Essen legt Konzept für Kunst im öffentlichen Raum vor
01.02.2012 | 14:04 Uhr 2012-02-01T14:04:00+0100
Essen. Im Kulturausschuss wird am Montag das Konzept für „Kunst im öffentlichen Raum“ vorgestellt. Damit sollen öffentliche Kunstwerke katalogisiert und ihre Pflege gesichert werden. Ein dringender Patient wäre das 400 Kilo schwere Nashorn an der B224, das Opfer von Graffiti-Schmierereien wurde.
Vor allzu langer Zeit, vor etwa 2,5 Millionen bis 11.000 Jahren, lebten in Europa Wollnashörner, bekannt unter dem Namen „Coelodonta antiquitatis“. Ein Skelett dieser Art wurde gar im Rhein-Herne-Kanal gefunden und steht heute im Ruhr Museum. Nach einer harten Eiszeit sollen die Tiere irgendwann wieder zurück in ihre Ursprungsgefilde im nördlichen Eurasien gewandert sein, bevor sie letztlich ausstarben. Auch den wohl letzten „Vertreter“ im Emscherbruch, die Nashornskulptur des Künstlers Johannes Brus an der Gladbecker Straße im hohen Norden, könnte dieses Schicksal irgendwann womöglich ereilen. Muss es aber nicht.
400 Kilogramm Beton
Wenn in der Sitzung des Kulturausschusses am Mittwoch das am 6. April 2011 von den Mitgliedern bestellte Konzept zur „Betreuung und Pflege der Kunst im öffentlichen Raum“ von der Verwaltung endlich vorgestellt und debattiert wird (dies war bereits einmal für Dezember 2011 gedacht), betrifft das auch dringend die Zukunft des Betongeschöpfes an der vielbefahrenen B224. Bereits mehrfach wurde in der Vergangenheit über den einsamen grauen Riesen gesprochen, der zwischen vier Stahlkokillen sein Dasein fristet. Von Graffiti, Vandalismus und Vernachlässigung durch den Besitzer, die Stadt, mal ganz abgesehen. Zuletzt sprach man vor ein paar Monaten auch mit dem Künstler, welche Möglichkeiten man habe. Der entwickelte nach NRZ-Informationen ein günstiges Restaurierungsangebot. Geschehen ist bisher nichts.
Seit 1988 löst der 400 Kilogramm schwere Koloss staunende Blicke bei Autofahrern aus. Im Internet ist er ein beliebtes Motiv der Hobby- Fotografen. Ein Nashorn mitten im Ruhrgebiet, noch dazu zwischen Relikten der Industriekultur? Ja, jedenfalls war das die Idee von Johannes Brus, der damals wie andere Künstler Arbeiten für ein Projekt schufen. Kurator Ulrich Krempel ließ im Museum Folkwang unter dem Titel „Im Auftrag“ Modelle ausstellen, für die spätere Umsetzung wurde mit den Bezirksvertretern vor Ort zusammengearbeitet. Die Künstler bekamen ein Honorar für das Aufstellen, nicht für das Werk an sich. Gute 25 Jahre ist das her.
Nashorn museumsreif?
Was wäre dennoch jetzt der richtige Umgang? Die Kokillen blank putzen, wie es die Graffiti der Spitzer-Spirale auf dem Kennedyplatz in Kürze trifft, der Betonoberfläche des Nashorns eine Schönheitsbehandlung durch den Künstler gewähren? Letzterer könnte auch mit dem Gedanken leben, das bunte Ensemble, so wie es ist, als Ganzes in ein Museum zu überführen. Keine schlechte Idee, dies ist aber wohl wegen des Schwertransports zu teuer. Gemäß dem neuen Konzept steht am Anfang erstmal die Informationssammlung, eine Art Inventur. Und auch, dass die Kunst im öffentlichen Raum ein neues Gesicht bekommen dürfte, wenn man den angedachten Personaleinsatz sieht. Bisher war der alleinige Ansprechpartner Mario-Andreas von Lüttichau, dessen Hauptjob eigentlich der des Kurators für das 19. und 20 Jahrhundert im Folkwang-Museum ist. Nicht unwichtig ist die in dem Papier formulierte eindeutige Regelung der Zuständigkeiten zwischen den involvierten Ämtern nach der Art der Fläche.
Wie gut etwaige Maßnahmen angegangen werden können, muss die Praxis zeigen.
Stichwort – Das neue Konzept in Kürze...
Folgende Aufgabenstellungen für die „Betreuung und Pflege von Kunst im öffentlichen Raum“ sieht das Konzept vor: 1. Eine digitale Bestandsaufnahme aller Informationen zu den Kunstwerken und zum Standort. 2. Die regelmäßige Überprüfung der Exponate und Organisation von Erhaltungsmaßnahmen; 3. ein Leitbild für künftige Aufstellungen; 4. ein Ansprechpartner für Mäzene und Künstler, der sich um Zuständigkeiten und Unterhaltungsfragen im Vorfeld kümmert; 5. die Klärung aller Rechtsverhältnisse; 6. Vermittlung; 7. Konservatorische Betreuung durch Fachkräfte.
22:35
Ein Nashorn.... für mich etwas zu langweilig...
ein Blickfang wird es nach der Restaurierung wohl auch nicht.