Essen legt neue Rabattkarte für Bedürftige auf

Die neue Rabattkarte: „ Essen.dabei sein“.
Die neue Rabattkarte: „ Essen.dabei sein“.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Pünktlich vor den Sommerferien soll für einkommensschwache Haushalte in Essen der Zugang zu Kultur- und Sportangeboten leichter werden.

Essen.. Ermäßigungen ohne Schämfaktor: Die Stadt will einkommensschwachen Haushalten in Essen den Zugang zum Kultur- und Bildungsangebot erleichtern. Dafür gibt es ab heute die neue Karte „Essen.dabei sein“. Die Vorlage dieser Plastikkarte soll künftig genügen, um in vielen städtischen aber auch privaten Einrichtungen in den Genuss eines Rabattes zu kommen.

Bislang müssen beispielsweise Hartz-IV-Empfänger an der Kasse einen gültigen Leistungsbescheid als Nachweis vorlegen, um ihre Bedürftigkeit nachzuweisen. Sozialdezernent Peter Renzel vermutet, dass viele Betroffene dies aus Scham nicht tun und deshalb ganz fern bleiben oder das Angebot seltener nutzen. „Wir wollen ihnen nun einen diskriminierungsfreien Zugang ermöglichen“, sagte Renzel am Montag bei der Vorstellung der neuen Karte.

Dezernent wirbt für weitere Interessenten

Sie wird derzeit von knapp 40 Anbietern im Stadtgebiet akzeptiert. Dazu zählen beispielsweise der Gruga-Park, die städtischen Frei- und Hallenbäder, Kulturhäuser wie die Philharmonie, das Grillo-Theater oder die Lichtburg. Auch drei Sportvereine sind dabei.

Aktiv Werbung hat die Stadt nicht gemacht, sondern erst einmal alle Einrichtungen, die schon heute Rabatte für Geringverdiener anbieten, gebündelt. Allerdings wirbt Renzel durchaus dafür, dass sich weitere Interessenten melden können. Einzige Bedingung: Sie müssen für arme Haushalte auch tatsächlich Rabatte anbieten. Ein ähnlicher Anlauf mit einer Familienkarte vor rund vier Jahren war gescheitert. Die Familienkarte hatte jedoch eine andere Ausrichtung. Sie kam vor allem als Rabattkarte für diverse Dienstleistungen daher.

Lange Diskussionen im Vorfeld

Die Stadt schätzt, dass derzeit 115.000 Essener so bedürftig sind, dass sie in den Genuss der Karte kommen können. Dazu zählen Hartz-IV-Familien, Rentner, die Grundsicherung im Alter beziehen, außerdem Asylbewerber, Familien, die Kindergeld mit Kinderzuschlag erhalten und Wohngeldberechtigte.

In der Politik hatte es im Vorfeld lange Diskussionen um die Rabatt-Karte gegeben. Während sich die SPD dafür einsetzte, hatte es vor allem in der CDU Bedenken gegeben, dass auf die Stadt zusätzlich hohe Kosten zukommen könnten – einerseits wegen des Verwaltungsaufwandes, andererseits wegen der Einnahmeausfälle in den städtischen Einrichtungen.

Keine Probleme mit Datenschutz

Laut Renzel würden sich jedoch die Verwaltungskosten in Grenzen halten. Die Einführung koste einmalig 10.000 Euro, in der Folge rund 5000 Euro pro Jahr. Weniger Einnahmen in den Bädern oder Kultureinrichtungen befürchtet Renzel ebenfalls nicht. Im Gegenteil: „Wir gehen davon aus, dass künftig mehr Menschen die Angebote nutzen“, und somit unterm Strich vielleicht sogar mehr in der Kasse bleibt.

Probleme mit dem Datenschutz gibt es nach Auffassung der Stadt nicht. Auf der Karte seien keine Daten gespeichert. Name und Gültigkeitsdatum werden per Hand eingetragen.