Essen friert – und heizt noch mit Kohle

Aus der WAZ vom 9. Januar 1985:.  In Essen ist es seit Wochen bitterkalt. Der Baldeneysee ist längst zugefroren. Auch weite Teile der Ruhr in Steele, wo das Wasser viel schneller fließt, sind eine einzige Eisfläche, die Bürger wagen sich auf die glatte Schicht und machen Erinnerungs-Fotos mit Polaroid-Sofortbild-Kameras, die damals schwer in Mode sind.

Die Energieversorger melden in der ersten Woche des Jahres 40 Prozent mehr Gas-Verbrauch als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Kraftwerke arbeiten unter Volllast, das liegt auch an den 84 000 Wärme- und Nachtspeicher-Geräten, die es damals noch in Essen gibt. Mit Strom zu heizen, gilt damals noch als zeitgemäß. Und die Brennstoff-Händler melden längere Wartezeiten: „Alle Kunden bestellen auf einmal“, klagt einer. Wer jetzt Kohle ordert, muss sich eine Woche lang gedulden. Denn Kohle ist vor 30 Jahren noch ein gängiger Brennstoff, nicht nur in privaten Haushalten: Rund 70 Schulen in Essen werden mit Kohle beheizt, mit Koks um genau zu sein. An der Bertha-Krupp-Realschule in Frohnhausen schleppt der Hausmeister rund 20 Zentner Koks täglich durch die Kellerräume bis zum Ofen.