „ist häufig ein Problem fehlender Kommunikation.“ Die Welt ist so kompliziert geworden, dass viele sich in Misstrauen flüchten, wo es einfach nur an Wissen fehlt. Zielgruppe des Ideenparks sind vor allem Familien und natürlich Kinder - die Techniker und Technik-Nutzer von morgen.

Barbara Scholten ist selbst in einem technik-orientierten Elternhaus aufgewachsen, in dem auch sie als Mädchen bewusst und ganz selbstverständlich mit Technik in Kontakt kam. „Ich empfinde das heute als großen Glücksfall“, sagt sie. Obwohl die gebürtige Oberhausenerin dann selbst zwar keine Technikerin wurde, sondern Fachfrau für Marketing und Werbung, kam ihr die frühe familiäre Prägung in einem Technologie-Konzern wie ThyssenKrupp doch sehr zugute. „Die Selbstverständlichkeit fehlt, schon in der Familie Technik als etwas grundsätzlich Positives wahrzunehmen“, hat Barbara Scholten beobachtet. Was in der Familie beginnt, setze sich fort in der Schule und werde schließlich zum Problem der gesamten Gesellschaft: „Technik kommt einfach ein bisschen zu kurz.“ Zumal gemessen daran, dass eine Industrie- und Exportnation wie Deutschland existenziell von ihrem Technik-Vorsprung lebe. Die Tatsache, dass Deutschland vergleichsweise gut durch die Finanzkrise kam, hat das noch einmal eindrucksvoll bewiesen.

Technik und Natur sind beim Ideenpark keine Gegensätze

Wichtig ist Barbara Scholten, dass Technik und Natur keine Gegensätze sein müssen. Ganz im Gegenteil sei Technik oft dann am erfolgreichsten, wenn sie von der Natur lerne, und genau dies ist auch einer der Schwerpunkte des Ideenparks. Befragt nach ihren Lieblingsprojekten, nennt die Leiterin folgerichtig die Entwicklung eines geschmeidigen und intelligenten Industrieroboter-Greifwerkzeugs, das einem Elefantenrüssel nachempfunden ist. Ein anderes für Scholten faszinierendes „Joint Venture“ aus Natur und Technik sind die Herzklappenprothesen aus körpereigenem Gewebe, die sich dem Patienten anpassen und dauerhaft haltbar sind. Die Nachteile künstlicher Herzklappen - oder auch solcher von Schweinen - gehören der Vergangenheit an, sobald diese Technik serienreif ist.

So verfolgt ThyssenKrupp einen durchaus ernsten, auch gesellschaftspolitisch weitreichenden Ansatz mit dem Ideenpark, ohne dass dabei der Spaß zu kurz kommen soll. Es wird viel zum Anfassen und zum Ausprobieren geben, man kann im „Körperkino“ einen Spaziergang durch einen Menschen machen, und die zwischen die Stände gestreuten Oasen werden das Thema "Urban Gardening" vorstellen, auch dies ein Lieblingsprojekt von Barbara Scholten. Es geht darum zu zeigen, wie mit wenig Aufwand in Städten grüne Oasen entstehen können.

Prominente Unterstützung beim Ideenpark von Günther Jauch

Dass es nicht allzu trocken zugeht, dafür bürgt auch prominente Unterstützung, etwa durch TV-Moderator Günther Jauch. „Ihm liegt das Thema Technik persönlich sehr am Herzen“, weiß Barbara Scholten.

Die Liste derjenigen, die mitmachen, ist lang. Weder technik-orientierte Unternehmen noch Universitäten von Rang können es sich leisten, beim Ideenpark zu fehlen. Aus Essen sind dabei: Hochtief, die Emschergenossenschaft, der Tüv-Nord und natürlich ThyssenKrupp. An Wissenschaftsinstitutionen zeigen die Universität, das Haus der Technik, das ZDI-Zentrum Mint-Netzwerk Essen, die Wirtschaftsvereinigung Metropole Ruhr und der Initiativkreis Ruhr Präsenz. Die Stadt Essen wird beim Ideenpark erste Ergebnisse der Zukunftsstrategie 2030 vorstellen.

ThyssenKrupp, das ist kein Geheimnis, kämpft im Moment mit den milliardenteuren Fehlern, die bei Stahlwerksbauten in Brasilien und den USA begangen wurden. Auf Qualität und Quantität des Ideenparks habe das aber keinen Einfluss, betont Barbara Scholten. Im Gegenteil: „Für uns ist die Investition in den Ideenpark eine Investition in die Zukunft – der Gesellschaft und unseres Unternehmens.“