Essen will Rathaus-Mitarbeiter mit Krediten locken
25.10.2011 | 20:48 Uhr 2011-10-25T20:48:00+0200
Essen.Beinahe jeder dritte Mitarbeiter der Stadtverwaltung wohnt gar nicht in Essen. Jetzt will die CDU Rathaus-Beschäftigte mit günstigen Darlehen, womöglich zu Kommunalkredit-Konditionen, beim Kauf von Wohneigentum in Essen unterstützen.
Eigentlich ist dies „ihre“ Stadt: Hier planen sie und bauen, sehen nach den sozial Schwachen oder kümmern sich ums Grün, sie führen Buch, betreuen den Nachwuchs, löschen, wo’s brennt, und basteln an den Stadtteilkonzepten von morgen. Nach Feierabend aber lassen viele vermeintliche Berufs-Essener die Welt zwischen Karnap und Kettwig weit hinter sich, denn sie sind Einpendler aus dem Revier – wie zigtausende andere Berufstätige auch.
Grund genug für die hiesigen Christdemokraten, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wie man die allmorgendlich „einwandernden“ Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu echten Essenern machen könnte. Denn wie, so gibt Fraktionschef Thomas Kufen zu bedenken, soll man anderswo glaubwürdig für einen Umzug nach Essen, für die „wachsende Stadt“ werben, wenn ausgerechnet der Arbeitgeber Stadt nicht als gutes Vorbild taugt?
Die Statistik, die Stefan Kramb vom Amt für Zentralen Service im Rathaus parat hält, dürfte manchen erstaunen: Von 8898 städtischen Mitarbeitern wohnen – Stand gestern – 2556 nicht in der Stadt, das ist nahezu jeder Dritte. Und im Grunde erstmal nichts, was man den Betreffenden vorzuwerfen hätte, schon gar nicht in einer Gesellschaft, die den Arbeitnehmern mehr denn je Mobilität einbläut.
Alles schon mal dagewesen
Die CDU denkt auch nicht daran, eine so genannte „Residenzpflicht“ einzuführen, aber schön wär’s doch, so Kufen, könnte man mehr städtische Beschäftigte und vor allem die Führungskräfte zum Umzug nach Essen bewegen. Auf einer Diskussionsveranstaltung der Geno-Bank machte der CDU-
Eine „wachsende Stadt“ Essen ist das Ziel, eine schrumpfende Stadt die bittere Realität: Nach den jüngsten Zahlen des städtischen Amtes für Statistik und Wahlen zählte Essen am 30. September nur noch 569.990 Einwohner mit einem Hauptwohnsitz in Essen. Hinzu kommen noch einmal rund 4400 Menschen mit Nebenwohnsitz. Letztere Zahl sank vor allem durch die vor elf Jahren eingeführte Zweitwohnungssteuer, die mit einem an der Miete orientierten Steuerbetrag dazu anhält, sich formell in Essen anzumelden.
Frontmann deshalb am Montag einen Vorschlag, der im November im Rat eingebracht werden soll: Warum nicht mit günstigen Darlehen für Rathaus-Beschäftigte, womöglich zu Kommunalkredit-Konditionen, den Kauf von Wohneigentum in Essen unterstützen?
Ältere Semester werden sich erinnern, dass es solche Kredite schon mal gab, und ein Blick in die städtische Bilanz notiert unter „Ausleihungen“ noch einen ständig schrumpfenden Altbestand von zuletzt 308.000 Euro. Dirk Achatz, 1. stellvertretender Vorsitzender des städtischen Personalrats muss tief graben: Ja, da war mal was, bis Anfang der 1990-er: 25.000 D-Mark, umgerechnet rund 12.800 Euro also, habe es damals als Arbeitgeber-Darlehen gegeben, bis die Sache eingestellt wurde.
