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Erstling mit Witz und Charme

20.08.2008 | 18:45 Uhr

Erfahrungen im Job und das Neue Testament inspirierten T. D. Reda

Im ehemaligen Bethesda-Krankenhaus (im Hintergrund) spielt der erste Roman von T. D. Reda. Foto: WAZ, Frank Vinken

SERIE MITMENSCHEN Wunderliches geschieht im Großraum Borbeck in dieser Nacht. Ein schlimmes Unwetter lässt im Grenzgebiet zu Oberhausen und Mülheim die Keller voll laufen - und im Bethesda-Krankenhaus an der Bocholder Straße werden auf einen Schlag alle 177 Patienten geheilt. Es folgen 48 Stunden Ausnahmezustand, die im ganzen Stadtgebiet tiefe Spuren hinterlassen.

Das ist die Handlung des neuen Romans "Die Nacht der Wunder", dem Erstlingswerk von T. D. Reda. Mit Witz und Ruhrpott-Charme ist es dem Autor gelungen, ein Stück Essener Atmosphäre einzufangen. Er hat damit seiner Heimatstadt und vor allem seinem alten Arbeitsplatz, dem Bethesda, ein Denkmal gesetzt. Als das Krankenhaus vor knapp zwei Jahren schließen musste, verlor Reda, damals selbstständiger PR-Berater im Gesundheitswesen, seinen besten Kunden. Als dann noch die Gesundheitsreform folgte, hängte er den Job an den Nagel und begann mit dem Schreiben. Die Idee für sein erstes Werk war da schon lange da: "Ich bin seit 20 Jahren fasziniert vom Neuen Testament und insbesondere von den Wunderheilungen. Wenn man so etwas im Hinterkopf hat und jeden Tag im Krankenhaus ein- und ausgeht, dann verbindet man das schnell."

So begann er zu fantasieren, wenn er im Bethesda Termine wahrnahm: Was passiert, wenn Jesus hier auf einmal auftaucht und alle Patienten heilt? Analog zu den Evangelien der Bibel entschloss er sich, in vier Kapiteln vier verschiedene Erzähler zu Wort kommen zu lassen: Einen Pfarrer, ein Mitglied des Krankenhaus-Managements, einen Lokalreporter und einen ehemaligen Bergmann. Jeder hat dabei einen eigenen Sprachstil, eine eigene Sicht auf die Dinge.

Dass Reda solche unterschiedlichen Positionen glaubhaft darstellen kann, verdankt er den Erfahrungen, die er im Laufe seines turbulenten Lebens gesammelt hat. Aufgewachsen in Altenessen, verließ er mit 15 die Hauptschule und begann eine Lehre als Bergmechaniker auf Zollverein. Nach der Ausbildung drückte er wieder die Schulbank, erwarb die mittlere Reife, das Fachabitur und studierte schließlich BWL. Nebenbei jobbte er als Tourbegleiter für Bands wie "Running Wild" und "Culture Beat". Obwohl er ganz Deutschland und große Teile Europas bereisen durfte, kam für den Soul-Fan eine Musikkarriere nicht in Frage.

Heute wohnt Reda in Holsterhausen und unterrichtet als Dozent an einer Bochumer Privatschule für Auszubildende. Ansonsten schreibt er im Akkord. "Ich bin dann in einer ganz anderen Welt und hinterher völlig platt." Trotzdem ist Schriftsteller sein Traumberuf: "Ich habe schon immer das Gefühl gehabt, Beobachter meines eigenen Lebens zu sein."

T. D. Reda: "Die Nacht der Wunder", Verlag Henselowsky Boschmann, 192 Seiten.

Von Christopher Friedburg

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