Erste Adresse für gute Gestaltung

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Im ehemaligen Kesselhaus auf Zeche Zollverein geht es viel um die geschliffene Form. Das nicht öffentliche finanzierte Museum gilt als größte Ausstellung zeitgenössischen Designs weltweit. Peter Zec, Vorstand des Red Dot Design Museums und Initiator des international erfolgreichen Red Dot Design Awards, gilt dabei als Macher mit Ecken und Kanten. Die von ihm seit 1991 geführte Design-Institution, die 1955 als „Ständige Schau formschöner Industrieerzeugnisse“ in der Villa Hügel begann, feiert in diesem Jahr den 60. Geburtstag.

Den Konferenzraum hat schon der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder für Besprechungen genutzt. Zur Hochzeit mit Doris Köpf hat Zec ihm damals zwei Lampen geschenkt, die Schröder im Design Zentrum aufgefallen waren. Der Politiker hat sich später mit einem Vorwort im Jahrbuch bedankt. Peter Zec kann das gut, Kontakte herstellen, manche nennen ihn umtriebig. „Ohne die Unterstützung des damaligen Ministeriums wären wir gar nicht auf Zollverein“, sagt der 58-Jährige.

Und doch klagt er heute über ein „nachlassendes Interesse“ der Politik. „Wir haben das Haus auf ein Niveau gebracht, mit dem keiner gerechnet hat“, sagt Zec. Doch statt mit der Adresse Werbung zu laufen, sei das Feedback von Land und Stadt eher gedämpft, findet er. Seit Jahren würde man beispielsweise erfolglos über den Bau einer neuen Halle auf dem Areal verhandeln, wo man eine Sammlung aufbauen könnte, wo aber auch die Red-Dot-Bewerbungen aus aller Welt gesichtet werden sollen. 5000 Produkte trudeln jedes Jahr ein, um von der Experten-Jury bewertet zu werden. Der Rote Punkt, dessen Rechte Zec der Stadt schon vor Jahren abgekauft hat, ist längst Markenzeichen und einträgliches Marketing-Instrument. Für die Sichtung der Produkte muss die internationale Jury bislang nach Mülheim ausweichen. Dabei könnte das Treffen auf Zollverein zum echten Event werden, wirbt Zec, mit Symposien und Messe-Flair. „Wir müssen den Standort weiterentwickeln.“

Am 1. Mai 1997 hat das Design Zentrum NRW auf Zollverein eröffnet. Bis zu 140 000 Besucher kamen anfangs in das von Star-Architekt Sir Norman Foster umgebaute Kesselhaus, um Rasenmäher und Tupperdosen im rostmodernen Ambiente zu begutachten, und Auto-Karosserien, die kopfüber von der Decke baumeln. Längst ist das Haus eine internationale Institution, weltweit vernetzt. Das Red Dot Museum hat Zweigstellen in Singapur und Taiwan, Im Berliner Konzerthaus feiert die Kreativszene alljährlich ihre Preisträger im Communication Design. Daneben sitzt Zec in etlichen Gremien, unter anderem als Senator des internationalen Dachverbandes der Industriedesigner ICSID.

„Von September bis Ende vergangenen Jahres war ich fast drei Monate unterwegs“, erzählt Zec, der einst als Kulturreferent von Brillen-Grossist Fielmann „Unternehmertum par excellence mitbekommen habe“. Es war die Zeit, als Essen sich um den Titel der „City of Design“ bewarb, doch ausgerechnet vom Design Zentrum war dabei wenig zu hören, was für Zec angesichts der Kompetenzverteilung folgerichtig ist. „Entweder achtet man unsere Stellung und wir haben die führende Position oder gar keine“.Mangelndes Selbstbewusstsein würde dem geschäftstüchtigen Designfachmann niemand vorwerfen, der sich mit seinem forschen Auftreten in der Stadt freilich nicht nur Freunde gemacht hat. Von Abwanderungsgedanken war gar mal die Rede, aber die sind perdu. „Wir haben uns gut arrangiert mit dem Ort, wir fühlen uns hier richtig wohl“, sagt der Familienvater und fordert inzwischen vielmehr Planungssicherheit. Der Vertrag für das Kesselhaus laufe bis 2022. Zec würde gerne langfristig verlängern, denn längst haben Form und Inhalt auf Zollverein für ihn zur unschlagbaren Symbiose gefunden. „Wir sind weltweit einzigartig, in der Architektur und in der Nutzung.“

Als eine Art Stiftung Warentest für den ästhetisch-anspruchsollen Verbraucher genießt man Reputation. Und so kommt es, dass Zec seinem Erfolgs-Label in der Welt inzwischen ziemlich häufig begegnet: „Ich kaufe nicht bewusst nach Red Dot. Aber eine gute Küche ohne einzurichten, ist inzwischen doch verdammt schwer.“