Essen will den Titel „Grüne Hauptstadt 2017“ gewinnen

Essen kann mit viel Grün im Stadtbild glänzen. Hier ein Blick über Heisingen in das Zentrum mit der Halde Haniel im Hintergrund.
Essen kann mit viel Grün im Stadtbild glänzen. Hier ein Blick über Heisingen in das Zentrum mit der Halde Haniel im Hintergrund.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Stadt Essen steht im Finale um den Titel „Grüne Hauptstadt“. Wie die Revierstadt den Titel holen will und gegen welche Gegner sie antritt.

Essen.. Das Finale rückt näher, das Kribbeln nimmt zu: Am 18. Juni wird in Bristol in England der Titel „Grüne Hauptstadt 2017“ vergeben. Und Essen will nach der Kulturhauptstadt 2010 die nächste europäische Auszeichnung in die Stadt holen.

Die Konkurrenz ist gut, aber keineswegs unschlagbar: ‘s-Hertogenbosch (Niederlande) ist Neuling in der Runde, Umeå (Schweden) und Nijmegen (Niederlande) standen schon letztes Jahr mit Essen im Finale. Städte, die erneut antreten, haben aus Erfahrung bessere Sieg-Chancen. Alle drei Essener Konkurrenten sind bei der Vorab-Bewertung der Technischen Jury aus der Europäischen Union hinter der Reviermetropole gelandet.

„Beim zweiten Mal wollen wir gewinnen. Wir werden richtig was aufbieten“, kündigt Umweltdezernentin Simone Raskob, „Mutter der Bewerbung“, an. Die Jury weiß um die Strahlkraft deutscher Sieger, die dem noch wenig geläufigen Titel „Grüne Hauptstadt“ zu mehr Bekanntheit verhelfen könnten. Der Titel bringt Aufmerksamkeit, Touristen und über Projekte auch EU-Gelder. Neun Millionen Euro betrug der Etat beim bislang einzigen deutschen Sieger Hamburg (2011).

Essen will im Finale mit Ela und mit Wasser punkten

Die Stadt Essen setzt bei ihrer Bewerbung besonders auf zwei Schwerpunkte: Das Unwetter Ela, das sich gerade zum ersten Mal gejährt hat. „Wir können und wollen mit Ela zeigen, wie man in einer Großstadt mit den Folgen der Klimaänderung umgeht. Das betrifft viele andere Städte auch“, begründet Simone Raskob das Vorgehen.

Der zweite Schwerpunkt bei den zwölf Umwelt-Themenfeldern: Das Wasser und der Emscherumbau samt Renaturierung. „Da arbeiten wir auch vorbildlich, da können wir Erfahrungen bei diversen Projekten präsentieren“, sagt Raskob. Ihre Essener Delegation wird nichts dem Zufall überlassen: Schon seit Monaten gibt es regelmäßig Englisch-Nachhilfe, damit das Konzept professionell präsentiert werden kann.

Das sind Essens Gegner im Rennen um den Titel „Grüne Hauptstadt“:

Umeå wirbt mit Leidenschaft und Innovation

Die Schweden stehen zum zweiten Mal im Finale und landeten in der Vorauswahl der Jury auf Platz 3. Wir sprachen mit Sara Stenberg vom Bewerbungskomitee.

Was muss man über Umeå wissen, was zeichnet die Stadt aus?

Umeå in Nordschweden hat seine Einwohnerzahl in den letzten 50 Jahren auf 120 000 Einwohner verdoppelt und gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten in Europa. Bis 2050 rechnet die Stadt mit 200 000 Einwohnern und setzt auf wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltiges Wachstum. In Umeå gibt es viele Plätze für Kultur und Unterhaltung, viel Natur und die malerischen Ume, die geduldig durch die Stadt fließt. Erwähnenswert sind auch die zwei Universitäten mit 37 000 Studenten. Umeå war 2014 Europäische Kulturhauptstadt und lebte dabei das Bewerbungs-Motto „Neugier und Leidenschaft“ vor.

Ein interessantes Detail zu Umeå?

Umeå ist die Stadt der Birken, allein 3000 gibt es in der Stadt.

Was wissen Sie über Essen?

Wir wissen, dass Essen Kulturhauptstadt 2010 war. 2014 waren wir mit einer Delegation in Essen. Und natürlich wissen wir, dass Essen ein starker Bewerber im Finale um den Titel „Grüne Hauptstadt 2017“ ist.

Warum wird Umeå Grüne Hauptstadt?

Umeå ist eine progressive, leidenschaftliche und innovative Stadt. Eine Studie in 80 Städten hat ermittelt, dass unsere Einwohner das höchste Bewusstsein für Umweltschutz haben. Umeå hat viel in grüne Infrastruktur investiert, von einem modernen Heizsystem über Elektrobusse, neue Parks und eine Wander- und Radbrücke über den Fluss Ume. Damit hat sich die Stadt gezielt ein weiteres kleines grünes Reservat geschaffen.

