Essen beklagt Verluste durch „Leichentourismus“
04.05.2010 | 17:17 Uhr 2010-05-04T17:17:00+0200
Essen.Weil er auf den städtischen Friedhöfen Millionenverluste einfährt, will Grün und Gruga zwei Friedhöfe schließen und Trauerhallen abreißen. Als Ursache nennt das Unternehmen wachsende Konkurrenz. Inzwischen gebe es bei Einäscherungen einen regelrechten „Leichentourismus“.
Auf den städtischen Friedhöfen macht Grün und Gruga Millionenverluste. Deshalb hat der Betrieb am Dienstag ein Sparkonzept vorgelegt. Er will zwei Friedhöfe und viele Trauerhallen und Aufbahrungsräume schließen. Selbst mit diesem Sparpaket wird der Betrieb aber weiter rote Zahlen schreiben.
Grün und Gruga betreibt 23 Friedhöfe mit rund 250 000 Grabstellen und das Krematorium am Hellweg. Schon vor Jahren hat der Betrieb wegen des Einwohnerrückgangs die Reserveflächen für weitere Gräber aufgegeben. Jetzt will Grün und Gruga ganze Friedhöfe aufgeben, weil die Verluste rasch steigen: Von 2007 bis 2009i sind rund 2,5 Millionen Miese aufgelaufen, Tendenz rasch steigend.
In den nächsten Jahren 31 Stellen abbauen
Als Ursache macht das Unternehmen wachsende Konkurrenz. Inzwischen gebe es bei Einäscherungen einen „Leichentourismus“ in die Niederlande und zum Rhein-Taunus-Krematorium bei Koblenz. Ein privater Krematoriumsbetreiber hat auf einem kirchlichen Friedhof in Essen schon 1600 Urnenbestattungen durchgeführt, andere bieten Billig-Bestattungen zum Beispiel in Thüringen an.
Die klassische Erdgrabbestattung wird immer seltener, auch wegen des Wegfalls des Sterbegeldes. Nur noch 14 Prozent der Verstorbenen werden heute in einem Reihengrab beigesetzt. Das bedeutet für Grün und Gruga Einnahmeverluste in Millionenhöhe.
Das Sparkonzept sieht vor, in den nächsten Jahren weitere 31 Stellen abzubauen und immer mehr einfache Friedhofsarbeiten an Privatfirmen abzugeben. Der Siepenfriedhof und der Friedhof Schonnebeck sollen aufgegeben werden. Dazu will Grün und Gruga mehrere Trauerhallen abreißen. Die neue Halle am Parkfriedhof soll in ein Kolumbarium für Urnen umgewandelt werden. Auf der Einnahmeseite plant Grün und Gruga eine „maßvolle“ Gebührenerhöhung. Trotzdem sei ein ausgeglichenes Betriebsergebnis „bis zum Jahre 2016 nicht zu erwarten“.
19:14
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10:06
@14erzhase: Sehr gut, ihr Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf!!! Allein schon daran kann man erkennen, wie weit es der Stadt/ der Kirche wirklich mit der vorgeschobenen Pietät ist, immer dran denken: Geld stinkt nicht!!!
16:15
Mich würde viel mehr interesieren was es bedeutet wenn Grün Gruga Friedhöfe aufgeben will...
Sollen die planiert und zu Parkplätzen umfunktioniert werden? Dem steht doch wohl die vertraglich vereinbarte Nutzungsdauer der Gräber entgegen - ausserdem wer (wie meine Mutter) seit annähernd 25 jahren die Grabstätte seines Partners bezahlt in dem Wunsch dort ebenfalls beerdigt zu werden der wird mit einer Schliessung wohl auch nicht einverstanden sein.
Selbst wenn es rechtlich möglich wäre die weitere Bestattung in den dort vorhandenen Gräbern zu unterbinden ,wäre das der moralische Offenbaungseid für die Stadt.
14:38
Leichentourismus ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass Grün Gruga etwas falsch macht, bzw. den Markt nicht versteht.
Wenn man im Osten bzw. in Holland günstiger verbrannt werden kann als in Essen, ist das kein Grund zu klagen, sondern Anlass nachzuforschen, was die Konkurrenz betriebswirtschaftlich intelligenter macht.
In Holland wird in Krematorien alles verbrannt, was verbrannt werden soll, am Hellweg werden „nur“ Menschen eingeäschert. Warum? Welche menschliche Leiche würde es stören, wenn nach ihr ein Pudel oder ein Pony in dem selben Ofen verbrannt wird?
Warum kann Grün Gruga keinen Leihentourismus nach Essen organisieren?
