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Friedhöfe

Essen spart bei der letzten Ruhe

06.09.2010 | 06:42 Uhr
Essen spart bei der letzten Ruhe
Foto Katrin Bölstler

Essen.Das Sparprogramm der Stadt Essen auf Friedhöfen gilt als „alternativlos“, doch die Umsetzung läuft zäh. Derweil etabliert sich ein „Beerdigungs-Tourismus“, zum Beispiel ins Krematorium nach Venlo.

Hintergrund
2,5 Millionen Minus

Auf 23 kommunalen Friedhöfen finden sich 250.000 Grabstellen. Essens Krematorium zählt 5400 Einäscherungen im Jahr, davon 30 % Auswärtige. Seit 2007 liefen Verluste von 2,5 Millionen Euro auf.

Wer wissen will, warum auf Essener Friedhöfen demnächst Trauerhallen und öffentliche Toiletten geschlossen werden müssen, der könnte die passende Antwort auf einer Kaffeefahrt finden: Kommenden Mittwoch um 12.30 Uhr geht’s mal wieder los zu einer kostenlosen Informations- und Besichtigungstour nach Venlo. Es gibt Gelegenheit zum Einkaufen, eine kleine Führung und dazu Kaffee und Kuchen, und wer da sagt, das sei doch nichts Besonderes, sollte wissen: Führung und Kaffeekränzchen finden im Krematorium von Venlo statt.

Bei dem auch für die Friedhöfe zuständigen städtischen Betrieb „Grün und Gruga“ kennen sie den Beerdigungs-Tourismus seit Jahren, er geht einher mit einer drastisch veränderten Bestattungskultur und einem Trend zur Schlichtbestattung. Selbst die Stadt bietet mittlerweile ein „Leistungspaket“ für unter 500 Euro mit anonymer Urnenbeisetzung auf einem Sonderfeld des Friedhofs am Hallo an – nur um die Grabkapazitäten auszulasten.

Verluste lasten auf dem Grün-Etat

Doch die Einnahmen brechen schneller weg, als die Stadt mit ihrem jüngst vorgestellten Spar-Programm ausgleichen kann, dies zeigt der Halbjahresbericht von „Grün und Gruga“, der dieser Tage der Politik vorgelegt wird. Danach unterschreiten die Umsätze selbst die deutlich gestutzte Kalkulation der Stadt um 16 Prozent, die Verluste lasten nun auf dem Grün-Etat, größere Investitionen sind nicht mehr zu stemmen.

Ihr eingeleitetes Sparprogramm nennt die Stadt „alternativlos“, doch in den Bezirksvertretungen, wo der im Mai präsentierte Plan mit geschlossenen Friedhofs-Toiletten, abgerissenen Aufbahrungsräumen und Trauerhallen in diesen Tagen diskutiert wird, stößt sie nicht durchgehend auf Verständnis: Während etwa im Nordosten das Aus für den Friedhof Schonnebeck gegen Widerstände abgesegnet wurde, lehnte die Bezirksvertretung in Borbeck die Pläne für den Friedhof am Schildberg ab – und im Stadtbezirk Mitte strickte „Grün und Gruga“ an Varianten, um das Okay der Politik zu erreichen. Aber die Stadt muss runter vom Millionen-Minus. Höhere Gebühren? Die gelten als kontraproduktiv, dann bestellen sie für die Venlo-Tour einfach noch einen größeren Bus.

Wolfgang Kintscher

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Kommentare
07.09.2010
13:39
Essen spart bei der letzten Ruhe
von quasselkopp | #8

Plötzlich steht man da und hat ein Loch in der Tasche. Man mag es nicht hören. Als träten solche Umstände von heute auf morgen ein.
Wenn sich eine veränderte Bestattungskultur entwickelt, ist es doch Pflicht der Bediensteten des Volkes, darauf einzugehen, und sich den veränderten Lebensgewohnheiten anzupassen.
Stattdessen wird geweint: Oh weh, die Leichen brennen anderswo, verschlossen wird das Friedhofsklo !! Wen wunderts, wenn die Kunden hinterher auf jeden Fall mehr Asche haben.
Darf man den Postenbesetzern vorwerfen, solange wie möglich still gehalten zu haben. Da muss wohl erst die Frage nach Dummheit oder Absicht geklärt werden.

06.09.2010
11:43
Traurige Entwicklung
von halali01 | #7

Unsere überbezahlten Beamten und Angestellten haben,nicht nur in Essen,ein Denkvermögen zwischen -1 zwischen 0.MfG

06.09.2010
11:22
Traurige Entwicklung
von Totenkommerz | #6

Es wird mir immer unverständlich bleiben, warum ich in Deutschland die Asche nicht einfach mitnehmen und z.B. im Garten verstreuen kann. Das hat nichts mit Pietät oder Gesundheit zu tun. Also warum?

06.09.2010
10:24
Traurige Entwicklung
von harper20 | #5

Ich gucke mir Mitwoch auch das Krematorium in Venlo an ;) Das geht aber nur wenn du vorher angerufen hattest, wegen dem Bus.

Geschlossene öffendliche Toiletten sind doch in Essen der normalzustand! Mir fallen ausser einer sogenannten Bürgertoilette nur die Bücherei und ein paar Geschäfte in der Innenstadt ein. Ausser denen wo man mehr als an der Autobahn bezahlt.

06.09.2010
02:16
Traurige Entwicklung
von widerstand | #4

Das kommt wenn eine Kommune bei den Gebühren immer gieriger wird - und selbige später zum Fenster hinauswirft für Leuchtturmprojekte die der Bürger nicht braucht.
Jagt das verantwortliche Stadtdezernetenpack aus der vergangenen Jahre in die Wüste.

05.09.2010
21:50
Traurige Entwicklung
von Holgdf | #3

Die Stadt Essen hat auf dem Segeroth-Friedhof den Toten ein sehr ehrenvolles Denkmal aus schönem Mamor gesetzt, auch das sollte man mal sehen. Eine der besten Taten in letzter Zeit!

Danke dafür!

05.09.2010
21:50
Blockierter Kommentar.
von Holgdf | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.09.2010
20:22
Traurige Entwicklung
von Lally | #1

Kein Wunder das Venlo die große Konkurrenz ist. Aber jeder kirchliche Friedhof ist günstiger als die Stadt. Ein BLick in die aktuellle Gebührenordnung erklärt vielleicht einiges..
(Auszugsweise)
Leistungspaket 1b (die Bezeichnung ist schon ein Witz) bestehend aus:

Benutzung des Aufbahrungsraumes
einschließlich Grunddekoration
Benutzung einer kleinen Trauerhalle 354.84 €,
Wahlgrab allgemeine Lage 20 Jahre 1.263,91 €,

Benutzung von Einrichtungen:
Beispiel Zusatzdekoration,
je Pflanzenkübel 7,67 €,
je Kerzenständer 6,65 €,
Orgel oder Harmonium 16,36 €,

Grabbereitung, Ausgrabung und Umbettung
Wahlgrab einschl. Abtransport der Kränze und überschüssigen Erde 581,85 €,

Ausgrünen des Grabes mit Fichte und Matten 51,64 €.

Zustimmung zur Errichtung von Grabmalen 38,35 €, stehendes Grabmal 121,18 €

Tja, liebe Grün und Gruga. Noch Fragen? Nun vergleiche man einmal spasseshalber mit einem kirchlichen Friedhof. Da bekommt man für den Preis aber einiges mehr geboten. Habe eben erst die leidliche Erfahrung machen dürfen und auch genau verglichen!!!

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