Essen kämpft für seinen Paternoster im Deutschlandhaus

Beliebt: Viele Neugierige kommen nur in Deutschlandhaus, um einmal Paternoster zu fahren. Geht es nach dem Bundesarbeitsministerium, ist damit bald Schluss.
Beliebt: Viele Neugierige kommen nur in Deutschlandhaus, um einmal Paternoster zu fahren. Geht es nach dem Bundesarbeitsministerium, ist damit bald Schluss.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der Paternoster im Essener Deutschlandhaus ist durch eine neue Verordnung bedroht. Die Stadt will für ihren beliebten, historischen Aufzug kämpfen.

Essen.. Der Paternoster im Deutschlandhaus in der Essener Innenstadt darf womöglich bald nicht mehr von Besuchern genutzt werden. So steht es in der jüngsten Fassung der Betriebssicherheitsverordnung aus dem Bundesarbeitsministerium. Demnach dürfen nur entsprechend geschulten Beschäftigten in die „Personenumlaufaufzüge“ steigen. Bundesweit hat das zu Empörung geführt, und Essens Planungsdezernent Hans-Jürgen Best, der im Deutschlandhaus sitzt, kündigt Widerstand an.

Für Best ist der Paternoster im Deutschlandhaus eine Herzensangelegenheit: „Jeden Versuch, ihn stillzulegen, werden wir abschmettern!“ Vor 20 Jahren sei ein solcher Vorstoß schon gescheitert, der jetzige aus dem Bundesarbeitsministerium werde ebenfalls erfolglos bleiben, prophezeit Best.

„Alle finden den Paternoster klasse"

100 Orte (96) Stein des Anstoßes ist ein Satz in der aktuellen Fassung der Betriebssicherheitsverordnung: „Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Personenumlaufaufzüge nur von durch ihn eingewiesenen Beschäftigten benutzt werden.“ Für Bürger und Besucher wäre der Paternoster im Deutschlandhaus demnach ab Anfang Juni tabu. Ein Unding findet Best: „Alle finden den Paternoster klasse. Der ist unglaublich beliebt und wird viel besucht!“ Auch die WAZ hat ihn als Kulturgut und Touristenattraktion in ihrer Serie „100 besondere Orte“ (10.10.2014) gewürdigt.

Etwaige Unfälle seien ihm nicht bekannt, sagt Best und weist darauf hin, dass kein Besucher von Bau- oder Planungsamt auf den Paternoster angewiesen ist: „Jeder hat die Wahl: Wer Angst hat, nimmt unseren normalen Aufzug. Wer einen Augenblick schweben will, der wählt das Glücksgefühl im Paternoster!“

„Pappnasen“ in Berlin: „Sollen wir jeden vor seiner eigenen Dummheit schützen?“

So lyrisch mag sich Bodo Schmidt von der Geschäftsleitung der Koerferschen Verwaltungsgesellschaft in Köln nicht äußern. Als Eigentümerin des denkmalgeschützten Gebäudes pflegt die Gesellschaft die Familientradition: Architekt Jacob Koerfer hat das 1929 errichtete Deutschlandhaus entworfen. „Erst im vergangenen Jahr haben wir 300 000 Euro in den Paternoster gesteckt“, sagt Schmidt und schimpft über die „Pappnasen“ in Berlin: „Sollen wir jeden vor seiner eigenen Dummheit schützen?“ Schon jetzt werde mit Schildern auf Gefahren für Kinder und gebrechliche Menschen hingewiesen. „Was soll ich in drei Tagen machen? Besucher unterweisen, vielleicht noch Prüfungen abnehmen?“ Er könne höchstens noch ein Schild aufstellen: „Nur für Bedienstete der Stadt.“

Ein Schild wird man womöglich auch im Altbau von Thyssen-Krupp aufstellen müssen: Denn auch hier an der Altendorfer Straße läuft noch ein Paternoster, den gelegentlich Besucher nutzen. Vielleicht bekommen diese demnächst auch einen schriftlichen Warnhinweis in die Hand. Die hauseigene Arbeitssicherheit werde sich des Themas auf jeden Fall annehmen, sagt eine Unternehmens-Sprecherin. Zwangsläufig: „Hier gibt es keinen anderen Aufzug!“