Es ist in keiner Weise pietätlos, durch flexible und marktorientierte Preisgestaltung z.B. in Form eines anzahlbezogenen Rabattsystems, örtliche Bestatter an das Essener Krematorium zu binden bzw. Bestatter aus anderen Städten anzulocken.
Durch jede Leiche die nicht in Essen verbrannt wird, entgeht der Stadt mehr Geld als sie durch Rabatte für „Großkunden“ verlieren kann.
Auch „Paketpreise“ für Einäscherung mit Urnengrab müssen kein Tabu bleiben.
Wenn es Grün Gruga dann auch noch gelingt, die Friedhöfe durch innovative Bestattungsangebote und gefällige Ruhe- bzw. Begegnungsflächen attraktiver zu gestalten, könnten vielleicht sogar Menschen aus den Nachbarstädten auf die Idee kommen, gern in Essen beerdigt werden zu wollen.
13:55
@mao
Nö, die Leute lassen es einfach nicht mehr durch die Stadt machen. Solange es billigere Alternativen gibt, werden die auch genutzt. Ist ein Unternehmen nicht konkurenzfähig, fährt es eben Verluste ein. Das gilt auch für die Stadt...
Im Übrigen ist es Blödsinn, dass Steuern zweckgebunden sind. Würde z.B. die Autosteuer tatsächlich für Straßen verwendet, sähen diese anders aus.
13:28
10
Man zahlt eben nicht Steuern für den Friedhof, das sind Abgaben oder Gebühren, die zweckgebunden sind. Die Unterdeckung wird aus dem Stadtsäckeln bezalt, dass ist nicht in Ordung.
Wenn das einem zu teuer erscheint, kann er gerne in dem Bereich Kürzungsvorschläge machen, so dass es billiger wird.
11:04
Wenn man sich mal eine Bestattungsrechnung ansieht kommt man schnell drauf wo die Hinterbliebenen abgezockt werden. Unsere Städte sind nicht ganz unschuldig daran.
Muss sich in unserem Land eigentlich immer alles rechnen?
Wofür zahlt man eigentlich noch Steuer?
Ich finde grundlegende Aufgaben unseres Staatswesens sollten auch aus Steuermitteln mit gedeckt werden damit meine ich nicht die zockenden Banken sondern u.a. Dinge wie oben beschrieben. Es gibt nicht mehr nur reiche Menschen in unserm Land denn nicht jeder die Möglichkeit der Vorsorge. Zwischen dem Sozialhilfeempfänger und dem Millionären gibt es eben noch unterschiedliche Einkommensgruppen.
Im Übrigen werden die Bestattungskosten für die Hinterbliebenen nicht nur wie angekündigt steigen sonder auch noch die Überführungskosten, weil eben Trauerhallen und Aufbewahrungsräume fehlen.
Für die Verwaltung ist es wohl der einfachste Weg die Leute, die durch einen Schicksalsschlag eh getroffen sind und keine Gegenwehr zeigen, über den Tisch zu ziehen.
10:14
Es bereichert sich nicht nur die Stadt, sondern vor allem die Lobby der Friedhofsgärtnereien. Aus was für einem anderen Grund sollte man sonst Urnen nicht zu Hause aufbewahren???
09:20
Vollkommen klar, dass sich jeder auch der Konkurenz zuwenden kann und darf.
Friedhof ist auch ein Stück Kultur, (wenn man MVA Karnap will, na ja).
Aber eines ist doch klar, Grün und Gruga macht Verluste, die sind nicht einfach hinzunehmen, an Kosteneinsparung muss man arbeiten.
Wie man wie manche Kommentatoren aber zu dem Schluss kommen kann, die Stadt würde sich bereichern, kann ich nicht nachvollziehen.
Die Gebüren sind im Moment nicht kostendeckend. Das hat auch nichts damit zu tun, dass man jahrelang seine Steuer bezahlt hat.
Das Anspruchsdenken ist viel zu sehr ausgeprägt.
23:23
Warum gibt es denn überhaupt Leichentourismus?
Seit Jahrzehnten hat die Stadt die Gebühren kontinuierlich und ohne Rücksicht bis ins kaum Bezahlbare erhöht. Dadurch hat sich die Stadt die Konkurenz doch selbst geschaffen. Natürlich nutzen die Leute vermehrt Urnenbestattungen, die billigeren privaten Unternehmer und kirchliche Friedhöfe.
Und schon wieder kündigen sie eine maßvolle Erhöhung an. Grün und Gruga hat offenbar nicht verstanden wie freie Marktwirtschaft funktioniert...