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Essen will an 15 Standorten Flüchtlingsunterkünfte bauen

08.12.2015 | 06:00 Uhr
An der Wallneyer Straße in Essen-Schuir nahe der Wetterwarte plant die Stadt Essen neue Unterkünfte für Flüchtlinge. Langfristig könnte der Standort dann auch mit einer Wohnsiedlung bebaut werden.Foto: Stadt Essen

Essen.  Die Stadt Essen plant an 15 Standorten Unterkünfte für Flüchtlinge. Die städtebauliche Offensive birgt Sprengstoff, da teils Landschaftsschutz gilt.

Die Stadt Essen will 2016 für 6000 Flüchtlinge Wohnraum in „einfachen, aber festen Unterkünften“ schaffen. In einem zweiten Schritt soll an den 15 ins Auge gefassten Standorten (zur Bildergalerie) eine „geordnete Wohnbebauung“ entstehen. Die städtebauliche Offensive birgt Sprengstoff, da für die Areale teils Landschaftsschutz gilt oder aus anderen Gründen eine Bebauung bisher undenkbar war.

Darunter sind landschaftliche Schönheiten wie das Hexbachtal in Bedingrade oder Grünflächen am Wetteramt in Schuir. Um hier bauen zu können, nutzt die Stadt auch Erleichterungen im Bauplanungsrecht, die das Asyl-Paket der Bundesregierung ermöglicht hat.

Doch „unlautere Motive“ mag sich Oberbürgermeister Thomas Kufen nicht unterstellen lassen. Vielmehr sieht er das Großprojekt mit einem veranschlagten Investitionsvolumen von zunächst 102 Millionen Euro als Befreiungsschlag: „Die Flüchtlinge müssen aus den Zeltstädten heraus und in vernünftige Unterkünfte. Und wir müssen aus dem Krisenmodus kommen und die Herausforderungen planerisch bewältigen.“ Auch seien die Provisorien die teuerste Art der Unterbringung: So koste ein Platz in einer Regel-Unterkunft monatlich gut 1000 Euro, im Zeltdorf 2000 Euro; in einer Wohnung nur gut 700 Euro.

Standorte für neue...

Nicht nur vorübergehende Nutzung: Neue Siedlungen sollen entstehen

Diskussionen dürfte es dennoch geben, da die ausgewählten Flächen ja nicht nur vorübergehend genutzt werden sollen. Vielmehr sollen die schlichten Unterkünfte nur für eine Zeit von fünf, sechs Jahren bewohnt werden; perspektivisch möchte man die Standorte als Wohnbauflächen nutzen: Neue Siedlungen sollen dem steigenden Bedarf an Wohnraum Rechnung tragen, sagt Planungsdezernent Hans-Jürgen Best. „Wir wollen dort keine neuen Ghettos schaffen, sondern gemischte Quartiere für Essener Ur-Einwohner und Flüchtlinge.“ Essen sei eine wachsende Stadt und habe eine Leerstandsquote von nur zwei Prozent. „Was die Knappheit des Angebotes angeht, spielen wir in einer Liga mit Köln und Düsseldorf.“

Um das ehrgeizige Projekt im Jahr 2016 stemmen zu können, drückt OB Kufen aufs Tempo. Der Rat soll die neue Strategie bereits in seiner Dezember-Sitzung grundsätzlich absegnen, schon im Januar soll über die Standorte entschieden werden.

Dem Verdacht, dass man hier Bauprojekte an strittigen Standorten wie in Schuir durch die Hintertür möglich mache oder andernorts gar den Naturschutz aushebele, trat Baudezernentin Simone Raskob entgegen. Man werde Landschafts- und Naturschutz prüfen. Kufen hob darauf ab, dass er rasch 4000 Plätze in Zelten ersetzen wolle: In einer dicht besiedelten Stadt wie Essen gebe es eben keine „wundersame Flächenvermehrung“. Auf Nachfrage räumte der OB ein, „dass einige der Flächen in der Vergangenheit kritisch diskutiert worden sind.“ Diese Diskussion dürfte nun wieder aufflammen.

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Essen will an 15 Standorten Flüchtlingsunterkünfte bauen
Essen will an 15 Standorten Flüchtlingsunterkünfte bauen
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2015-12-08 06:00
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