„Ich wüsste nicht, wie man das der Regierungspräsidentin verkaufen sollte"
Die alte Regelung wieder hervorzukramen, stößt bei ihm zunächst durchaus auf Sympathie, „ein interessanter Aspekt“, doch mal abgesehen vom Essener Preisniveau folgt ein anderes Aber auf dem Fuße: „Ich wüsste nicht, wie man das der Regierungspräsidentin verkaufen sollte.“ Umzugsbeihilfen jedenfalls waren noch vor ein paar Jahren für Kommunen mit Nothaushaltsrecht verboten, das hat etwa Beate Behnke-Hahne selbst erfahren.
Doch die Leiterin der Finanzbuchhaltung weiß auch zu gut, dass ein Umzug nach Essen bares Geld in die Kasse spült: Bei den so genannten Schlüsselzuweisungen zählt jeder Einwohner und macht sich mit gut 818 Euro an Mehreinnahmen sofort in der Stadtkasse bemerkbar. Rund 1200 Bürger zusätzlich – und die Kasse füllt sich siebenstellig.
Ob die Kommunalaufsicht zinsgünstig weitergereichte Kredite akzeptieren würde – darüber mag Behnke-Hahne nicht spekulieren. Immerhin, das Ausfallrisiko wäre, so sagen Kenner der Materie, minimal, die Verwaltungskosten ebenfalls, einen Bonus draufzahlen würde die Stadt eh nicht. Aber ob der Vorschlag einer detaillierten Prüfung standhält, muss offen bleiben. Vorerst bleibt es bei einer anderen Kredithilfe: Maximal 5000 Euro steuert die Stadt bei – zum Kauf auch dienstlich genutzter Pkws. Damit geht’s dann abends komfortabler heim. Raus aus Essen.
19:36
@34 engelstrompete
Der Steuerzahler finanziert gar nichts. Erst lesen dann schreiben.
18:56
Na klar , und alles finanziert der blöde Steuerzahler.
Sind Sie eigentlich noch ganz dicht Herr Kufen ?
18:34
@32 von Steine_sind_Steine
Ich bin nun mal ein großer Satire-Fan. :-)
18:21
@31 dummmberger
Schön, dass Sie mal einen Kommentar von mir gut finden.
18:06
@30 von Steine_sind_Steine
Den finanziellen Nachteil hätten dann wohl die Banken, die weniger Zinsen einnehmen
Der war gut!
17:53
@29 dummmberger
Den finanziellen Nachteil hätten dann wohl die Banken, die weniger Zinsen einnehmen (bzw. niemand, wenn derjenige ansonsten nicht nach Essen gezogen wäre). Und das müsste doch eigentlich im Sinne von Dunkelrot-Rot-Grün sein.
Davon abgesehen kann die Stadt nur gewinnen: zufriedene Mitarbeiter dank niedriger Darlehenszinsen Mehreinnahmen für Grundsteuer etc.
Von wem der Vorschlag kommt, spielt hier keine Rolle.
17:38
@26 von Steine_sind_Steine
Wenn die Angestellten durch diese Kredite einen finanziellen Vorteil haben, muss irgendjemand einen finanziellen Nachteil haben.
Das ist eigentlich nicht so schwer zu verstehen.
Ist ja auch komisch, dass man Schwierigkeiten mit der Kommunalaufsicht fürchtet, wenn das ganze die Kassen nicht belastet.
Wenn der Vorschlag von Rot-Grün käme, würden Sie das vermutlich auch so sehen. :-)
16:37
In Duisburg wohnt ja noch nicht einmal der Oberbürgermeister in der Stadt, aber er ist immerhin dort gemeldet, so dass er als Einwohner zählt.
Die städtischen Mitarbeiter müssen sich doch einfach nur ummelden, dafür brauchen die dann auch keinen Kredit.
16:35
man meint wir hätten sommerloch. gibts sonst keine probleme?
16:03
@20 dummberger
Es sollen zinsgünstige Kredite weitergereicht werden. Davon das die Leute das Geld geschenkt bekommen, steht in dem Artikel nix.
Manche Leute geben Antworten ...