Erstmals Streik der Gebäudereinigerinnen
07.10.2009 | 15:17 Uhr 2009-10-07T15:17:00+0200
Essen. Premiere für die Essener Gewerkschaftsszene: Zum ersten Mal traten Gebäudereinigerinnen in den Warnstreik.
Schauplatz des ersten Streiks der Essener Gebäudereinigerinnen war das Marienhaus auf der Ottilienstraße, das ungeputzt blieb. Normalerweise sind hier fünf bis sechs Reinigungskräfte im Einsatz.
Aber nicht nur dort dürften in den nächsten Tagen die Besen stillstehen. In Essen sind rund 4500 Gebäudereiniger im Einsatz. Grund für die Warnstreiks ist aus Sicht der Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU „die strikte Weigerung der Arbeitgeber, ein annehmbares Lohnangebot auf den Tisch zu legen”.
Arbeitgeber wollen nur 1,8 Prozent mehr zahlen
Der IG BAU-Branchensekretär Bernd Börgers spricht von „harter Arbeit mit Besen und Bohnermaschine”, ständig zunehmender Arbeitsverdichtung und fehlender betrieblicher Altersvorsorge per Tarrifvertrag: „Gerade einmal 24 Cent wollen die Arbeitgeber pro Stunde mehr bezahlen, das wären 1,8 Prozent aufs Jahr gerechnet.” Die IG BAU fordert dagegen ein Lohn-Plus von 8,7 Prozent. Mit dem Mindestlohn in der Reinigungsbranche sei die Altersarmut vorprogrammiert. 8,15 Euro werden für die Innenreinigung gezahlt.
Die Gewerkschaft hat ihre Mitglieder zur Urabstimmung aufgerufen, am 15. Oktober wird das Ergebnis bekannt gegeben. Sie verweist darauf, dass das Wort Krise für die meisten Unternehmen in der Gebäudereinigung ein Fremdwort sei. Zusätzlich angeheizt werde das Klima durch Lohnkürzungs-Drohungen der Arbeitgeber. Bernd Börgers: „Auf einem Flugblatt haben sie einen Lohnabsturz um 30 Prozent bis zur Sittenwidrigkeitsgrenze auf 5,71 Euro angedeutet.” Er warnt alle Reinigungskräfte davor, neue Verträge zu unterzeichnen und sich auf jeden Fall in den Schutz der Gewerkschaft zu begeben.
Warnstreiks werden wohl ausgeweitet
Petra Wolter ist erst seit vier Wochen Gebäudereinigerin, war vorher Servicekraft. Für die Familie ist sie Zuverdienerin und jeden Morgen 1,6 Stunden im Einsatz. Im Marien-Hospital reinigt sie die Flure und fünf Ärztezimmer: „An den Tagen, an denen die Ärztezimmer hinzukommen, muss ich mein Pensum in der gleichen Zeit schaffen.” Für die laufende Tarifauseinandersetzung wünscht sie sich: „Ein bis zwei Euro pro Stunde müssten schon dabei herauskommen.”
Die Warnstreiks in Essen und den Nachbarstädten werden in den nächsten Tagen wohl ausgeweitet. In Essen könnten dann neben Altenheimen auch städtische Gebäude, die RWE-Hauptverwaltung und viele Büros betroffen sein. Die IG BAU lässt sich nicht in die strategischen Karten gucken, welche Objekte für die Warnstreiks ausgeguckt werden. Ein unbefristeter Ausstand droht.
Die Stimmung ist nicht gut. Die IG BAU-Fachgruppenvorsitzende Susi Neumann hat gesagt: „Wir machen jeden Tag den Dreck weg, aber wir sind kein Dreck. Wir sind keine Menschen zweiter Klasse.”
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