Erst Formel 1, jetzt Ruhr 2010 Dr. Ronald Seeliger
27.12.2007 | 19:40 Uhr 2007-12-27T19:40:39+0100In Ronald Seeliger (40) fand die Kulturhauptstadt-GmbH einen geschäftsführenden Direktor mit einem ungewöhnlichen Vorleben
Ronald Seeliger sagt: "Bei mir liegen 52 Millionen Euro auf dem Tisch." Er meint das aber nicht wörtlich. So einen großen Tisch gibt's ja gar nicht. Wir hätten es mit mehr als 15 laufenden Metern Geld zu tun, in Bündeln gepackt und alle hintereinander gestellt, zu je 100 Scheinen à 500 Euro.
Vor wenigen Wochen hat Ronald Seeliger sein Amt als kaufmännischer Direktor der "Ruhr 2010" GmbH angetreten. Salopp gesagt: Der 40-jährige Berliner ist der Kassenwart der Kulturhauptstadt. Doch wenn man behauptet, sein Job sei es, den Etat zu verwalten, dann widerspricht er: "Ich schaue nicht einfach nur, was verbucht wird. Sondern frage: Was macht ihr da eigentlich? Und macht das später noch Sinn? Was ich brauche, sind nicht nur Zahlen, sondern Informationen. Ich gebe nur Geld für etwas, das nachher noch Sinn macht."
Der Etat der Kulturhauptstadt kam Anfang Dezember ins Gerede. Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der "Ruhr 2010" GmbH, hatte öffentlich angemerkt, die 52 Mio Euro, die bisher zugesagt worden sind, seien zu wenig. Das führte zu kurzzeitiger Aufregung. Was Seeliger nicht ganz versteht: "Wir haben viele gute Projektvorschläge erhalten und ein großes Bild vor Augen. Dass dafür die Finanzierung nicht ausreicht, war klar."
Denn eingegangen im Büro der "Ruhr 2010" GmbH sind, man hörte und las es, 1000, 1500 beziehungsweise 2000 Projektvorschläge von Bürgern. Die Angaben variieren. Was aber egal ist, denn verwirklicht werden können alle sowieso nicht. "Die Projekte werden stark selektiert", versichert Seeliger, "doch um eine Reduzierung der Bandbreite zu verhindern, wollen wir die Projekte zielgerichtet und kosteneffizient planen."
Seine Erfahrungen im Motorsport werden ihm vermutlich dabei helfen. Ronald Seeliger hat zuvor mehrere Jahre in London für Bernie Ecclestone gearbeitet, den Vermarkter der Formel 1. Über seine Arbeit für Ecclestone sagt Seeliger, dass er der Formel 1 jährlich 50 Mio Pfund eingespart habe.
Wie hat er das gemacht?
Um ein Beispiel zu finden, holt Seeliger etwas aus. "Sie haben eine Rennstrecke, die ist immer nur ein nackter Betonstreifen. Dann kommt für ein Wochenende die Formel 1 mit 200 Mitarbeitern und drei Jumbo-Jets voller Technik." Unter anderem werden Induktionsschleifen auf die Piste gelegt, für die Zeitmessung. "Die Schleifen liefern aber auch genaue Daten über die Autos und deren Fahrverhalten." Seeliger fiel eines Tages auf: Diese Daten wurden gratis an die Rennställe abgegeben. Denen dienen sie bei der Forschung und Entwicklung. "Das haben wir dann geändert. Es wurden fortan Rechnungen geschrieben. Und die wurden auch bezahlt."
Bevor er seinen Job für die Kulturhauptstadt antrat, war das Ruhrgebiet für ihn "ein diffuses Etwas", gibt Seeliger zu. Was ihn bisher am meisten beeindruckt, ist: "Der starke Zusammenhalt der Region. Wie eng die 53 Städte zusammenstehen. Die Kulturhauptstadt wird das Ruhrgebiet nachhaltig verändern."
Er ist nicht bloß Buchhalter. Schon gar nicht will er als Sparfuchs durch die Rathäuser ziehen. "Mein Job ist es, die Leute aus der Privatwirtschaft mit den Leuten aus dem Öffentlichen Dienst zusammenzubringen. Die können sich oft nicht verstehen." Weil sie sich nicht mögen? "Nein, weil sie total unterschiedlich denken. Da komme ich als Übersetzer ins Spiel. Denn an einem Punkt treffen sie sich am Ende alle, und das ist beim Budget."
Womit wir wieder beim Thema wären: Wenn man die "unentgeltlichen Leistungen der Unternehmen", so Seeliger, mitzählt, habe der Etat bereits eine Größe von 150 oder 200 Mio Etat. Die viel diskutierten 52 Mio Euro seien lediglich ein "Kerbudget". "Das Interesse der Industrie", sagt Seeliger, "ist riesig. Die wollen nicht einfach nur 100 000 Euro spenden und dafür das Logo abgreifen. Nein, die wollen sich richtig einbringen."Geboren in Berlin. Studium des Wirtschaftsingenieurwesens, Berlin, London. Promotion zum Dr. Ing. Tätigkeiten u.a. für Pixelpark, die Kirch-Gruppe, EM.TV und die Formula One Management Ltd.
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