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Langzeitarbeitslose

Essen will Arbeitslose in Eigenregie betreuen

19.05.2010 | 07:49 Uhr
Essen will Arbeitslose in Eigenregie betreuen

Essen.Essen soll Optionskommune werden und die 27.000 Langzeitarbeitslosen unabhängig von der Agentur für Arbeit in Eigenregie betreuen – wenn es sich rechnet. Das Budget dafür ist insgesamt 80 Millionen schwer.

Es geht um mehr Macht, um mehr Einfluss auf dem lokalen Arbeitsmarkt, und es geht um viel Geld: Ein 80 Millionen Euro schweres Budget, um Menschen aus der Arbeitslosigkeit holen zu können, ist eine verlockende Verfügungsmasse. „Wenn wir soviel Geld alleine steuern könnten“, heißt’s bei der Stadt, „wäre das ein echtes Pfund“.

Kaum Wunder, dass die Grundstimmung Wochen nach dem entsprechenden Beschluss des Bundeskabinetts zur Reform der Jobcenter (die NRZ berichtete) spürbar steigt in Richtung eines fixierten Ziels: Essen soll Optionskommune werden und die über 27.000 Langzeitarbeitslosen künftig in Eigenregie betreuen, unabhängig von der Agentur für Arbeit. Der kommunale Träger, so heißt es fast euphorisch, habe schließlich die größten Erfahrungen mit den kommunalen Notwendigkeiten auf dem örtlichen Arbeitsmarkt. Folgert die Devise: Am besten das Steuer übernehmen, wenn es sich nur irgendwie rechnet. Was am Ende günstiger, was besser sein könnte, wird zur Zeit geprüft.

Rat soll nach Sommerferien Grundsatzentscheidung treffen

Der Fahrplan für das weitere Verfahren aber steht bereits: Nach den Sommerferien soll der Rat der Stadt eine Grundsatzentscheidung treffen. Dass die für eine Optionskommune notwendige Zweidrittel-Mehrheit dabei zustande kommt, ist so gut wie sicher: SPD, CDU, Grüne, FDP und EBB hatten bereits im vergangenen Jahr beschlossen, die Möglichkeit einer Option für Essen zu prüfen.

Mit diesem politischen Rückenwind wird sich die Stadtverwaltung aufmachen, um ein ausführliches Konzept für die künftige kommunale Arbeitsmarktpolitik zu stricken, mit dem man sich neben bundesweit höchstens 40 weiteren Gemeinden um einen Zuschlag bewerben will. Bis zum Ende des Jahres muss ein entsprechender Antrag gestellt werden. Bekommt die Stadt den Zuschlag, kann sie erst einmal durchatmen: Der Gesetzgeber räumt ein ganzes Jahr ein, damit sich die Kommune organisatorisch neu aufstellen kann, so dass frühestens am 1. Januar der Startschuss für die Optionskommune fällt.

Während nach der derzeitigen Planung die Standorte der jetzigen Jobcenter-Filialen dezentral erhalten bleiben sollen und die Kunden von der Umstellung möglichst nichts merken sollen, steht das Personal der Bundesagentur für Arbeit in der jetzigen Arbeitsgemeinschaft vor größeren Veränderungen: Die Stadt wäre als Optionskommune nach eigener Auskunft verpflichtet, mindestens 90 Prozent der Angestellten und Beamten zu beschäftigen.

Jörg Maibaum

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Kommentare
20.05.2010
08:21
Essen will Arbeitslose in Eigenregie betreuen
von ohmannomann | #4

Fakt ist doch wohl, dass es so wie es jetzt ist nicht bleiben kann. Andere Optionskommunen machen gute Erfahrungen damit und bezeichnen den eingeschlagenen Weg als richtig. Auch sprechen die Ergebnisse der Optionskommunen für diese Modell. Dass hier nicht gesamtpolitisch umgedacht wird, betrachte ich als Feigheit der Bundespolitik.

20.05.2010
07:58
Essen will Arbeitslose in Eigenregie betreuen
von beamtenhasser | #3

Klar dass es entsprechende Studien PRO BA gibt...Die wollen ungern Macht abgeben !

Lieber seine eigenen Mitarbeiter besser bezahlen und bei Beförderungen bevorzugen und die städt. Mitarbeiter die Drecksarbeit machen lassen...

20.05.2010
07:36
Essen will Arbeitslose in Eigenregie betreuen
von der Insider | #2

@ von P. Hartz:

Womit begründen sie ihre Aussagen?? Mit den Studien die Seitens der Bundesagentur bezahlt und durchgeführt wurden? Sie kennen es doch bestimmt....wer die Musik bezahlt gibt das Ergebnis und die Richtung vor.

Ich als Betroffener kann nur hoffen, dass wir den Zuschlag für die Option bekommen und bald von den Fesseln der Agentur befreit werden. Denn es spottet jeder Beschreibung, wie und wo innerhalb der Agentur die Schwerpunkte gesetzt werde:Ranking, Statistik, Statistik und noch mal Statistik.........und erst dann kommt das Wohl der Kunden.

Ihre Aussagen entsprechen einfach nicht der Realität und sind schlicht weg falsch.

19.05.2010
18:20
Essen will Arbeitslose in Eigenregie betreuen
von P. Hartz | #1

Mehrere Studien belegen, dass die ARGE (JobCenter) MIT Arbeitsagentur-beteiligung wesentlich besser, effektiver und günstiger arbeitet als die unerfahrene Stadt alleine in der Optionskommune.

Kunden von Optionskommunen haben mangels BA-Software der Vermittler auch gar keinen Zugriff auf einen guten Teil der tausenden Stellenangebote der Jobbörse, sowie umgekehrt.

Zudem entsteht eine Mehrklassengesellschaft: Alg I-Empfänger werden mit anderer Qualität betreut als Alg II-Empfänger. Arbeitslose in Essen werden ganz anders betreut als in Oberhausen, etc (Zitat: Jeder macht was er will).

Auch im persönlichen Feedback schneidet die durch Unternehmensberater auf modernes Dienstleister-Niveau getrimmte BA mit starkem Controlling stets besser ab, als die eingestaubten Städte, in der die Mitarbeiter mangels Vorgaben so viel oder wenig arbeiten wie sie gerade möchten.

Jede Neuorganisation kostet jede Menge Geld und Arbeit sowie Reibungsverluste.

Das Argument die Stadt Essen kenne den Arbeitsmarkt besser als das Arbeitsamt Essen, das auch seit vielen Jahrzehnten vor Ort ist und mit den Firmen zusammen arbeitet (Vermittlung, Kurzarbeit, Eingliederungszuschüsse, Azubis, etc.), ist schlicht weg falsch (zumal die Stadt ja auch im Jobcenter Einfluss hat).

Nur was spricht bitte für den Ausschluss der Bundesagentur - außer Macht und Steuergelder, die die Stadt unbedingt will? - Auch auf dem Rücken der Arbeitslosen und Steuerzahler!

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