Espo will Krawallklubs ausschließen

Mit einer ungewöhnlichen Maßnahme will der Essener Sport die gewalttätigen Auswüchse im Amateurfußball eindämmen: Der Essener Sportbund (Espo) hat gestern Abend bei einer Klubversammlung angekündigt, auffällig gewordene Vereine aus dem Verband auszuschließen. Dem Verein würden Fördermittel gestrichen, er müsste deutlich höhere Gebühren für die Nutzung der Sportstätten bezahlen und die Teilnahme am Spielbetrieb wäre nicht mehr möglich. „Wenn wir jetzt nicht diese Rote Karte ziehen, bekommen wir das Spiel nicht mehr in den Griff“, warnte Espo-Geschäftsführer Wolfgang Rohrberg.

Die beiden Essener Fußballkreise, Espo sowie die Sport- und Bäderbetriebe hatten zum Fußballgipfel in das Pfarrzentrum St. Elisabeth in Frohnhausen gebeten. Der Grund: Die zunehmende Gewalt auf den Plätze und zahlreiche negativen Schlagzeilen, die der Essener Fußball zuletzt produziert hatte. Allein drei Essener Spieler wurden im letzten halben Jahr nach Übergriffen lebenslang gesperrt.

Ordner und Zivilcourage

Dazu häufen sich die Spielabbrüche. „Es ist an der Zeit, dass was passiert“, sagte Kreisvorsitzender Thorsten Flügel gestern Abend bei der Begrüßung der Vereinsvertreter. 80 Klubs waren eingeladen, 72 schickten Vertreter. „Das zeigt das große Interesse an dem Thema. Und eines vorab: „99 Prozent unserer Essener Fußballer wollen einfach kicken und ihren Spaß haben“, sagte Flügel. Auch der BV Altenessen, dessen zweite Mannschaft für den Rest der Saison von den Gegnern boykottiert wird, hatte einen Vertreter geschickt.

Der Fußballkreis hatte sich ebenfalls Gedanken über eine Lösung des Gewaltproblems gemacht. Künftig soll das Ordnerwesen bei Spielen genauer kontrolliert werden. „Denn“, sagte Thorsten Flügel, „wo Ordner sind, da passiert weniger.“ Die Satzung sieht bei jedem Spiel eine „ausreichende Zahl gekennzeichneter Ordner vor“. Früher wurden die Armbinden vergleichsweise lustlos übergezogen und bei Stress in der Tasche versteckt. Inzwischen hat der DFB jeden Verein mit Westen versorgt. „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr“, sagte Flügel, der zudem im Stressfall Zivilcourage einforderte.

Nach dem Kreisvorsitzenden präsentierte Espo-Boss Wolfgang Rohrberg eine Selbstverpflichtung, die alle Vereine unterschreiben sollen. Dann präsentierte er das weitreichende Ausschlusskonzept. Der Espo will Vereine ausschließen, die sich nicht mehr der Wertegemeinschaft verpflichtet fühlen. Durch die „gegenseitige Mitgliedschaft“ im Landessportbund und im Fußballverband Niederrhein würden sie auch dort rausfliegen. „Wir müssen ein Zeichen setzen. Vielleicht begreifen es so endlich einige Leute“, stellte Rohrberg klar.