Nijmegen setzt schon lange auf Umweltschutz

Der Hauptkonkurrent von Essen kommt aus den Niederlanden: Nijmegen war 2014 auch schon im Finale und landete bei der Vorab-Bewertung auf Platz 2. Wir sprachen mit Ton Verhoeven vom Bewerbungskomitee.

Was muss man über Nijmegen wissen, was zeichnet die Stadt aus?

Die älteste Stadt in den Niederlanden hat eine große Historie, ist aber auch jung: Beim Blick auf die Bevölkerungskurve schlägt Nijmegen in der Kategorie 21 bis 40 Jahre besonders aus. Die Stadt hat fast 170. 000 Einwohner. Sie wurde an der Grenze des Römischen Reiches gegründet und ist auch heute auch Grenzstadt. Kleve ist um die Ecke. Für holländische Verhältnisse gibt es viele Berge, also Hügel. Das Stadtbild wird von Parks und Boulevards mit Bäumen geprägt. Außerdem kennt man den Rheinarm Waal. Nijmegen ist eine Wirtschaftsstadt mit Industriegeschichte und dem größten Inlands-Hafen der Niederlande.

Ein interessantes Details zu Nijmegen?

In Nijmegen leben mehr Frauen als Männer. Die Stadt hat im Schnitt die meisten Cafés in den Niederlanden.

Was wissen Sie über Essen?

Viele Bürger von Nijmegen, wie die meisten Holländer, denken bei Essen an Verkehr, Luftverschmutzung und Krach. Nijmegen und Essen, genauer gesagt die Emschergenossenschaft, arbeiten schon seit Jahren zusammen. Deshalb kennen wir die Stadt. Wir haben mit Interesse die führende Rolle von Essen beim Strukturwandel im Ruhrgebiet verfolgt. Wir haben gelernt, dass es viel Grün, Parks und Radwege gibt. Die Nutzung der Industriekultur macht die Stadt spektakulär. Ein Besuch lohnt sich. Wie bei uns.

Warum wird Nijmegen Grüne Hauptstadt?

Die Mischung aus Wissen, Unternehmertum und Offenheit zeichnet die Stadt und ihre Entwicklung aus. Wir haben uns seit den 1970er-Jahren mit Umweltschutz beschäftigt, sozial und intellektuell. Danach haben wir unser Urbanes Labor entwickelt: mit sehr vielen nachhaltigen Projekten, wie Biogas-Bussen und einem besonderen Heizsystem. Die Bevölkerung von Nijmegen wächst, der Energieverbrauch sinkt.

‘s-Hertogenbosch punktet mit Ökonomie und Nachhaltigkeit

Die Stadt ist Neuling im Finale und Außenseiter. Sie landete in der Vorauswahl auf Platz 4. Wir sprachen mit Frits Staats vom Bewerbungskomitee.

Was muss man über ‘s-Hertogenbosch wissen, was zeichnet die Stadt aus?

s-Hertogenbosch ist kompakt, komplett, hat spannende Kontraste und bietet Nachhaltigkeit. In wenigen Minuten laufen Gäste von der Kathedrale zur alten Stadtmauer und zum Bossche Broek, einer von 2000 grünen Inseln in der Stadt. ‘s-Hertogenbosch bietet den 144 .000 Bewohnern viel Beschäftigung, abwechslungsreiche Wohnquartiere, guten öffentlichen Nahverkehr und viel Kultur. Zudem setzen wir schon seit Jahren besonders auf nachhaltige Energienutzung, Wasser-Management und den Schutz der Umwelt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Allein die Altstadt sowie die Kultur-, Musik- und Sportveranstaltungen ziehen 3,5 Millionen Besucher im Jahr an. Von 2010 bis 2013 war ‘s-Hertogenbosch gastfreundlichste Stadt in den Niederlanden.

Ein interessantes Details zu ‘s-Hertogenbosch?

Bis vor 35 Jahren war der Fluss durch die Stadt, die Binnendieze, eine offener Abwasserkanal. Heute ist es eine Tourismusattraktion mit 170. 000 Gästen im Jahr, die dort auf Elektrobooten herumschippern.

Was wissen Sie über Essen?

Wenn man die Einwohner von ‘s-Hertogenbosch nach Essen fragt, denken sie an Kohle, Stahl und das Ruhrgebiet.

Warum wird ‘s-Hertogenbosch Grüne Hauptstadt?

‘s-Hertogenbosch verbindet erfolgreich Ökonomie und Nachhaltigkeit, gepaart mit Geschichte und unserer besonderen Lage. Unsere Stadt wurde vom Wasser geprägt. Wasser ist allgegenwärtig, Wasser sorgt für eine grüne Atmosphäre. Die will die Stadt erhalten und weiter entwickeln. Dafür hat ‘s-Hertogenbosch den „Green Delta Plan“ erstellt und setzt ihn um.